Mensfelden. Der Arbeitskreis Umwelt, Energieversorgung, Klima und Landwirtschaft der CDU-Kreistagsfraktion Limburg-Weilburg besuchte kürzlich gemeinsam mit Fraktionsvorsitzendem Christian Wendel MdL, Landrat Michael Köberle, Arbeitskreisvorsitzendem Tobias Grän und weiteren Mitgliedern das Naturschutzgebiet „Mensfelder Kopf“. Vor Ort informierte die Vorsitzende der NABU-Ortsgruppe Hünfelden, Christina Weber-Reusch, über die wertvolle Arbeit des Vereins, der sich seit 1983 mit großer Leidenschaft für Artenvielfalt und Lebensraumschutz engagiert.
Das rund 7,17 Hektar große Gebiet, seit 1998 unter Naturschutz gestellt, ist Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000. Das Gelände aus Taunusquarzit und Tonschiefer bildet einen besonders sauren und nährstoffarmen Boden – ein idealer Lebensraum für gefährdete Pflanzen wie Besenheide, Heide-Löwenzahn, Acker-Ziest und Trespen-Federschwingel. Auch zahlreiche Schmetterlings- und Heuschreckenarten, aber auch gefährdete Vogelarten wie Neuntöter, Sperber, und Nachtigall finden hier Rückzugsräume.
In Zusammenarbeit mit der Gemeinde Hünfelden, der ortsansässigen Freiherr-vom-Stein Schule, Hessen Forst und der Oberen Naturschutzbehörde wurde unter anderem ein kindgerechter Naturlehrpfad errichtet, der nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene für den Naturschutz begeistert.
Doch trotz aller Erfolge stehen der NABU und seine über 260 Mitglieder vor großen Herausforderungen. Der Spannungsbogen zwischen Naturschutz und landwirtschaftlicher Nutzung, steigender Freizeitdruck, Vandalismus sowie finanzielle Engpässe gefährden zunehmend die Pflege und Erhaltung des sensiblen Gebiets.
„Wir erleben leider immer wieder respektlosen Umgang mit der Natur“, so Weber-Reusch. „Ob Müll, illegales Grillen oder unerlaubtes Befahren mit Fahrrädern – das alles hat unmittelbare Auswirkungen auf Flora und Fauna.“
Auch der Erhalt der Heideflächen erfordert viel Kraft und Fachkenntnis. Der hohe Stickstoffeintrag – verursacht durch Straßenverkehr und Landwirtschaft – sowie zunehmende Dürren verändern das Bodengefüge. Die empfindliche Symbiose zwischen Heidepflanzen und Bodenpilzen wird dadurch massiv gestört. Mit dem aufwendigen Verfahren des „Plaggens“ – dem Abtragen der obersten Bodenschicht – wird versucht, die Fläche teilweise in Handarbeit zu regenerieren.
Ein weiteres Thema war der Umgang mit Freizeitnutzung: Der „Mensfelder Kopf“ ist beliebt bei Spaziergängern, Modellfliegern, Wandergruppen und Mountainbikern. Der durch die Gemeinde eingesetzte Sicherheitsdienst kann die Schutzmaßnahmen nur punktuell unterstützen. Regelmäßigere Kontrollen speziell in den Abendstunden und am Wochenende sind derzeit nicht finanzierbar - auch vor dem Hintergrund, dass der Sicherheitsdienst nicht nur für das Naturschutzgebiet, sondern für die gesamte kommunale Fläche zuständig ist.
Erfreulich ist dagegen die Zusammenarbeit mit Landwirten und Schafhaltern, die mit ihrer Pflegearbeit einen wichtigen Beitrag leisten. So wird etwa beim Abtransport des Mahdguts darauf geachtet, die Heideflächen möglichst stickstoffarm zu halten.
Die Vertreter der CDU-Kreistagsfraktion zeigten sich beeindruckt vom Engagement der Ehrenamtlichen und der Bedeutung des Gebiets für den Artenschutz in der Region.
Christian Wendel MdL, Fraktionsvorsitzender: „Das Miteinander von Kommune, Naturschutzverbänden und Landwirtschaft ist der Schlüssel zum Erfolg. Statt starrer Vorgaben brauchen wir den Dialog: Reden statt regeln.“ Tobias Grän, Vorsitzender des Arbeitskreises:
„Was der NABU hier mit Ehrenamt und Herzblut leistet, ist beispielhaft. Naturschutz und Landwirtschaft dürfen kein Gegeneinander sein – sondern müssen gemeinsam gedacht werden.“
Ein weiteres Kernthema des NABU Hünfelden ist der Schutz und die Bestandsentwicklung des Steinkauzes. Diese gefährdete Eulenart hat ihr Habitat auf alten Streuobstwiesen. Harry Morgenstern, zuständig für die Steinkauzbetreuung beim NABU Hünfelden berichtete über die große Verantwortung für den Arterhalt im Landkreis-Limburg Weilburg im seinen rd. 60 Brutpaaren. Aktuell fehlen leider geeignete Nistkästen. Zwar werden etwa 40 Kästen betreut, doch der Bedarf sei weit höher. „Wir brauchen Ersatz – ein Kasten kostet bis zu 250 Euro“, erklärte Weber-Reusch. Früher sei man durch die Holzwerkstatt der Caritas mit dem Bau von Niströhren unterstützt worden, doch diese sei inzwischen weggefallen – ein schmerzlicher Verlust.
Die CDU-Kreistagsfraktion bedankt sich herzlich bei Christina Weber-Reusch und dem NABU Hünfelden für den offenen Austausch und die unermüdliche Arbeit im Dienste der Natur. Die Fraktion will die gewonnenen Erkenntnisse in ihre politische Arbeit auf Kreisebene einfließen lassen. © Tarik Cinar