Da man Strahlung weder schmecken noch riechen kann, ist das Thema oft schwer zu vermitteln. Um trotzdem Neugierde zu wecken, setzt das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) vermehrt auf neue technische Mittel: Mithilfe von Virtual-Reality-Brillen (VR-Brillen) können Schülerinnen und Schüler künftig beispielsweise erfahren, wie UV-Strahlung wirkt und welche Haushaltsgeräte strahlen. Vorgestellt werden die kostenlosen Inhalte der VR-Anwendung auf der Bildungsmesse didacta in Köln.
Auf der Internetseite des BfS wird die Wissensvermittlung ebenfalls seit kurzem technisch unterstützt: Wer Fragen zum Schutz bei einem schweren Unfall mit Radioaktivität hat, kann sich dort an den Notfall-Chatbot Klara wenden. Der Chatbot ist nicht speziell auf Bildungseinrichtungen ausgerichtet, sondern für die Allgemeinheit gedacht. Bei Interesse kann er an den Messetagen jedoch vom BfS-Team vor Ort erläutert werden.
Menschen wünschen sich mehr Informationen zu Strahlung
„Strahlung geht uns alle an. Leider wissen viele Menschen aber wenig darüber. Und oftmals ist das Thema von Sorgen und Ängsten geprägt“, sagte die Präsidentin des BfS, Inge Paulini. „In unserer alle zwei Jahre stattfindenden Befragung ‚Was denkt Deutschland über Strahlung‘ geben viele Menschen an, dass sie sich vom Staat mehr Aufklärung wünschen. 2024 war dies der am häufigsten genannte Vorschlag für einen besseren Schutz vor Strahlung aller Art. Diesen Auftrag haben wir nun auch mit den VR-Brillen und dem Chatbot angenommen.“ Bislang gab es seit 2019 drei Befragungen in Deutschland zu Einstellungen und Wissen über Strahlung im Auftrag des BfS. Im Laufe des Jahres 2026 wird die nächste Umfrage vorgestellt.
Neue Perspektiven für den Unterricht
Das BfS nutzt bereits seit längerem Virtual-Reality-Brillen zur Vermittlung von Strahlenschutzwissen bei Bürgerveranstaltungen und auf Messen. Nun ist diese Software-Anwendung weiterentwickelt worden. Sie kann künftig für Lernende ab der achten Jahrgangsstufe eingesetzt werden. Bei entsprechender Ausstattung mit VR-Brillen und Tablets kann eine Klasse die verschiedenen Themen erkunden. Ziel ist ein möglichst niedrigschwelliger Zugang zum Strahlenschutz, mit dem gleichzeitig Fachwissen, Risikokompetenz und Teamarbeit gefördert werden. Die Anwendung kann zur Vorbereitung, Vertiefung oder Nachbereitung einer Unterrichtseinheit, aber auch im außerschulischen Kontext verwendet werden.
Das Virtual-Reality-Angebot besteht aus fünf eigenständigen virtuellen Räumen, die jeweils ein Kernthema des Strahlenschutzes abdecken:
• Im Raum Röntgen geht es um die Grundlagen medizinischer Bildgebung sowie um deren Nutzen und Schutzaspekte.
• Verhalten und Schutzmaßnahmen bei Notfällen mit Radioaktivität, aber auch die Entscheidungsfindung in Ausnahmesituationen sind Themen des Raums Notfallschutz.
• Bei der elektromagnetischen Strahlung stehen Alltagsgeräte vom Handy bis zur Kaffeemaschine und die sachliche Risikobewertung dazu im Vordergrund.
• Zur natürlich vorkommenden Strahlung gehört das Gas Radon, das insbesondere in Wohnungen eine Rolle spielt. Auch dafür gibt es einen eigenen Raum.
• Im Raum UV-Strahlung geht es um die Wirkung der ultravioletten Strahlung, Gesundheitsrisiken und wirksamen Schutz davor im Alltag.
Wer neugierig geworden ist und die Anwendung ausprobieren möchte, kann dies auf der didacta tun, die vom 10. bis 14. März 2026 in Köln stattfindet. Das BfS ist dort am Stand des Bundesumweltministeriums vertreten.
Chatbot Klara gibt umfassende Informationen zum Notfall
Die letzte Befragung „Was denkt Deutschland über Strahlung“ aus dem Jahr 2024 hatte auch ergeben, dass viele Menschen angesichts der aktuellen Konflikte und Kriege besorgt sind, dass es entweder zu einem Einsatz von Kernwaffen (58 Prozent) oder zu einem nuklearen Unfall (57 Prozent) kommen könnte. Gleichzeitig wusste nur eine Minderheit (22 Prozent) der Befragten, was sie bei einem nuklearen Unfall tun sollten.
Hier unterstützt der Chatbot Klara seit kurzem die Mitarbeitenden des BfS in der Kommunikation. Der Chatbot liefert schnell und zuverlässig zentrale Informationen dazu, wie man sich im Ernstfall verhalten sollte, um bestmöglich geschützt zu sein. Klara steht rund um die Uhr - auch außerhalb des Krisenfalls - zur Verfügung und ist erreichbar unter www.bfs.de/chatbot.
Klara nutzt in eingeschränktem Maß Künstliche Intelligenz (KI), die Antworten enthalten ausschließlich geprüfte Angaben. Der Bot stellt somit eine sichere Informationsquelle dar, die von sehr vielen Menschen befragt werden kann.
Weitere Informationen zu Notfall- und Strahlenschutzthemen finden sich u.a. auf dem BfS-YouTube-Kanal: https://www.youtube.com/@strahlenschutz_bfs. Ein Download für einen ersten Raum der VR-Anwendung (UV-Schutz) wird nach der Messe auf der BfS-Internetseite zur Verfügung gestellt.
Bundesamt für Strahlenschutz
Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) arbeitet für den Schutz des Menschen und der Umwelt vor Schäden durch Strahlung. Das BfS informiert die Bevölkerung und berät die Bundesregierung in allen Fragen des Strahlenschutzes. Die über 600 Beschäftigten bewerten Strahlenrisiken, überwachen die Umweltradioaktivität, unterstützen aktiv im radiologischen Notfallschutz und nehmen hoheitliche Aufgaben wahr, darunter im medizinischen und beruflichen Strahlenschutz. Ultraviolette Strahlung und strahlenrelevante Aspekte der Digitalisierung und Energiewende sind weitere Arbeitsfelder. Als wissenschaftlich-technische Bundesoberbehörde betreibt das BfS Forschung und ist mit nationalen und internationalen Fachleuten vernetzt. Weitere Informationen unter www.bfs.de.
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