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Interprofessionelle Notfallversorgung im Fokus: Erstes Limburger Notfallsymposium überzeugt mit großer Resonanz

Knapp 200 Fachkräfte aus Medizin, Pflege und Rettungsdienst – deutlich mehr als erwartet – haben das erste Limburger Notfallsymposium des St. Vincenz Gesundheits-Verbundes zu einem starken Auftakt gemacht. Für die Region, in der das Limburger Krankenhaus als größter Notfallversorger eine zentrale Rolle spielt, ist diese Resonanz ein wichtiges Signal: Interprofessionelle Fortbildung wird zunehmend zum Schlüssel einer belastbaren Notfallversorgung. Dass viele Teilnehmende überregional anreisten, unterstreicht die Relevanz des Formats.

Interdisziplinarität als verbindendes Element

Schon früh im Programm zeigte sich, wie eng erfolgreiche Notfallversorgung mit dem Zusammenspiel der Berufsgruppen verknüpft ist. Rettungsdienst, Pflegekräfte und ärztliche Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Disziplinen brachten ihre Perspektiven ein und verdeutlichten, wie sehr sich Expertise ergänzt, wenn Entscheidungen unter Zeitdruck getroffen werden müssen.

Workshops: Praxiswissen aus erster Hand

Der Vormittag stand im Zeichen von sieben Workshops, die Themen von Nichtinvasiver Beatmung über Ultraschall bis zur Thoraxdrainage abdeckten. Rund 20 Dozentinnen und Dozenten aus der klinischen Praxis vermittelten Techniken, gaben konkrete Hinweise und ermöglichten den Teilnehmenden, Abläufe direkt auszuprobieren.

Wie gut dieses Format ankam, zeigen die Rückmeldungen der Teilnehmenden: „Extrem lehrreich“, sagt Lukas Müller, Pflegekraft aus Mainz, „der Hands‑on‑Charakter hat den entscheidenden Unterschied gemacht.“ Anna Sartor, Assistenzärztin aus Siegen, war mit mehreren Kolleginnen und Kollegen angereist und betonte den kollegialen Mehrwert: „Wir waren in unterschiedlichen Workshops und können unser Wissen jetzt im Team weitergeben.“

Fachvorträge: Strukturen, Prozesse und klinische Entscheidungswege

Am Nachmittag rückten strukturelle und klinische Fragen der modernen Notfallmedizin in den Mittelpunkt. Mehrere Beiträge beleuchteten, wie Notfallversorgung künftig organisiert sein muss, um unter zunehmendem Druck verlässlich zu funktionieren. Die Keynote von Patrick Dormann, DGINA Vizepräsident (Pflege) und Weiterbildungsleitung Notfallpflege der Caritas-Akademie Köln-Hohenlind setzte hier den Rahmen: Sie zeigte, wie sich die Rolle der Zentralen Notaufnahme weiterentwickelt und welche strukturellen Voraussetzungen dafür notwendig sind.

Ein zweiter Schwerpunkt lag auf akutmedizinischen Kernprozessen – von aktuellen Konzepten zur Versorgung gefäßchirurgischer Aortennotfälle über neurologische Diagnostik im nichttraumatologischen Schockraum bis hin zur Umsetzung der „Stroke Chain of Survival“ im Limburger Krankenhaus. Auch die intensivmedizinische Versorgung nach Herz-Kreislauf-Stillstand wurde aufgegriffen und machte deutlich, wie eng präklinische, notfallmedizinische und intensivmedizinische Entscheidungen ineinandergreifen.

Die „Black Box“ Notfallpatient: Expertise auf Augenhöhe

Wie entscheidend interprofessionelle Zusammenarbeit im Schockraum ist, zeigte der Beitrag von Dr. Christian Claudi, Stellv. Leitung der Zentralen Notaufnahme am Universitätsklinikum Gießen/Marburg. Er schilderte anhand eines Falles aus dem nichttraumatologischen Schockraum, wie herausfordernd es sein kann, aus wenigen Leitsymptomen eine belastbare Verdachtsdiagnose abzuleiten.

Entscheidend sei, dass jede Berufsgruppe ihre Rolle kennt, ihre fachliche Expertise einbringt und Entscheidungen auf Augenhöhe getroffen werden. „Nur so lässt sich die ‚Black Box‘ Notfallpatient gemeinsam öffnen.“

In Summe ergaben die Beiträge ein präzises Bild davon, wie komplex und zugleich hochgradig abgestimmt moderne Notfallmedizin sein muss und wie sehr sie von strukturierten Abläufen, interprofessioneller Expertise und verlässlicher Kommunikation lebt.

Netzwerken als Mehrwert: „Wie ein großes Klassentreffen“

Dass gute Zusammenarbeit jedoch nicht nur in standardisierten Prozessen entsteht, zeigte sich im anschließenden Austausch. Viele Teilnehmende nutzten das Get‑together, um jenseits des Arbeitsalltags ins Gespräch zu kommen und Schnittstellen aus ihrer jeweiligen Perspektive zu beleuchten.

Besonders die Gespräche zwischen präklinischen und innerklinischen Teams eröffneten neue Einblicke in Besonderheiten des jeweils anderen Arbeitsumfelds. „Im Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen aus der Klinik haben wir viel darüber erfahren, wie Entscheidungen dort getroffen werden und welche Herausforderungen wir gegenseitig oft gar nicht sehen“, resümierte Rettungssanitäter Niklas Groß.

Ein starkes Signal für die Region und ein Format mit Zukunft

Für Christoph Balz, Zentrumsleitung der Zentralen Notaufnahme und Initiator des Symposiums, war die Resonanz ein starkes Signal. „Wir haben dieses Format aus der Praxis heraus entwickelt mit dem Ziel, Menschen aus unterschiedlichen Bereichen der Notfallversorgung zusammenzubringen.“ Ursprünglich habe er mit rund 70 Teilnehmenden gerechnet; dass es am Ende fast 200 wurden, zeige, wie groß der Bedarf sei.

Besonders wichtig ist ihm, dass der Erfolg nur durch das Zusammenspiel vieler möglich war: „Dozenten, Referenten und Kollegen verschiedener Berufsgruppen haben hier gemeinsam eine durchdachte Auftaktveranstaltung auf die Beine gestellt. Das war Teamarbeit, genau wie in der Notfallmedizin.“

Dr. Sven Antweiler, Chefarzt der Limburger Notaufnahme, knüpfte daran an und bedankte sich ausdrücklich bei Balz für die Initiative: „Christoph hat dieses Format mit viel Engagement aufgebaut. Dass es so gut angenommen wurde, freut mich sehr und ich bin überzeugt, dass wir damit einen soliden Grundstein für weitere Netzwerkveranstaltungen gelegt haben.“

Auch Guido Wernert, Geschäftsführer des St. Vincenz Gesundheits‑Verbundes, sieht in der Resonanz ein wichtiges Signal: „Eine starke Notfallversorgung entsteht dort, wo Menschen aus unterschiedlichen Professionen zusammenkommen und voneinander lernen.“ Zugleich ordnet er die Bedeutung für den Verbund ein: „Als zentraler Notfallversorger der Region ist es unser Anspruch, solche Entwicklungen aktiv voranzutreiben. Das Symposium zeigt, wie wertvoll dieser Austausch ist und bestärkt und darin, diesen Weg konsequent weiter zu gehen.“

© St. Vincenz Gesundheits-Verbund