Erstmals flächendeckender Einsatz von akustischem Monitoring
Wiesbaden, 06.03.2026 – Wie können wir mit neuen Technologien mehr über unsere hessische Vogelwelt erfahren und sie dadurch auch besser schützen? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Vogelschutzwarte im Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG). In verschiedenen Projekten wurden Geräte, die Vogelstimmen vor Ort aufzeichnen, und KI-Modelle, die diese Stimmen erkennen und auswerten können, getestet und weiterentwickelt. Aufbauend auf diesen Erfahrungen, setzt das HLNUG diese Systeme nun erstmalig in Deutschland systematisch für das Vogelmonitoring in den 60 hessischen Vogelschutzgebieten ein.
Der Aufbau der sogenannten Horchboxen läuft derzeit auf Hochtouren: Insgesamt fast 200 stationäre und mobile Geräte installieren die Mitarbeitenden der Vogelschutzwarte derzeit in den Vogelschutzgebieten. Während die stationären Geräte sechs Jahre lang im Gebiet verbleiben, über eine Solarzelle betrieben werden und die Daten in Echtzeit übermitteln, werden die mobilen Horchboxen jährlich umgesetzt. Sie speichern die Daten auf dem Gerät ab und dienen als Ergänzung zu den stationären Systemen, um ausgewählte Gebiete durch die zusätzlichen Datenquellen noch intensiver untersuchen zu können. Angebracht werden die kleinen Kästen an Bäumen oder anderen geeigneten Strukturen.
In der Praxis sieht das dann so aus: Wenn in der Nähe einer Horchbox Vögel singen, werden die Vogelstimmen aufgezeichnet. Diese werden dann über das Mobilfunknetz an einen Server übermittelt und auf einem Computer der Vogelschutzwarte sowohl sichtbar als auch hörbar. Die gewonnenen Daten werden dann mit einer KI vorsortiert, die die unterschiedlichen Muster und Merkmale der Vogelrufe kennt und sie den verschiedenen Arten zuordnen kann. Durch dieses Vorgehen können die großen Datenmengen effizient verarbeitet werden. Da automatische Verfahren jedoch Fehlzuordnungen enthalten können, werden die Ergebnisse durch gezielte Stichproben und fachliche Validierungen überprüft und abgesichert.
Der ganze Aufwand hat einen guten Grund: Deutschland – und damit auch Hessen – ist gesetzlich dazu verpflichtet, den Zustand seiner Umwelt zu erfassen. Dazu gehören auch Tier- und Pflanzenarten und natürlich die hessische Vogelwelt. Das akustische Monitoring unterstützt so dabei, die heimischen Vogelarten zu erfassen und Daten als Grundlage für den Naturschutz zu sammeln. Dazu gehören zum Beispiel das Management der Vogelschutzgebiete sowie für nationale und internationale Berichtspflichten. Ziel aller Maßnahmen ist es, unserer Vogelarten sowie ihre Lebensräume zu erhalten.
Mit dem akustischen Monitoring wird eine wichtige Lücke geschlossen, denn die Aufnahmegeräte hören auch mit, wenn sich gerade keine Ornithologin oder Ornithologe im Gelände befindet. Sie können ohne große Betreuung über Wochen und Monate und zu jeder Tages- und Nachtzeit im Gelände stehen bleiben. So können auch Muster im tages- oder jahreszeitlichen Verlauf festgestellt werden. Allerdings hat das System auch Nachteile: Die Geräte können keine größeren Flächen abdecken und vor allem können sie nicht zählen. Das bedeutet, sie können nicht feststellen, wie viele Vögel einer Art vor Ort sind. Das ist auch der Grund, warum sich das klassische und das akustische Monitoring so gut ergänzen. Beide Ansätze haben ihre Vor- und Nachteile, so dass letztendlich beide Methoden gleichermaßen zum Einsatz kommen müssen.
Hintergrund
In Hessen wurden seit dem Jahr 1991 bis heute insgesamt 60 EU - Vogelschutzgebiete ausgewiesen, die 14,7 % der Gesamtfläche Hessens ausmachen. Für jedes EU-Vogelschutzgebiet existiert in Hessen eine sogenannte Grunddatenerfassung, die den Status Quo des NATURA 2000-Schutzgebietes kurz nach der Ausweisung umschreibt. Die Grunddatenerfassungen sind in Hessen über die Regierungspräsidien beauftragt worden. Im Rahmen des Monitorings der EU-Vogelschutzgebiete werden die Erhaltungszustände der für das jeweilige EU-Vogelschutzgebiet (SPA) maßgeblichen Vogelarten in regelmäßigem Rhythmus überprüft. Dabei werden auch Daten weiterer Monitoring-Module (insbesondere Monitoring seltener Brutvögel) integriert.
Weitere Informationen: www.hlnug.de/themen/naturschutz/vogelschutzwarte/passives-akustisches-monitoring-der-vogelschutzgebiete-in-hessen
© Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie