20. JULI MAHNT ZUR VERANTWORTUNG: ERINNERUNG AN DEN WIDERSTAND STÄRKT DIE DEMOKRATIE VON HEUTE
Roman Poseck: „Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit – sie muss von jeder Generation neu verstanden, angenommen und gestaltet werden.“
Wiesbaden/Bebra. Anlässlich des heutigen Gedenktages des 20. Juli, an dem 1944 ein Attentat auf Hitler scheiterte, erinnert Hessen an den Mut der Frauen und Männer des deutschen Widerstands gegen das nationalsozialistische Unrechtsregime. Einer der bekanntesten Widerstandskämpfer war der Hesse Adam von Trott zu Solz. Innenminister Roman Poseck nahm heute an der Gedenkveranstaltung der Adam von Trott Stiftung in Bebra-Imshausen teil und führte in seiner Rede aus:
„Es gab Frauen und Männer, die am 20. Juli 1944 wussten, dass ihr Widerstand sie wahrscheinlich das Leben kosten würde. Und dennoch entschieden sie sich, Verantwortung zu übernehmen. Einer von ihnen war der Hesse Adam von Trott zu Solz. Der Jurist und Diplomat erkannte früh die zerstörerische Kraft des Nationalsozialismus. Er hätte schweigen können. Er hätte sich anpassen können. Stattdessen entschied er sich, für Freiheit, Menschenwürde und Rechtsstaatlichkeit einzustehen. Mit seinen internationalen Kontakten arbeitete er an politischen Perspektiven für ein Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg und gehörte zum engeren Kreis des zivilen Widerstands. Nach dem Scheitern des Attentats vom 20. Juli 1944 wurde er verhaftet, vom sogenannten Volksgerichtshof unter Roland Freisler zum Tode verurteilt und am 26. August 1944 im Alter von nur 35 Jahren in Berlin-Plötzensee hingerichtet.
Sein Schicksal steht stellvertretend für viele Frauen und Männer des deutschen Widerstands, die aus ihrem Gewissen heraus handelten und bereit waren, den höchsten Preis zu zahlen. Ihr Vermächtnis verpflichtet uns bis heute. Gerade in einer Zeit, in der Extremismus, Antisemitismus, Desinformation und autoritäre Ideologien wieder an Einfluss gewinnen, zeigt uns ihre Geschichte, wie wertvoll und zugleich verletzlich unsere Demokratie ist. Erinnerung ist deshalb niemals Selbstzweck. Sie schafft Orientierung für die Gegenwart und Verantwortung für die Zukunft.
Der Rechtsextremismus ist aktuell die größte Bedrohung für unsere Demokratie. Rechtsextremisten greifen unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung jeden Tag aufs Neue an. Sie vertreten ihre Menschen- und Demokratieverachtung immer lauter und radikaler. Der Rechtsextremismus ist auch in den Parlamenten angekommen. Und wenn als gesichert rechtsextrem eingestufte Parteien in Umfragen vorne liegen, habe ich schon Zweifel, ob wir die Lehren aus unserer Geschichte wirklich gelernt haben. Gerade jetzt kommt es auf den Einsatz jedes Einzelnen für die Demokratie und das „Nie Wieder“ an. Gleichgültigkeit darf keine Option mehr sein. Wir müssen aufstehen gegen jede Form des Extremismus und unsere Demokratie gegen die Bedrohungen von innen und außen verteidigen. Das ist für mich auch das Vermächtnis von Adam Trott zu Solz.
Bei meinem Besuch der Adam von Trott Stiftung im vergangenen Jahr konnte ich mich persönlich davon überzeugen, mit welchem außerordentlichen Engagement dort Geschichte bewahrt und für Menschen aller Generationen erlebbar gemacht wird.
Mein herzlicher Dank gilt dem Vorsitzenden der Stiftung, Landesbischof a. D. Prof. Dr. Jochen Cornelius-Bundschuh, seinen Stellvertretern Eberhard Flammer und Dr. Clemens von Trott zu Solz sowie allen haupt- und ehrenamtlich Engagierten, die mit ihrem Einsatz die Erinnerung lebendig halten und einen unverzichtbaren Beitrag zur Demokratiebildung leisten. Wer die Geschichte kennt, erkennt die Gefahren der Gegenwart früher. Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit – sie muss von jeder Generation neu verstanden, angenommen und gestaltet werden.“
Die Adam von Trott Stiftung bewahrt das Andenken an einen der bedeutendsten hessischen Widerstandskämpfer und verbindet historische Erinnerung mit zeitgemäßer Demokratiebildung. Mit Bildungsangeboten für Schulen, Hochschulen, Lehrkräfte, die hessische Polizei sowie zahlreiche weitere Zielgruppen setzt sie sich mit Fragen auseinander, die bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren haben: Wann beginnt Verantwortung? Wie erkenne ich Unrecht? Welche Verantwortung trägt jeder Einzelne für den Erhalt unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung? Die Stiftung informiert Schulklassen, bildet Lehrkräfte fort, begleitet Studierende, veranstaltet Workshops und Seminare und arbeitet darüber hinaus auch mit der hessischen Polizei zusammen. © HMdIS