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Ein Blick auf typische Wintersportverletzungen und moderne Behandlungswege

„Olympia jubelt… die Gelenke nicht immer“
Ein Blick auf typische Wintersportverletzungen und moderne Behandlungswege

Die Olympischen Winterspiele lenken den Blick auf Geschwindigkeit, Risiko, Rekorde und mitunter auf spektakuläre Stürze – und damit auch auf die Verletzungen, die im Winter besonders häufig auftreten. Von Prellungen und Bänderrissen bis hin zu komplexen Frakturen: Die Unfallchirurgie hat in dieser Jahreszeit alle Hände voll zu tun. Dr. Dominik Wilkens, Leitender Oberarzt und Knieexperte im Zentrum für Orthopädie und Traumatologie (ZOT), erklärt im Interview, welche Verletzungsmuster typisch sind und mit welchen modernen Behandlungsmethoden Hobby- und Profisportler schnell wieder zurück in Alltag und Training sind.

Herr Dr. Wilkens, die Winterspiele zeigen neben Spitzenleistungen leider auch immer wieder spektakuläre Stürze. Welche Verletzungen sehen Sie in der Unfallchirurgie in dieser Jahreszeit besonders häufig?

Tatsächlich sehen wir im Winter ein sehr charakteristisches Verletzungsspektrum, das sich erstaunlich gut mit dem deckt, was man bei Olympia beobachten kann. Viele Wintersportarten sind schnell, dynamisch und technisch anspruchsvoll. Wenn es dann zu einem Sturz kommt, wirken enorme Kräfte auf den Körper.

Besonders häufig behandeln wir Verletzungen an Knie und Schulter, gefolgt von Frakturen an Unterarm oder Handgelenk. Beim Skifahren und Snowboarden kommt es zudem oft zu Verdrehtraumata, die Kreuzband , Meniskus oder Bandverletzungen nach sich ziehen.

Woran erkenne ich, dass eine Verletzung nach einem Sturz ärztlich abgeklärt werden sollte?

Wichtig ist: Schmerzen oder Schwellungen nach einem Sturz sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Wenn das Gelenk instabil wirkt, man nicht mehr richtig auftreten kann oder die Beschwerden nach ein bis zwei Tagen nicht deutlich besser werden, sollte man unbedingt ärztlich abklären lassen, was dahintersteckt. Viele Verletzungen wirken zunächst harmlos, können aber unbehandelt zu langfristigen Problemen führen. Eine frühe Diagnose hilft, Komplikationen zu vermeiden und schneller wieder fit zu werden.

Welche modernen Verfahren kommen heute zum Einsatz und was bedeutet das für die Patientinnen und Patienten in der Region?

Ein großer Vorteil für Patienten in der Region ist, dass wir im Zentrum für Orthopädie und Traumatologie (ZOT) Klinik und orthopädische Facharztpraxen unter einem Dach vereinen. Das bedeutet: Diagnostik, operative Versorgung und Nachbehandlung greifen nahtlos ineinander. Patienten bekommen eine abgestimmte Behandlung aus einer Hand, ohne Brüche im Ablauf oder Informationsverlust.

Im Krankenhaus selbst setzen wir auf moderne, schonende Verfahren, die eine schnellere Genesung ermöglichen. Dazu gehören minimalinvasive Operationstechniken und innovative Methoden wie die M ACT, bei der körpereigene Knorpelzellen genutzt werden, um geschädigte Gelenkflächen zu regenerieren. Solche Verfahren waren vor einigen Jahren noch undenkbar und eröffnen heute ganz neue Perspektiven für die Wiederherstellung von Gelenkfunktion.

Viele hoffen auf eine schnelle Rückkehr in den Sport. Wie realistisch ist das nach Band oder Gelenkverletzungen?

Das hängt stark von der Art und dem Ausmaß der Verletzung ab. Ein leichter Bänderriss oder eine Zerrung kann oft schon nach wenigen Wochen wieder gut belastbar sein, während ein kompletter Bänderriss oder ein Meniskusschaden deutlich mehr Zeit braucht. Wichtig ist, dass die Strukturen im Gelenk vollständig ausheilen können, denn zu frühes Belasten führt sonst schnell zu erneuten Problemen.

Entscheidend für die Genesung ist eine gute Kombination aus Schonung, gezielter Physiotherapie und einem strukturierten Aufbauprogramm. Gleichzeitig stehen uns heute deutlich schonendere Verfahren zur Verfügung als früher. Viele Eingriffe können minimalinvasiv durchgeführt werden, also über sehr kleine Schnitte mit einer Kamera. Das schont das Gewebe und ermöglicht eine schnellere Erholung. Bei Bandverletzungen versuchen wir, die Strukturen möglichst zu erhalten oder stabil zu rekonstruieren, und auch beim Meniskus setzt man zunehmend auf erhaltende Verfahren.

Welche Maßnahmen helfen, das Verletzungsrisiko im Wintersport deutlich zu senken?

Viele Verletzungen lassen sich mit einigen einfachen Maßnahmen deutlich reduzieren. Das Wichtigste ist eine gute körperliche Vorbereitung: Wer regelmäßig Kraft und Koordinationstraining macht, fährt stabiler und reagiert schneller. Auch ein kurzes, gezieltes Aufwärmen vor der ersten Abfahrt macht einen großen Unterschied, denn kalte Muskeln und unvorbereitete Gelenke sind deutlich verletzungsanfälliger.

Ebenso wichtig ist eine realistische Selbsteinschätzung. Viele Unfälle passieren am Ende des Tages, wenn die Konzentration nachlässt und die Muskulatur ermüdet ist. Hier lohnt es sich, früher eine Pause einzulegen oder die letzte Abfahrt bewusst ruhiger anzugehen. © Krankenhausgesellschaft St. Vincenz mbH