Springe zum Inhalt

230 Millionen Rosen, 2.430 Tonnen Erdbeeren, 16,7 Millionen Weihnachtssterne

Rekordjahr für den Pflanzenschutzdienst des Regierungspräsidiums Gießen: 32.898 Importsendungen aus Drittländern kontrolliert – Hochsaison vor Valentinstag und Weihnachten

Gießen/Frankfurt. Der Frankfurter Flughafen – Hessens wichtigstes Tor zur Welt. Mehr als 60 Millionen Passagiere werden hier jedes Jahr abgefertigt. Und noch weitaus mehr Zierpflanzen, Obst und Gemüse, die auf dem deutschen und europäischen Markt verkauft werden. Importe von Schnittblumen, Erdbeeren oder auch Mangos aus Drittländern werden vom Pflanzenschutzdienst des Regierungspräsidiums Gießen kontrolliert, um das Einschleppen von gefährlichen Pflanzenschädlingen zu verhindern. Das ganze Jahr über, werktags und am Wochenende, im Schichtbetrieb. „Im vergangenen Jahr haben wir sage und schreibe 32.898 Importsendungen abgefertigt – 36 Prozent mehr als im Vorjahr. Das ist ein neuer Rekord. Die im Schnitt 90 Sendungen pro Tag kamen aus 89 unterschiedlichen Drittländern“, berichtet Andreas Scharnhorst, Leiter der Grenzkontrollstelle am Flughafen, die vom Pflanzenschutzdienst betrieben wird. Ist die schiere Masse der Sendungen schon imposant, so ist die Anzahl der kontrollierten Pflanzen und Lebensmittel noch eindrucksvoller. Allein 230 Millionen Rosen und 5.450 Tonnen Mangos waren darunter.

Hochsaison ist für die 16 Beschäftigten des Regierungspräsidiums Gießen rund um den Valentinstag, wo in diesem Jahr binnen zwei Wochen 19 Millionen Rosen ankamen, und kurz vor Weihnachten. „Allein in den zwei Wochen vor Weihnachten hatten wir 1.579 Importsendungen“, fasst Andreas Scharnhorst zusammen und wartet gleich mit weiteren interessanten Fakten auf. Im ganzen Jahr wurden 1.032 Sendungen mit 2.430 Tonnen Erdbeeren abgefertigt. „Im Vergleich dazu: In ganz Hessen wurden im Jahr 2024 rund 6.850 Tonnen geerntet, im Jahr 2025 waren es 4.100 Tonnen“, weiß Experte Andreas Scharnhorst. „Auch Mangos kommen einige an“, schmunzelt er. Einige – das waren im vergangenen Jahr dann doch stolze 3.466 Sendungen mit 5.450 Tonnen. Sie kamen hauptsächlich aus Peru, Brasilien und Indien.

Bei den Schnittblumen liegen die Rosen vorn mit 3.349 Sendungen und 230 Millionen Stielen. Es wurden zudem viele Pflanzen zum Anpflanzen importiert, darunter 4.177 Sendungen mit 16,7 Millionen Weihnachtssternen. Balkonpflanzen machen ebenfalls einen großen Teil der Importe aus, gerade im Winter. Die Bilanz: 13.169 Sendungen und 145,8 Millionen Pflanzen, hauptsächlich Geranien und Petunien.

„Die Grenzkontrollstelle am Flughafen Frankfurt ist mit Blick auf die kontrollierten Sendungen bundesweit die bedeutendste ihrer Art, mit weitem Abstand vor anderen Standorten wie dem Hamburger Hafen oder dem Flughafen Leipzig“, sagt Dr. Christian Hillnhütter, der Leiter des für ganz Hessen zuständigen Pflanzenschutzdienstes beim Regierungspräsidium Gießen. Die gesteigerte Zahl der Importe wirkt sich natürlich auch auf die Einnahmen aus. Die Pflanzenbeschau ist schließlich gebührenpflichtig. „Im vergangenen Jahr sind die Einnahmen um 16 Prozent auf über 1,25 Millionen Euro gestiegen“, weiß Andreas Scharnhorst.

Nicht alle Sendungen durften am Ende tatsächlich den Flughafen in Richtung Verkauf verlassen. 72 dieser gewerblichen Importe – und damit nur rund 0,2 Prozent – wurden zurückgewiesen, weil sie beispielsweise von Schädlingen, Fruchtfliegen oder Raupen befallen und damit nicht einfuhrfähig waren. Doch was passiert damit? „Hier gibt es drei Möglichkeiten“, erklärt Andreas Scharnhorst. Die Sendungen können nachbehandelt, zurückgeschickt oder aber vernichtet, sprich verbrannt, werden. „Das Verbrennen ist immer die kostengünstigste Lösung, deswegen wählen die Exporteure aus den Drittländern meist diese Option.“

Dass Andreas Scharnhorst und seine Kolleginnen und Kollegen vom Regierungspräsidium Gießen nicht oft fündig werden, zeigt vor allem: Das EU-Pflanzengesundheitssystem und die Importkontrollen führen schon in den Exportländern dazu, möglichst nur ‚saubere‘ Waren zu senden. Da es bei den gewerblichen Importen jedoch – wenn auch wenige – Ausnahmen gibt, ist es wichtig, zu kontrollieren und all den Aufwand zu betreiben. „Die Gefahr, dass durch pflanzliche Produkte wie Obst und Gemüse, aber eben auch Schnittblumen aus dem außereuropäischen Raum Pflanzenschädlinge eingeschleppt werden, ist groß“, erklärt der Experte. Diese Schädlinge, etwa der Heerwurm oder der Japankäfer, haben hierzulande oft keine natürlichen Fressfeinde und können sich daher mühelos ausbreiten. Wenn dies geschieht, können sie schnell zu einem Problem für die hiesige Pflanzenwelt werden.

Bleibt nur noch eine Frage: Kann Andreas Scharnhorst angesichts der Tonnen Erdbeeren, von denen er immer wieder umgeben ist, überhaupt noch die leckeren roten Früchte essen? „Ja klar. Aber nur die hier aus der Region“, lacht er. © RP-Gießen