Roman Poseck: „Mit KOMPASS Resilienz wollen wir insbesondere kleine und mittlere Kommunen ermutigen, Resilienz aktiv zu gestalten und so krisenfester zu werden.“
Wiesbaden/Neu-Anspach. Heimatschutzminister Roman Poseck hat heute anlässlich des Besuchs der Freiwilligen Feuerwehr Anspach das neue Landesprogramm KOMPASS Resilienz angekündigt. In Neu-Anspach verschaffte er sich zudem einen Eindruck von der Aufstellung des Brand- und Katastrophenschutzes vor Ort.
Heimatschutzminister Roman Poseck erklärte: „Das Thema Sicherheit hat in den vergangenen Jahren deutlich an Umfang und Bedeutung gewonnen. Die sicherheitspolitischen Herausforderungen sind komplexer und vielfältiger geworden. Geopolitische Herausforderungen, zunehmende Naturkatastrophen und hybride Bedrohungen zeigen, dass Sicherheit heute auf unterschiedlichen Ebenen gedacht und organisiert werden muss. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Resilienz, die Widerstandsfähigkeit gegen Krisen jeglicher Art und Krisenfähigkeit vor Ort. Gerade die Kommunen sind im Ernstfall gefragt. Deshalb ist es entscheidend, die Kommunen so zu stärken, dass sie auf Krisen vorbereitet sind, schnell reagieren können und auch handlungsfähig bleiben.
Deshalb wollen wir unsere Kommunen bei der Stärkung ihrer kommunalen Resilienz künftig nach dem Vorbild des bewährten KOMPASS-Programms unterstützen, bei dem die Polizei bereits gemeinsam mit kommunalen Vertretern mit passgenauen Maßnahmen für ein Mehr an Sicherheit vor Ort sorgt. Mit dem neuen Programm KOMPASS Resilienz wollen wir insbesondere kleine und mittlere Kommunen und deren Bevölkerung für die zunehmende Bedeutung von Resilienz sensibilisieren und dazu motivieren, eigenverantwortlich konkrete Maßnahmen zur Krisenfestigkeit zu initiieren. Außerdem soll KOMPASS Resilienz ein Netzwerk zwischen Kommunen und relevanten Akteuren schaffen. Gerade bei kleinen und mittleren Kommunen sind Ressourcen oft begrenzter. Deshalb möchten wir sie ermutigen und unterstützen, das Querschnittsthema Resilienz aktiv anzugehen.
KOMPASS Resilienz bietet den Kommunen hierfür unter anderem einen Leitfaden mit konkreten Handlungsempfehlungen, eine Checkliste sowie eine gebündelte Sammlung von Informations- und Sensibilisierungsmaterialien. Ergänzend dazu werden ausgearbeitete Szenarien zur Verfügung gestellt, die als Grundlage für kommunale Risiko- und Lageanalysen dienen können. Abgerundet wird das Angebot durch eine digitale Vorlesungs- und Veranstaltungsreihe, die Fachwissen vermittelt, gute Praxisbeispiele sichtbar macht und den Austausch zwischen den Kommunen fördert. Außerdem soll KOMPASS Resilienz ein Netzwerk schaffen, von dem alle Beteiligten profitieren können. Des Weiteren kann die Resilienzstrategie des Landes Hessen Kommunen bereitgestellt werden, die als Orientierung und Vorbild für die Entwicklung eigener kommunaler Resilienzstrategien dienen kann.
Mit KOMPASS Resilienz schafft Hessen einen klaren Rahmen, der Kommunen dabei unterstützt und Anreize setzt, ihre Krisenfestigkeit zu stärken, lokale Strukturen zu überprüfen und die Resilienz vor Ort nachhaltig auszubauen. Teilnehmende Kommunen sollten einen ´Resilienzbeauftragten` als Single Point of Contact benennen, der als zentrale Ansprechperson für das Thema Resilienz fungiert und die Maßnahmen vor Ort koordiniert. Darüber hinaus sollten die Kommunen als Teilnahmevoraussetzung die Bereitschaft erklären, resilienzsteigernde Maßnahmen zu initiieren und umzusetzen, wie ein Notfall- und Krisenmanagement, Notstromversorgung, Sensibilisierung der Bevölkerung und des Personals. Empfohlen wird darüber hinaus die Einrichtung eines kommunalen Resilienzrats – ähnlich dem Hessischen Sicherheits- und Resilienzrat – zur Vernetzung relevanter Akteure vor Ort.
Nach der Umsetzung geeigneter resilienzsteigernder Maßnahmen erhält die Kommune ein Resilienz-Siegel. Das Resilienz-Siegel wird anhand ergriffener Maßnahmen in den aufgeführten Aufgabenfeldern zur Stärkung der Resilienz verliehen.
Ich würde mich freuen, wenn sich möglichst viele Kommunen bereit erklären, an KOMPASS Resilienz teilzunehmen und so krisenfester zu werden. Eine Anmeldung ist ab sofort möglich.
Hessen unterstützt schon jetzt die Kommunen bestmöglich, vor allem im Brand- und Katastrophenschutz, einem wichtigen Bestandteil kommunaler Resilienz. Ich bin immer wieder beeindruckt, wie gut die Gemeinden schon jetzt gerüstet sind. Besonders deutlich wurde dies bei meiner Sommerreise im vergangenen Jahr. Mein Besuch bei der Freiwilligen Feuerwehr Friedrichsdorf-Köppern im Rahmen der Sommerreise zeigte, wie engagiert Entscheidungsträger und Ehrenamtliche im Hochtaunuskreis die Krisenvorsorge vorantreiben. Auch Neu-Anspach geht mit gutem Beispiel voran. Die Feuerwehr Anspach mit rund 230 Mitgliedern hat für all ihre Standorte externe Notstromaggregate beschafft. Die Aggregate verfügen über ausreichend Leistung, um im Einsatzfall die Grundfunktionen der Feuerwehrhäuser aufrechtzuerhalten. An den Gerätehäusern wurden dafür genormte Einspeisemöglichkeiten geschaffen, sodass bei Bedarf ein mobiles Aggregat angeschlossen und die Stromversorgung der Gebäude sichergestellt werden kann. Mit dieser Lösung hat die Feuerwehr Anspach ein Konzept umgesetzt, das sich an den Rahmenempfehlungen zur Notstromversorgung im hessischen Katastrophenschutz orientiert. Darüber hinaus stellt die Stadt einen Katastrophenschutz-Löschzug mit einem vom Land geförderten Löschgruppenfahrzeug Katastrophenschutz. Zudem sind in Neu-Anspach ein Sonderanhänger Strom sowie zwei Fahrzeuge des Katastrophenschutzes stationiert, die vom Land Hessen mit über 100.000 Euro gefördert wurden.
Krisenvorsorge wird besonders in den Kommunen spürbar: Unwetter oder Stromausfälle treffen die Menschen unmittelbar. Der Brand- und Katastrophenschutz ist hier ein zentrales Element kommunaler Resilienz. Auch wenn der Bevölkerungsschutz primär Aufgabe von Bund und Ländern ist, werden Maßnahmen und Entscheidungen direkt vor Ort umgesetzt – von kommunalen Krisenmanagern sowie Ehrenamtlichen in Feuerwehr und Hilfsorganisationen.“
Das Programm KOMPASS Resilienz ergänzt bestehende Aufgaben zur Katastrophenvorsorge. Interessierte Kommunen können ab sofort unter resilienz-siegel@innen.hessen.de ihr Interesse bekunden und erhalten zum offiziellen Start der Initiative weitere Informationen.
Hessen geht konsequent voran und bereitet sich bestmöglich auf Krisen vor
Bereits 2023 hat die Landesregierung eine Resilienzstrategie beschlossen, um die staatliche Handlungsfähigkeit in Krisenlagen sicherzustellen. Zugleich wurde der hessische Katastrophenschutz gezielt ausgebaut: Seit Beginn der Ausstattungsoffensive 2008 wurden über 100 Millionen Euro investiert und die Zahl der Landesfahrzeuge hat sich von unter 300 auf rund 900 mehr als verdreifacht.
Mit Blick eines großflächigen, langandauernden Stromausfalls hat das Land im Katastrophenschutz gezielt vorgesorgt und unter anderem mobile Notstromaggregate und Sondereinsatzmittel wie Großstromaggregate beschafft. Jeder Landkreis und jede kreisfreie Stadt kann heute auf ein Großstromaggregat zur Unterstützung von KRITIS als auch auf kleinere Stromaggregate zur Aufrechterhaltung der Handlungsfähigkeit unserer Katastrophenschutzeinheiten zugreifen. Ein weiteres Beispiel für die Vorbereitung auf Stromausfälle ist die Förderung der Notstromertüchtigung von Feuerwehrhäusern in Hessen durch das Land.
Außerdem setzt Hessen gezielt auf die Ausbildung der „Krisenmanager“ in unseren Städten und Gemeinden. Dafür fördert das Innenministerium ein landesweites Schulungsangebot für Katastrophenschutz- und Verwaltungsstäbe. Bis Mitte 2026 werden die Stäbe aller 21 Landkreise und sechs kreisfreien Städte einschließlich der Stadt Hanau das Ausbildungsangebot, bei dem ein Fokus auf der Ausbildung von Multiplikatoren liegt, genutzt haben.
Bereits seit 2017 steht hessischen Kommunen das KOMmunalProgrAmmSicherheitsSiegel (KOMPASS) zur Verfügung, mit dem diese in Zusammenarbeit mit den relevanten gesellschaftlichen Akteuren und der hessischen Polizei ihre Sicherheitsarchitektur gezielt weiterentwickeln können, um vor allem die gefühlte Sicherheitslage zu verbessern. Auf Grundlage einer Bestandsaufnahme bestehender Präventionsangebote und der Sicherheitslage sowie einer Bürgerbefragung sollen konkrete Lösungsvorschläge für die Sicherheitsbedarfe vor Ort erarbeitet werden. Im Rahmen des bundesweit einmaligen Programms, über das gegenwärtig rund 170 Kommunen im Austausch mit ihren Bürgerinnen und Bürgern stehen, wurden hessenweit zahlreiche Sicherheitsanalysen und Bürgerbefragungen zur Erkennung von Problemfeldern in Kommunen und der Entwicklung entsprechender Lösungsansätze durchgeführt. © HMdIS