Mit einem Informationsabend im Rathaus setzte die Stadt Limburg gemeinsam mit dem Verein „gemeinsam zusammen“ ein wichtiges Zeichen für mehr Sensibilität im Umgang mit nicht sichtbaren Behinderungen. Interessierte Unternehmen sowie Bürgerinnen und Bürger nutzten die Gelegenheit, sich über die Herausforderungen zu informieren, mit denen Betroffene im Alltag konfrontiert sind.
Im Mittelpunkt des Abends stand der Vortrag von Rebecca Lefèvre, Autistin mit ADHS, ehemalige Unternehmerin und Projektleiterin des Projekts „Menschen mit nicht sichtbaren Behinderungen sichtbar machen“. Mit persönlichen Erfahrungen, fachlichem Wissen und einer guten Portion Humor machte sie deutlich, dass viele Behinderungen für Außenstehende nicht erkennbar sind – ihre Auswirkungen auf den Alltag jedoch erheblich sein können.
Dabei wurde auch deutlich, wie vielfältig nicht sichtbare Behinderungen sein können. Neben Autismus und ADHS zählen unter anderem psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen, chronische Schmerzen, Epilepsie, Multiple Sklerose, Morbus Crohn, Diabetes, Long Covid, Seh- und Hörbeeinträchtigungen sowie Demenz oder andere neurologische Erkrankungen dazu. Viele Betroffene erleben täglich Situationen, in denen ihre Einschränkungen nicht erkannt oder missverstanden werden.
Ein zentrales Anliegen der Veranstaltung war es deshalb, das Bewusstsein in der Gesellschaft zu stärken. Nicht sichtbare Behinderungen betreffen einen großen Teil der Bevölkerung. Dennoch werden Verhaltensweisen, die auf Außenstehende ungewöhnlich oder unverständlich wirken, häufig vorschnell bewertet. Mehr Wissen und Verständnis können dazu beitragen, Vorurteile abzubauen, Begegnungen entspannter zu gestalten und Betroffenen die gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu erleichtern. Ein respektvoller und verständnisvoller Umgang schafft die Grundlage für ein harmonischeres Miteinander.
„Wir geben uns als Stadt große Mühe, barrierefrei zu werden. Wenn wir uns ehrlich machen, dann geht es um die Entfernung von sichtbaren Barrieren, von Treppen und Bordsteinen, von Stolperfallen auf Wegen und Straßen oder in Gebäuden, um Einstiege in Busse und ähnliches. Doch es gibt viele Barrieren, die nicht aus Steinen oder Beton bestehen. Sie sind nicht für alle Barrieren, für einen Teil unserer Gesellschaft. Es gibt Menschen unter uns, für die ist eine grelle Beleuchtung eine große Barriere, die Dauerbeschallung in Geschäften kaum auszuhalten, der Besuch des Christkindlmarktes eine wahre Herausforderung durch die zahlreichen Geräuschquellen von der Standbeschallung bis zur Dauerschleife Kinderkarrussell.
Mit der Kampagne „Limburg macht sichtbar“ wird Bewusstsein geschaffen. Das Bewusstsein dafür, das es zu laut, zu grell sein kann. Es gilt Barrieren zu erkennen – auch wenn sie einen selbst nicht betreffen. Das ist ein wichtiger Bestandteil unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens, sich auch Lebenssituationen gegenüber emphatisch zu zeigen, die für einen selbst weit entfernt sind“, erläutert Bürgermeister Dr. Marius Hahn.
Während des Vortrags wurde auch aufgezeigt, wie Unternehmen, Geschäfte und öffentliche Einrichtungen mit oft einfachen Maßnahmen Barrieren abbauen können. Ein Beispiel hierfür ist die sogenannte „Stille Stunde“. Während dieser festgelegten Zeiten werden Reize im Geschäft bewusst reduziert: Die Beleuchtung wird – soweit möglich – gedimmt, Musik und Lautsprecherdurchsagen werden ausgeschaltet oder deutlich reduziert, auf das Einräumen von Waren und andere lärmintensive Arbeiten wird verzichtet. So entsteht eine ruhigere Einkaufsatmosphäre, die insbesondere Menschen mit sensorischen oder neurologischen Einschränkungen zugutekommt – häufig aber auch vielen weiteren Kundinnen und Kunden als angenehm empfunden wird.
Die „Stille Stunde“ ist dabei weit mehr als eine ruhige Einkaufszeit. Sie macht sichtbar, dass Inklusion oft schon mit kleinen Veränderungen beginnen kann. Gleichzeitig setzt sie ein Zeichen dafür, dass die Bedürfnisse von Menschen mit nicht sichtbaren Behinderungen wahrgenommen werden und ihre Teilhabe am öffentlichen Leben selbstverständlich sein sollte.
Im Anschluss an den Vortrag bestand die Möglichkeit zum persönlichen Austausch. Der Abend bot den Teilnehmenden die Gelegenheit, intensive Gespräche zu führen, Fragen zu stellen und Ideen zu sammeln, wie mehr Barrierefreiheit und Teilhabe in Limburg gelingen können. © Stadt Limburg