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Bundesweite Analyse zeigt: Grundwasser reagiert unterschiedlich auf Trockenphasen

Die Auswirkungen längerer Trockenperioden auf das Grundwasser unterscheiden sich in Deutschland erheblich. Während sich manche Grundwasserleiter bereits nach wenigen Monaten erholen, bleiben andere noch Jahre nach einem Trockenereignis von niedrigen Grundwasserständen geprägt.

Das ist das Ergebnis einer Studie, die jetzt von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) gemeinsam mit den Umweltämtern und Staatlichen Geologischen Diensten der Länder sowie dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) in der Fachzeitschrift „Grundwasser“ veröffentlicht wurde. Die Studie basiert auf einer bundesweit einheitlichen Analyse der Grundwasserstände in Deutschland, für die Daten von rund 5.900 Grundwassermessstellen herangezogen wurden. Untersucht wurden sowohl die langfristige Entwicklung im klimatologischen Referenzzeitraum 1991 bis 2020 als auch die Auswirkungen der Trockenphasen ab 2018.

Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede im Verhalten der Grundwasserleiter. In schnell reagierenden Systemen machen sich Auswirkungen von Trockenphasen bereits früh bemerkbar. Die Grundwasserleiter erholen sich jedoch meist vergleichsweise rasch. Niedrigstandsphasen dauern hier im Median gut zwei Monate an. Bei generell schwerfälliger reagierenden Grundwassersystemen dagegen treten die Auswirkungen von Trockenperioden mit zeitlicher Verzögerung auf. Sie können Trockenphasen kurzfristig besser abpuffern, benötigen nach länger anhaltender Trockenheit jedoch deutlich mehr Zeit zur Regeneration. Niedrigstandsphasen dauern dort im Median fast zehn Monate.

Ob ein Grundwasserleiter schnell oder träge reagiert, ist von vielen verschiedenen Faktoren abhängig. Tendenziell reagieren Grundwasserleiter schnell, wenn das Grundwasser nur wenige Meter unter der Geländeoberfläche liegt. Muss das Wasser dagegen zunächst mächtigere oder weniger durchlässige Schichten durchdringen und größere Tiefen erreichen, erfolgt die Reaktion entsprechend verzögert. Besonders deutlich wurden diese Unterschiede nach 2018: In träge reagierenden Grundwasserleitern wiesen rund 60 Prozent der Messstellen auch fünf Jahre nach Beginn der Trockenphase weiterhin anhaltend niedrige Grundwasserstände auf.

Neben den kurzfristigen Auswirkungen von Trocken- und Feuchtephasen wurde im Rahmen einer Trendanalyse auch die langfristige Entwicklung der Grundwasserstände untersucht. Für den Referenzzeitraum 1991 bis 2020 ergibt sich insgesamt überwiegend ein ausgeglichener Zustand. An rund 69 Prozent der Messstellen wurden keine oder nur geringe langfristige Veränderungen festgestellt. An 22 Prozent der Messstellen treten sinkende und an 9 Prozent steigende Grundwasserstände auf.

Sinkende Grundwasserstände sind räumlich weit verbreitet und in vielen Teilen Deutschlands zu beobachten. Besonders ausgeprägt ist diese Entwicklung im Westen Niedersachsens und Teilen Brandenburgs, Nordrhein- Westfalens sowie Mitteldeutschlands. Steigende Grundwasserstände beschränken sich dagegen eher auf einige wenige Regionen, in denen überwiegend menschliche Eingriffe die Ursache sind. Beispiele dafür sind das Hessische Ried (künstliche Grundwasseranreicherung), das mitteldeutsche Braunkohlerevier (Ende langjähriger Sümpfungsmaßnahmen) sowie Berlin (deutlicher Rückgang der Grundwasserentnahmen unmittelbar nach 1989).

Die Studie liefert wichtige Grundlagen für die fortlaufende Bewertung aktueller Grundwasserentwicklungen in Deutschland. Mit dem Grundwasserstandsdienst GRUVO stellt die BGR zudem aktuelle Informationen und Vorhersagen zur Entwicklung der Grundwasserstände bundesweit zur Verfügung.

Weiterführende Informationen
Publikation: https://doi.org/10.1007/s00767-026-00616-4
GRUVO: https://gruvo.bgr.de/ © BGR