Nach Sand und Kies sind gebrochene Natursteine die bedeutendsten heimischen Rohstoffe. Das zu Splitt und Schotter verarbeitete Gesteinsmaterial wird vor allem im Tief- und Straßenbau, bei der Asphaltherstellung und im Gleisbau eingesetzt und ist für den Erhalt und Ausbau unserer Verkehrsinfrastruktur unverzichtbar. In einer aktuellen Studie zur Gewinnung dieser Baurohstoffe kommt die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) allerdings zu dem Ergebnis, dass es in Deutschland immer schwieriger wird, neue Abbaustellen in Betrieb zu nehmen.
„Im Gegensatz zu Sand- und Kiesgruben werden bei uns neue Steinbrüche kaum noch genehmigt“, berichtet der Autor der Studie, Dr. Harald Elsner. „In den vergangenen sechs Jahren konnten lediglich zwei Unternehmen nach langwierigen Genehmigungs- und zum Teil auch Klageverfahren ihre Planungen für neue Steinbrüche erfolgreich abschließen“, so der BGR-Experte für heimische Rohstoffe. Beide Gesteinslagerstätten befinden sich in Baden-Württemberg. In den meisten Regionen stoßen Vorhaben zum Abbau von gebrochenen Natursteinen auf starken öffentlichen Widerstand. Als Folge davon werden Genehmigungen mitunter erst nach mehreren Jahrzehnten Verfahrensdauer erteilt. „Wir haben in Deutschland beim Rohstoffabbau erhebliche Akzeptanzprobleme“, erklärt Elsner. Steinbrüche hätten angesichts von Lärm- und Staubbelastungen ein besonders schlechtes Image, obwohl nachweislich alle gesetzlichen Grenzwerte eingehalten würden, so der BGR-Experte. Auch Argumente der Notwendigkeit einer heimischen Rohstoffgewinnung mit Blick auf Zukunftsthemen wie die Energiewende und Infrastrukturmaßnahmen würden oft nicht verfangen.
Trotz der schwierigen Genehmigungslage drohen in Deutschland allerdings aktuell keine Engpässe bei der Versorgung mit gebrochenen Natursteinen. „Dies liegt auch an der zuletzt geringen Baunachfrage“, so Elsner. Langfristig könnte es jedoch zu Verschlechterungen bei der Versorgung mit Splitten in Rheinland-Pfalz kommen. Dort werden viele Steinbrüche in den nächsten Jahrzehnten erschöpft sein. Neue Gewinnungsstellen sind nicht geplant oder werden – wie etwa in der Vulkaneifel – pauschal abgelehnt. Elsner: „Als Folge drohen in Rheinland-Pfalz neben langfristigen Versorgungsengpässen auch zunehmend weiter steigende Baukosten für Infrastrukturvorhaben.“ Schon heute hat das Land im Bundesvergleich die höchsten Preise für Baurohstoffe.
Derzeit werden in Deutschland gebrochene Natursteine für die Bauindustrie aus 762 Gewinnungsstellen an 701 Standorten gewonnen. Die meisten Gewinnungsstellen gibt es in Bayern (168), gefolgt von Baden-Württemberg (130), Hessen (102) und Nordrhein-Westfalen (87). 28 verschiedene Gesteinsarten stehen in Abbau, zumeist Kalkstein (46 %) sowie Basalt und Granit (je 9 %).
Im Jahr 2024 wurden rund 167 Millionen Tonnen gebrochene Natursteine aus heimischer Produktion verwertet. Zusätzlich importiert wurden 11,3 Millionen Tonnen – davon rund 75 % aus Norwegen. Deutschland exportierte im gleichen Jahr 4,3 Millionen Tonnen – davon 44 % in die Niederlande.
Die Preise für gebrochene Natursteine schwanken in Deutschland regional und nach Qualität erheblich. Für Großkunden liegen die Preise für Edelsplitte derzeit zwischen netto 7,10 €/t und 24,00 €/t (im bundesweiten Mittel 14,20 €/t) bzw. für Mineralgemische zwischen netto 4,50 €/t und 14,00 €/t (im bundesweiten Mittel 8,50 €/t). Abnehmer von kleinen Mengen bezahlen höhere Preise. Durch die kontinuierlich steigenden Personal-, Wartungs- und auch Genehmigungskosten erhöhen sich auch die Preise für gebrochene Natursteine, so zum Beispiel zwischen 2024 und 2025 um bundesweit durchschnittlich 7 %.
Weiterführende Informationen:
https://www.bgr.bund.de/gebrochene-natursteine (c) BGR