Springe zum Inhalt

Limburg: Wenn der Winter den Bussen die Fahrt unmöglich macht

Der Winter – eine Jahreszeit, die in den vergangenen Jahren oft nicht gehalten hat, was sie verspricht. In diesem Jahr zeigt er sich jedoch von seiner typischen Seite: mit Minustemperaturen, Schnee und Glätte. Damit gehen zahlreiche Einschränkungen für Bürgerinnen und Bürger sowie für Schülerinnen und Schüler einher. Sind Straßen glatt oder fällt übermäßig viel Schnee, kommt es nicht selten zum Verkehrschaos. Steht der Verkehr schließlich still, kommt dort auch der Winterdienst des städtischen Betriebshofs nicht weiter und kann weder räumen noch streuen. Sind die Straßen nicht befahrbar, dann müssen auch die Busse der Stadtlinie und häufig die Schulbusse ihren Betrieb einstellen.
Michael Stanke, 1. Stadtrat, zuständig für den Betriebshof und zugleich Betriebsleiter der Stadtlinie, erklärt: „Ohne geräumte Straßen kein Busverkehr – das eine bedingt das andere. Die Mitarbeitenden des Betriebshofs räumen nach festgelegten Kriterien und Prioritäten. Zunächst werden überörtliche Hauptstraßen sowie Straßen mit starkem Berufsverkehr geräumt, anschließend die Straßen mit Linienbusverkehr.“
Bei starkem Schneefall sei es aufgrund der Vielzahl an Haltestellen, insbesondere in Nebenstraßen, jedoch nicht immer möglich, alle Bereiche zeitnah zu räumen. Teilweise steckten auch die Räumfahrzeuge selbst im Verkehr fest. In der Folge könnten nicht alle Haltestellen angefahren werden, so Stanke.

Oberstes Kriterium ist die Sicherheit der Fahrgäste sowie des Fahrpersonals. Sobald diese nicht mehr gewährleistet werden kann, wird der Busverkehr eingestellt.
Hicham Azzou, Abteilungsleiter der Stadtlinie, berichtet, dass er in den vergangenen Tagen mehrere Hundert Anrufe und E-Mails erhalten hat – teils mit Beschwerden, teils mit der Frage, wann der Busverkehr wieder aufgenommen werde. „Bis zu einem gewissen Maß ist das auch verständlich“, so Azzou.
„Sowohl das beauftragte Busunternehmen als auch wir verfolgen täglich die Wetterlage. Ob die Busse fahren können, entscheidet das Unternehmen abhängig von der jeweiligen Wettersituation“, erklärt Azzou.

Sobald Informationen zu Busausfällen vorliegen, werden diese über die Social-Media-Kanäle der Stadt (Facebook und Instagram) veröffentlicht. Dies ist derzeit der schnellste Weg, um möglichst viele Bürgerinnen und Bürger zu erreichen. Zusätzlich werden entsprechende Hinweise auf den dynamischen Fahrgastinformationsanzeigen (DFI) an den Haltestellen sowie auf dem Parkleitsystem angezeigt.

Julian Schmitz, Geschäftsführer des Busunternehmens Limbus, das den Betrieb der Stadtlinie übernimmt, nennt die fehlende Räumung von Nebenstraßen als Hauptgrund für ausgefallene Fahrten.
„Wir wissen, dass viele Menschen im Alltag auf unsere Busse angewiesen sind. Unser Auftrag ist es, die Fahrgäste sicher und gesund an ihr Ziel zu bringen. Dafür tragen wir gemeinsam mit unseren Fahrerinnen und Fahrern die Verantwortung. Diese Sicherheit können wir bei bestimmten Wetterbedingungen jedoch nicht gewährleisten“, wirbt Schmitz um Verständnis.

Selbstverständlich sind alle Stadtlinienbusse mit Winterreifen ausgestattet, und das Fahrpersonal ist im Umgang mit Glätte und Schnee geschult. Schneeketten sind in unseren Breiten eher unüblich und kommen meist in der Alpenregion auf geschlossenen Schneedecken zum Einsatz. Zudem belasten sie dort, wo kein Schnee liegt, den Straßenbelag.

Aussagen wie „Früher sind die Busse auch bei Schnee gefahren“ begegnet Schmitz mit dem Hinweis, dass sich Sicherheitsbewusstsein und Sicherheitsanforderungen im Laufe der Jahre deutlich verändert hätten. Früher sei ein höheres Risiko in Kauf genommen worden. Zudem seien die Winter damals häufig schneereicher gewesen und der Winterdienst, so sein Eindruck, alltäglicher. Auch die Fahrzeugtechnik habe sich verändert: Moderne Linienbusse verfügten über deutlich mehr Technik, die entsprechend störanfälliger sei.

Ein Busfahrer schilderte unter einem Social-Media-Beitrag zum Busausfall seine Perspektive: Seit mehr als acht Jahren sitze er hinter dem Steuer und lediglich vier- oder fünfmal sei es in dieser Zeit witterungsbedingt zu einem Stillstand des Busverkehrs gekommen. Die Verantwortung für jeden einzelnen Fahrgast, für jedes Kind und jeden Menschen, der in seinen Bus einsteige, trage er persönlich. Kein Termin, keine Strecke und kein Auftrag seien wichtiger als ein Menschenleben. Die Entscheidung, bei extremen Wetterlagen nicht zu fahren, sei daher keine Bequemlichkeit oder Willkür, sondern Ausdruck von Verantwortung – für die Fahrgäste und auch für sich selbst. Denn ein Unfall würde alle Beteiligten ein Leben lang begleiten. © Stadt Limburg