Im Blauen Salon des Biebricher Schlosses präsentierte die hessenARCHÄOLOGIE des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen gemeinsam mit dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur Hessens neuestes eisenzeitliches Fürstengrab. Entdeckt wurde das Grab einer hochgestellten Persönlichkeit aus der Zeit der Kelten im Zuge bauvorgreifender Untersuchungen in Bad Camberg westlich der A3.
„Mit dem frühlatenezeitlichen Fürstengrab von Bad Camberg können wir nunmehr die bis dato nur angenommene Präsenz einer lokalen keltischen Elite nachweisen. Das Grab und die Möglichkeit, dieses nun mittels neuester Untersuchungsmethoden erforschen zu können, ist von großer Bedeutung für die Eisenzeitforschung in Hessen", so Landesarchäologe Prof. Dr. Udo Recker. Entdeckt wurde das Grab bei Untersuchungen im Rahmen des Baus eines Solarparks nahe der Stadt. Trotz der Bedeutung des Fundes wurden die Ausgrabungen in gerade einmal rund zwei Wochen durch ein Grabungsteam der SPAU GmbH durchgeführt, ohne dabei den Bau zu behindern.
„Der Fund von Bad Camberg fügt sich in das reiche eisenzeitliche Erbe Hessens ein. Orte wie der Glauberg haben längst gezeigt, welche herausgehobene Rolle das heutige Hessen im keltischen Kulturraum spielte. Der neue Befund kann dieses Bild erweitern: Er verspricht neue Erkenntnisse über soziale Eliten, handwerkliche Fähigkeiten, überregionale Kontakte und Bestattungssitten in der jüngeren Eisenzeit“, ergänzt Kulturstaatssekretär Christoph Degen.
„Wir freuen uns natürlich und sind ein klein wenig stolz darauf, dass ein hessenweit einzigartiger und sogar im internationalen Vergleich sehr bedeutsamer archäologischer Fund bei uns in Bad Camberg gemacht wurde. In unserer Heimatstadt widmen wir uns bekanntlich sehr intensiv unserer Stadtgeschichte – unter anderem in unserem gut aufgestellten Stadtarchiv und ehrenamtlich im Verein Historisches Camberg, der auf diesem Gebiet wertvolle Arbeit leistet. Da geht es um die unterschiedlichsten Epochen, aber natürlich insbesondere um die Neuere Geschichte. Ein Pfund mit dem wir beispielsweise gerne wuchern ist, dass wir Hessens ältestes Kneippheilbad sind und das drittälteste in Deutschland“, erläutert der Bad Camberger Bürgermeister Daniel Rühl. „Wenn man noch vor die keltische Zeit zurückgeht, dann gab es bei uns auch immer wieder Funde aus der Zeit der Bandkeramiker, die in der einschlägigen Literatur beleuchtet wurden. Die Gewissheit, dass auch die Kelten bei uns offenbar eine bedeutende Rolle gespielt haben, ist für uns in dieser Gewissheit jedoch neu und diesem herausragenden archäologischen Fund zu verdanken. Ich freue mich daher, dass wir der Entstehungsgeschichte unseres heimischen Raums heute ein weiteres Kapitel hinzufügen dürfen“, so das Stadtoberhaupt.
Die Grabbeigaben, bestehend aus schlichtem aber massivem Goldschmuck, Importwaren wie einer etruskischen Schnabelkanne und weiteren Waffenüberresten, zeichnen den Beigesetzen als hochgestellte Persönlichkeit seiner Zeit aus. Es zeigen sich klare Parallelen zu weiteren bekannten Fürstengräbern in Mitteleuropa. Röntgen- und Cl-Aufnahmen der geborgenen Erdblöcke zeigen weitere Grabbeigaben, die es noch zu interpretieren und freizulegen gilt. Der Vergleich zum Keltenfürsten vom Glauberg liegt bei dem bereits bekannten Fundspektrum nahe, auch wenn die Qualität der Grabbeigaben aus Bad Camberg sich als schlichter präsentiert, als auf dem Glauberg. Als Zeitgenosse des Fürsten vom Glauberg spielte der Fürst von Bad Camberg in der keltischen Geschichte unseres Landes jedoch sicher eine bedeutende Rolle.
Bemerkenswert ist dabei, dass es sich bei dem Elitengrab um eine seltene Bestattung mit Nachweisen eines zweirädrigen Wagens handelt. Zwei Radnabenbeschläge, Achskappenbeschläge aus Buntmetall sowie eiserne Radreifenbeschläge zeigen eindeutig: Der keltische Krieger wurde mitsamt seinem Gefährt bestattet.
„Bereits nach der geophysikalischen Prospektion des überplanten Bereichs spekulierten wir über das mögliche Vorhandensens eines keltischen Elitengrabes. Damit, dass wir am Ende tatsächlich nicht nur ein Fürstengrab, sondern sogar eine Wagenbestattung vorfinden konnten, hatte dann aber doch niemand gerechnet", sagt Dr. Kai Mückenberger, Bezirksarchäologe für den Landkreis Limburg-Weilburg.
Keltische Wagenbestattungen sind in Hessen selten und lassen sich an einer Hand abzählen. Keine der bisher bekannten reicht an die Qualität der Bad Camberger heran. Die Funde des Elitengrabes werden derzeit durch die Restaurierungswerkstatt der hessenARCHÄOLOGIE und das Forschungszentrum der Keltenwelt am Glauberg untersucht. Dank der seit Jahrzehnten gepflegten wissenschaftlichen Kooperation mit dem Leibniz-Zentrum für Archäologie (LEIZA) in Mainz war es möglich, auf dessen technische Möglichkeiten und Kompetenzen im Bereich der CT-Aufnahmen zurückzugreifen. (C) Stadt Bad Camberg