Tipps zum Umgang mit Hitze und zur Anpassung an den Klimawandel
Wiesbaden, 17.06.2026. Nach einer ungewöhnlich frühen Hitzephase Ende Mai stehen Hessen nun erneut sehr heiße Tage bevor. Temperaturen über 30 Grad, hitzefrei und Badewetter – was die einen freut, ist für viele andere eine große Belastung: Hitze ist hierzulande eine unterschätzte Gefahr. Schätzungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) zufolge sterben in Deutschland jährlich etwa 3.000 Menschen an den Folgen extremer Hitze, in ausgeprägten Hitzejahren wie 2018 und 2019 jeweils 7000 und mehr.[1] Das RKI schätzt, dass im Jahr 2018 allein in Hessen rund 740 Menschen hitzebedingt verstorben sind. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Kleinkinder, chronisch Kranke und Menschen ohne Zugang zu klimatisierten Räumen. Medizinische Konsequenzen, die auf die Hitzebelastung zurückzuführen sind, sind etwa Hitzschlag, Hitzekollaps, Sonnenstich und Herz-Kreislauf-Probleme. Bedingt durch den menschengemachten Klimawandel hat die Hitze in den zurückliegenden Jahren immer extremere Ausmaße angenommen, und meteorologische Projektionen zeigen, dass Hitzewellen bereits bis zur Mitte des Jahrhunderts länger, häufiger und intensiver werden.
Auswirkungen von Hitzewellen
Neben den Auswirkungen auf viele Bereiche unseres Lebens, wie beispielsweise Natur und Landwirtschaft, wird die Hitze vor allem auch in der Stadt zunehmend zum Problem: In den dicht bebauten und versiegelten Städten sind die Auswirkungen deutlich zu spüren: Hier staut sich die Hitze, vor allem, wenn Grünflächen fehlen. Gebäude, Straßen und Plätze heizen sich stark auf und strahlen diese Wärme nachts wieder ab. Dichte Bebauung erschwert den Luftdurchzug. Diese Faktoren führen dazu, dass im Vergleich zum Umland die Temperaturen stärker ansteigen. Innenstädte können im Sommer bis zu zehn Grad wärmer sein als das Umland – man spricht vom sogenannten „Hitzeinseleffekt“.
Sowohl für die Bevölkerung als auch für die Vegetation in den Städten sind diese Temperaturen eine große Belastung. Arbeit findet unter erschwerten Bedingungen statt und die Produktivität sinkt. Insbesondere bei Tätigkeiten im Freien müssen die Mittagshitze gemieden und die Arbeitszeiten angepasst werden. Außerdem gilt es, die allgemein gültigen Hinweise zu beachten: Im Schatten aufhalten, viel trinken, körperliche Anstrengung vermeiden, an Kopfbedeckung und UV-Schutz denken, morgens lüften, dann abdunkeln und keinesfalls Kinder oder Tiere im Auto lassen.
Langfristig tragen nur vorausschauend geplante Anpassungsmaßnahmen dazu bei, die Auswirkungen von Hitzewellen in Städten und Gemeinden abzumildern. Dazu zählen mehr Grünflächen für Bürgerinnen und Bürger, offene Wasserflächen, Stadtbäume und Begrünung, Abkühlungsmöglichkeiten wie Nebelduschen und Trinkbrunnen.
Was können wir tun? – Die Handlungshilfen des HLNUG
Für die Gesundheit, das Wohlbefinden und letztendlich die Lebensqualität der Menschen in Hessen ist es also wichtig, sich an die extreme Hitze anzupassen. Das Fachzentrum für Klimawandel und Anpassung (FZK) am Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) hat daher verschiedene Handlungshilfen entwickelt
Hitzekarten und Hitzeviewer Hessen
Um erste Einschätzungen zur Hitzebelastung zu treffen, können Kommunen die Hitzekarten des HLNUG verwenden. Diese basieren auf Satellitendaten und bilden die Landoberflächentemperaturen ab. Die Verteilung der Hitzebelastung in ganz Hessen kann man auf landesweiten Karten und in einem gröberen Maßstab ablesen.
hlnug.de/themen/klimawandel-und-anpassung/handlungshilfen/hitzekarten
Das HLNUG stellt im Hitzeviewer Hessen allen Kommunen Hitze-Hotspot-Analysen zur Verfügung. Die Karten geben einen Einblick in die kommunale Hitzebelastung. Damit können die Kommunen abschätzen, ob eine detaillierte Klimaanalyse sinnvoll ist.
umweltdaten.hessen.de/mapapps/resources/apps/hitzeviewer/
KLIMPRAX Stadtgrün – Mit Grünstrukturen Hitze abfedern
Pflanzen können die Folgen von Hitze in der Stadt abmildern, heiße Phasen und Tropennächte werden so für die Menschen in den Städten erträglicher. Insbesondere Großbäume haben positive Eigenschaften in Bezug auf die Hitze: Sie sind zum einen Schattenspender, zum anderen kühlen sie ihre Umgebung durch die Verdunstung über die Blätter um einige Grad ab – sie sind also „natürliche Klimaanlagen“.
Im Online-Tool „Stadtgrün im Klimawandel“ des HLNUG wird eine Auswahl von rund 180 klimaresilienten Baumarten vorgestellt. Diese können je nach geplantem Standort in einem Online-Tool gefiltert werden, ebenso eine Auswahl an Gebäudebegrünungsformen. Das Portal bietet auch weitere Informationen zum Thema Begrünung: hlnug.de/themen/klimawandel-und-anpassung/projekte/klimprax-stadtgruen
Ist im dichten Siedlungsraum kein Platz für Bäume, können Dach- und Fassadenbegrünungen, grüne Vorgärten, Innenhöfe oder Gemeinschaftsflächen einen wertvollen Beitrag zur Klimawandelanpassung leisten und die Lebens- und Aufenthaltsqualität steigern. Um bei der Umsetzung in den Städten und Gemeinden zu unterstützen, hat das HLNUG unter dem Slogan „Grünlinge gesucht“ Material entwickelt, mit dem Kommunen eigene Begrünungskampagnen auflegen, für das Thema sensibilisieren und Bürgerinnen und Bürger zum Mitmachen anregen können. Einige Kommunen in Hessen haben das Angebot bereits genutzt und daraus eigene Werbekampagnen für Begrünung gemacht: hlnug.de/themen/klimawandel-und-anpassung/handlungshilfen/kampagnenmaterialien-gruenlinge-gesucht
Klimaresiliente Quartiere und Gewerbegebiete
Auch unsere Wohnumfelder werden durch die Hitze beeinflusst. Damit diese auch künftig gesunde und lebenswerte Orte sein können, müssen wir auch sie an die Klimaveränderungen anpassen. Aber wie plane ich ein klimaresilientes Quartier? Um Planerinnen und Planern die Antwort auf diese Frage zu erleichtern, hat das HLNUG eine interaktive Checkliste für klimaangepasste Quartiere in Hessen erstellt. Dort wird dargestellt, was ein klimaangepasstes Quartier ausmacht und welche Grundbausteine erfüllt sein sollten: hlnug.de/fileadmin/dokumente/klima/klimawandel/Checkliste_klimaangepasste_Quartiere_FINAL.pdf
Nicht nur dort, wo wir wohnen, sondern auch, wo wir arbeiten, wird die zunehmende Hitze zum Problem: Wie Gewerbegebiete an die Veränderungen durch den Klimawandel angepasst werden können, hat das FZK in einer Broschüre zusammengetragen. Hier sind neben den Folgen von Temperaturanstieg und Extremwetterereignissen auf die Gebäude, bewährte Lösungen und Beispiele aus der Praxis enthalten: hlnug.de/fileadmin/dokumente/klima/klimprax/Gewerbegebiete-_klimaangepasst_und_fit_web.pdf
Um die Umsetzung zu erleichtern stellt das HLNUG acht Factsheets bereit, in denen die in der Broschüre vorgestellten Maßnahmen kurz und prägnant dargestellt sind: hlnug.de/themen/klimawandel-und-anpassung/projekte/ib-green/handlungshilfen-fuer-kommunen
Was man tun kann, damit bestehende Gebäude und dazugehörige Außenflächen trotz hoher Temperaturen eine gesunde Arbeitsumgebung und Aufenthaltsqualität bieten, wurde in dem Projekt IB Green in sechs Pilotgebieten in Hessen erprobt. Steckbriefe und Betroffenheitsanalysen der Pilotgebiete sind hier zu finden: hlnug.de/?id=25302
Klimaangepasste Gebäude
Darüber hinaus hat das HLNUG zusammen mit der LEA LandesEnergieAgentur Hessen GmbH verschiedene Handreichungen entwickelt, die ebenfalls Tipps zur Hitzeanpassung enthalten:
Eigenheimbesitzende: klima-kommunen-hessen.de/files/content/downloads/materialien/LEA_Merkblatt_Eigenheimbesitzende_barrierefrei.pdf
Mietende: klima-kommunen-hessen.de/files/content/downloads/materialien/LEA_Merkblatt_Mietende_barrierefrei.pdf
Sanierung kommunaler Liegenschaften: klima-kommunen-hessen.de/files/content/downloads/materialien/LEA_Handreichung_6_2026_bf.pdf
Feste und Veranstaltungen auch bei Hitze genießen
Auch große Feste und Veranstaltungen im Freien sind im Sommer zunehmen von großer Hitze betroffen. Für Veranstalterinnen und Veranstalter solcher Events stellt das HLNUG ebenfalls verschiedene Factsheets mit Empfehlungen bereit: hlnug.de/fileadmin/dokumente/klima/Handlungshilfen/Factsheet-Klimaangepasste_Veranstaltung-2_Extremwetter_Hitze.pdf
Weiterführende Informationen und Links zum Klimawandel in Hessen:
Alle Handlungshilfen des FZK im Überblick:
hlnug.de/themen/klimawandel-und-anpassung/handlungshilfen
Informationen zu Wetter und Klima in Hessen:
hlnug.de/themen/klimawandel-und-anpassung/witterungs-klimadaten
Informationen zu Folgen des Klimawandels in Hessen:
hlnug.de/themen/klimawandel-und-anpassung/folgen-des-klimawandels
Das Hitzewarnsystem des Deutschen Wetterdienstes stellt zeitnahe Warnungen vor extremen Hitzeereignissen zur Verfügung: hitzewarnungen.de/index.jsp
[1] https://www.rki.de/DE/Themen/Gesundheit-und-Gesellschaft/Gesundheitliche-Einflussfaktoren-A-Z/H/Hitze/Bericht_Hitzemortalitaet.html
© Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie