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Welttag des Wassertieres am 3. April: Regierungspräsidium Gießen stellt Eisvogel vor – Mystischer Wächter unserer Fließgewässer

Ein pfeilschneller Flieger und Taucher

Welttag des Wassertieres am 3. April: Regierungspräsidium Gießen stellt Eisvogel vor – Mystischer Wächter unserer Fließgewässer

Gießen. Wenn ein Vogel lebendige Gewässer verkörpert, dann ist es der Eisvogel. Zum Welttag des Wassertieres 2026 am Freitag, 3. April, steht er in Gießen im Mittelpunkt: ein schillernder, fast unwirklich wirkender Botschafter, der wie ein fliegender Edelstein über Lahn, Wieseck und Schwanenteich gleitet. Die Beschäftigten aus dem Regierungspräsidium (RP) Gießen, die für das Lahnfenster verantwortlich sind, stellen den Spezialisten für Luft und Wasser vor.

„In Gießen zeigt sich, wie positiv Renaturierungsmaßnahmen wirken können“, sagt Ursula Rock, Leiterin des Lahnfensters. Unter anderem haben die strukturellen Veränderungen zur Landesgartenschau 2014 die Situation rund um den Eisvogel deutlich verbessert. „Denn der kleine Vogel baut keine typischen Nester, sondern legt Bruthöhlen in vegetationsfreien Abbruchkanten in naturnahen Uferstrukturen an.“

Am Lahnfenster steht er in dieser Saison, die am 27. März startete, besonders im Fokus. Viele Infomaterialien und Exponate vermitteln Wissenswertes zu dem bunten Vogel. „Sein metallisch blau orangefarbenes Gefieder, die besondere Federstruktur und seine blitzartige Jagdtechnik machen ihn zu einer der faszinierendsten Arten unserer Region“, schwärmt Umweltbildner Benjamin Deichert. Der Eisvogel lebt im Takt des Wassers. Von einer Sitzwarte aus stößt er pfeilschnell ins Gewässer, taucht tief und erstaunlich lange und erbeutet kleine Fische, Kleinkrebse, Wasserinsekten und auch Amphibien.

„Beim Eintauchen schützt ihn eine durchsichtige Nickhaut, die sich wie eine Taucherbrille über die Augen legt und ihm unter Wasser klare Sicht ermöglicht“, erläutert der RP-Mitarbeiter. Sein Federkleid ist ein optisches Wunder: Die intensiven Blau und Türkistöne entstehen nicht durch Pigmente, sondern durch mikroskopische Strukturen, die das Licht brechen und reflektieren. Ein physikalischer Effekt, der ihn je nach Blickwinkel unterschiedlich und immer faszinierend schillern lässt.

Für Besucherinnen und Besucher des Lahnfensters besteht auch die Möglichkeit, an einer Vogelführung teilzunehmen. Mit etwas Glück können Besucherinnen und Besucher den flinken „Edelstein“ vielleicht beim Ein- und Ausfliegen beobachten. Was eine Sichtung des Eisvogels wahrscheinlicher macht, ist die neue künstliche Bruthöhle, die unweit des Lahnfensters eingerichtet worden ist, um die lokale Population zu unterstützen. Mit etwas Glück bekommt man den Eisvogel dann selbst zu sehen. Aber auch ansonsten warten viele weitere Vogelarten, die an das Wasser gebunden sind.

Durch seine besonderen Ansprüche wirkt er wie ein Schutzschirm für viele andere Arten. Wo er vorkommt, profitieren auch Fische, Libellen, Amphibien oder Wasserpflanzen – denn sein Lebensraum ist ihr Lebensraum. Als prägnante Flaggschiffart lenkt er Aufmerksamkeit auf die Bedürfnisse ganzer Ökosysteme und hilft so indirekt, Arten zu schützen, die weniger im öffentlichen Bewusstsein stehen. „Der Eisvogel zeigt uns, was möglich ist, wenn Natur wieder Raum bekommt“, sagt Ursula Rock. Sein Erscheinen führt zu einem Moment des Staunens. „Es ist für uns zugleich ein Appell, diesen Weg mutig weiterzugehen.“

Das Lahnfenster ist freitags von 15 bis 19 Uhr sowie samstags und sonntags von 13 bis 18 Uhr geöffnet, außer an Karfreitag. In den hessischen Ferien gelten zusätzliche Öffnungszeiten von Montag bis Donnerstag von 13 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei, ebenso das Standardangebot für Schulklassen und Kindergärten. Führungen können über das Beteiligungsportal Hessen oder alternativ per E-Mail an Lahnfenster@rpgi.hessen.de beziehungsweise telefonisch unter 0641 303-5565 gebucht werden. © RP-Gießen