Gelangen Sie hier zum Bericht der Gemeinde Brechen zur Veranstaltung zu den Archäologische Funden im Gewerbegebiet Barmbach beachten Sie auch den dort verlinkten Vortrag zur weiterführenden Information:
Quasi rappelvoll war es am Mittwochabend, 18.2.2026 im Freizeitraum der Emstalhalle Oberbrechen. Mit einem solch großen Interesse hat wohl keiner gerechnet, denn rund 150 Besucher aus der Gemeinde und Umgebung waren gekommen und sehr daran interessiert, nähere Details über die archäologischen Funde bei den Grabungsarbeiten im künftigen Gewerbegebiet „Barmbach“ in Brechen zu erfahren.
Nach einer Begrüßung durch Bürgermeister Frank Groos berichteten die für die Grabungen Verantwortlichen Fachleute Maurice Komm vom Freien Institut für Angewandte Kulturwissenschaften (FIAK) und Dr. Kai Mückenberger vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen in einem rund 90 Minuten andauerndem Vortrag über die Ergebnisse und beantworteten auch im Anschluss noch geduldig Fragen der Zuhörer*innen.
Was als Routineuntersuchung vor der Erschließung eines neuen Gewerbegebiets zwischen Niederbrechen und Oberbrechen begann, hat sich zu einem bemerkenswerten archäologischen Fund entwickelt. Die Archäologen legten auf einer Fläche von über 27.000 Quadratmetern insgesamt 397 Befunde frei – und öffneten damit ein Fenster in mehr als 7.000 Jahre Menschheitsgeschichte.
Alles begann 2022 mit einer geophysikalischen Untersuchung auf 62.000 Quadratmetern. Ein routinemäßiges Verfahren, das eigentlich im Zusammenhang mit der Kampfmitteluntersuchung erforderlich wurde. Die Geomagnetik-Messungen lieferten dabei deutliche Hinweise auf unterirdische Strukturen, woraufhin zunächst sieben Sondageflächen angelegt wurden. Die Ergebnisse waren so vielversprechend, dass die Grabungsfläche schließlich auf 27.500 Quadratmeter erweitert wurde.
Zu den spektakulärsten Entdeckungen zählten drei bronzezeitliche Kreisgräben, die aus der Vogelperspektive eindrucksvolle geometrische Formen zeigen.
Überraschend war auch die Entdeckung einer vollständig erhaltenen Körperbestattung in einer ehemaligen Vorratsgrube. Das Skelett einer etwa 1,55 bis 1,60 Meter großen Frau lag in Rückenlage und war mit persönlichem Schmuck ausgestattet: einem eisernen Torques (Halsring), mehreren Bronzearmringen sowie einem Bronzering am Kopf. Beigaben im eigentlichen Sinne fehlten – die Bestattung in einer Vorratsgrube statt in einem regulären Grab gilt als archäologisch ungewöhnlich.
Das Fundspektrum der Grabung war beeindruckend vielfältig. Keramikscherben der Linearbandkeramik (5500–4800 v. Chr.) und der Rössener Kultur belegen eine Nutzung des Geländes bereits im Neolithikum. Bronze- und eisenzeitliche Funde bilden den Schwerpunkt, darunter Schmelztiegel mit Bronzeresten, Bronzenadeln, Eisenmesser und Spinnwirtel – letztere ein Hinweis auf textile Produktion. Sonderfunde wie Knochennadeln und Steinwerkzeuge runden das Bild ab. Vereinzelte Scherben aus dem späten Mittelalter und der frühen Neuzeit zeigen, dass der Ort auch in jüngerer Zeit genutzt wurde.
Die mindestens 70 geborgenen Kegelstumpfgruben – teils zwei Meter tief und drei Meter breit – dienten ursprünglich als Vorratsgruben und wurden später als Abfallgruben genutzt, was die reiche Funddichte erklärt.
„Die Siedlung selbst wurde nicht gefunden", fasste Grabungsleiter Komm zusammen. Er führte aus, dass die Befunde nicht auf eine kontinuierliche Besiedlung, sondern auf mehrere voneinander getrennte Siedlungsperioden über viele Jahrhunderte hindeuten. Besonders die Konzentration von Sonderfunden im südlichen Bereich lassen auf einen möglichen Handwerkerbereich schließen.
Derzeit werden die Ergebnisse der Grabung noch weiter ausgewertet. Das Freie Institut für Angewandte Kulturwissenschaften arbeitet in enger Kooperation mit Hessen Archäologie an der wissenschaftlichen Aufbereitung der Funde, die ein einzigartiges Zeugnis frühmenschlicher Aktivität im Limburg-Weilburger Raum darstellen.
Der abschließende Grabungsbericht wird der Gemeinde nach Abschluss der wissenschaftlichen Aufarbeitung zur Verfügung gestellt und in geeigneter Weise für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Bürgermeister Groos zeigte sich am Ende beeindruckt, wie lange die Geschichte der Gemeinde Brechen zurückreicht und bedankte sich bei den beiden Referenten für ihren sehr spannenden, interessanten Vortrag der archäologischen Funde in der Gemeinde Brechen. © Gemeinde Brechen