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Jugendfriedenspreis des Landkreises: Erster Platz geht an die Freiherr-vom-Stein-Schule Dauborn

Schülerinnen und Schüler der Freiherr-vom-Stein-Schule Dauborn haben den mit 800 Euro dotierten ersten Platz beim Jugendfriedenspreis 2025/2026 des Landkreises Limburg-Weilburg für sich verbucht. Landrat Michael Köberle zeichnete die Gewinnerinnen und Gewinner bei der großen Preisverleihung in der Limburger Friedrich-Dessauer-Schule aus. Das Thema des diesjährigen Jugendfriedenspreises lautete: „Auf dem Weg zum Frieden – Gemeinsam in Europa Zukunft gestalten“.

Das Projekt des bilingualen Kurses der Jahrgangsstufe 10 unter Leitung von Lehrerin Patricia Birkenfeld verbindet historisches Lernen mit aktiver Erinnerungskultur und sollte die beteiligten Schülerinnen und Schüler dazu ermutigen, verantwortungsbewusst in einem demokratischen Europa zu handeln. Im Zentrum stand dabei die Frage, wie die Auseinandersetzung mit Antisemitismus, Holocaust und NS-Geschichte zu einem nachhaltigen Beitrag für Frieden und gesellschaftlichen Zusammenhalt in der Gegenwart werden kann. Zunächst setzte sich die bilinguale Lerngruppe intensiv mit den Grundlagen von Antisemitismus, Zweitem Weltkrieg und Holocaust auseinander. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der historischen Entwicklung des Antisemitismus von der Antike über das Mittelalter bis in die Neuzeit. Ziel war es, Antisemitismus als ein wandelbares, zugleich aber dauerhaft wirksames Phänomen in seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen zu verstehen. Gleichzeitig wurde eine differenzierte Perspektive auf jüdisches Leben vermittelt, das über Jahrhunderte hinweg ein selbstverständlicher Bestandteil Europas und eine Bereicherung für Kultur und Gesellschaft war. Auf dieser Grundlage wurde Erinnerungskultur nicht nur thematisiert, sondern durch konkrete Projekte, Begegnungen und eigenes Handeln unmittelbar erfahrbar gemacht. Die Lerngruppe arbeitete dabei überwiegend in Gruppen, phasenweise auch in Partner- oder Einzelarbeit. Durch die Verbindung von lokalen Stolpersteinverlegungen und internationalen Begegnungen mit Nachfahren aus den USA, Israel und England entstand ein Lernraum, indem Geschichte als global vernetzt und bis in die Gegenwart hinein relevant erfahrbar wurde. Die zweisprachige Umsetzung in Deutsch und Englisch stärkte dabei zusätzlich die europäische und internationale Perspektive der Lerngruppe. Das Projekt hatte eine deutlich spürbare persönliche und soziale Wirkung. Ausgehend vom historischen Wissen entwickelten die Lernenden eine reflektierte Haltung gegenüber Ausgrenzung, Antisemitismus und demokratischen Werten. Besonders die Begegnungen mit Nachfahren sowie die Erfahrungen an authentischen Orten führten zu nachhaltiger emotionaler Beteiligung und eröffneten neue Perspektiven. Die Schülerinnen und Schüler traten sichtbar als Vermittlerinnen und Vermittler von Geschichte auf und erreichten mit ihren Beiträgen auch die lokale Öffentlichkeit. Die erworbenen Kompetenzen – historisches Urteilen, Empathiefähigkeit und gesellschaftliche Verantwortung – prägen die Schülerinnen und Schüler auch über das Projekt hinaus. Das Projekt zeigt, wie Erinnerungskultur ideenreich, handlungsorientiert und nachhaltig gestaltet werden kann. Es verbindet historisches Lernen mit demokratischer Bildung und leistet damit einen konkreten Beitrag zur Förderung von Frieden sowie Verantwortung in Europa.

Der mit 400 Euro dotierte zweite Platz ging an das Video-Projekt „Mein Europa – Dein Europa – Unser Europa: Wir beginnen einen internationalen Austausch“ der AG „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ aus der Adolf-Reichwein-Schule Limburg. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss von acht Lehrkräften sowie acht Schülerinnen und Schülern verschiedener Schulformen, die seit über zwei Jahren gemeinsam Angebote, Projekte und Ausstellungen unter der Leitung von Lehrerin Dr. Barbara Schleicher an der Adolf-Reichwein-Schule durchführen. Die Zukunft Europas liegt in der Hand der Jugend, denn sie wird in den nächsten Jahrzehnten darüber entscheiden, was Europa sein wird und ob es ein friedliches Zusammenleben in Europa geben wird. Aber was bedeutet Europa für Jugendliche, was verstehen sie unter Frieden und welche Rolle spielt dabei jede einzelne Person? Zu diesen Fragen sollte eine persönliche Sicht von Jugendlichen eingeholt werden. Daraus entstanden eine Befragungsaktion und ein Video.

Den dritten Preis und somit 300 Euro durfte die 10cG der Fürst-Johann-Ludwig-Schule Hadamar unter Leitung von Lehrerin Ramona Henrich für das Video-Projekt „Freiheitslinien: Ein Projekt über Mut, Verantwortung und Frieden in Europa – Verantwortung verstehen, Demokratie bewahren, Frieden gestalten“ entgegennehmen. Das Projekt verbindet Themen aus dem Deutsch- und Geschichtsunterricht wie beispielsweise Götz von Berlichingens Freiheitsgedanken sowie gegenwärtige europaweite Problematiken wie Kriege und demokratiegefährdende Tendenzen. Der Wunsch der Schülerinnen und Schüler war dabei, komplexe Zusammenhänge zwischen historischen Freiheitsideen und heutigen demokratischen Werten für Interessierte kompakt in einem Video darzustellen.

Landrat Michael Köberle erläuterte das Ziel des Jugendfriedenspreises: „Wir wollen junge Menschen im Landkreis Limburg-Weilburg dazu aufrufen, im Rahmen eines Wettbewerbs kreative Projekte zu gestalten, die die Idee des friedlichen Zusammenlebens und der Menschlichkeit fördern, bestehende Vorbehalte abbauen helfen und zu einem stärkeren Miteinander in unserer Gesellschaft hier in der Region beitragen können.“ Frieden ist nach den Worten des Landrats nicht nur in der Weltpolitik ein ständig brennendes Thema, sondern Frieden beginnt bei jeder und jedem von uns, jeden Tag, dort, wo wir leben und arbeiten. Landrat Köberle weiter: „Das große Engagement, die Kreativität und vor allem der persönliche Einsatz der Kinder und Jugendlichen in den verschiedenen Projekten haben uns echt beeindruckt. Das ist alles andere als selbstverständlich und dafür möchte ich allen an dieser Stelle besonders danken.“ Sein Dank galt zudem den Mitgliedern des Beirates Jugendfriedenspreis, die über die Preisverteilung entschieden haben, den Sponsoren Kreissparkasse Limburg, Kreissparkasse Weilburg und Nassauische Sparkasse sowie den Kolleginnen vom Jugendbildungswerk Limburg-Weilburg, die den Wettbewerb mit großem Einsatz vorbereitet und organisiert haben. © Landkreis Limburg-Weilburg