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Ofenführerschein – „Man muss seinen Ofen mit Demut bedienen“

Wer richtig schürt, hat viele Vorteile. Wie es geht, erklärt die Ofenakademie in Online-Selbstlernkursen. Der Landkreis Limburg-Weilburg vergibt hierzu kostenlose Kurszugänge.

Nicht erst seit der Energiekrise sind Holzöfen in vielen Haushalten im Landkreis Limburg-Weilburg eine beliebte Zusatzheizung. Im Rahmen der Kampagne „Richtig Heizen mit Holz“ will der Landkreis nun für weniger Luftverschmutzung sorgen und gleichzeitig den Ofenbetreibern wichtige Tipps an die Hand geben – denn wer richtig schürt, spart bares Geld. Deshalb werden kostenlose Kurslizenzen für die Ofenführerscheine ausgegeben. Was es damit auf sich hat und wie man richtig heizt, darüber spricht Max Kummrow, Gründer der Ofenakademie und Erfinder des Ofenführerscheins im Interview.

Herr Kummrow, ein Führerschein für den Ofen? Was steckt dahinter?

Der Ofenführerschein ist ein Kurs, in dem Betreiber von Holzfeuerstätten, also vor allem handbeschickte Einzelraumfeuerstätten - der klassische Holzofen – lernen, wie man diesen richtig, sauber und möglichst emissionsarm betreibt.

Also lerne ich in dem Kurs, wie ich meinen Ofen beziehungsweise meine Anlage richtig betreibe. Aber was bringt mir das?

Es hat viele Vorteile. Man braucht zirka ein Drittel weniger Brennstoff, was den Geldbeutel direkt schont. Betreibt man die Anlage richtig, verrußen Scheibe und Brennkammer deutlich weniger. Außerdem hält die Anlage deutlich länger, weil sie weniger unter zu hohen Temperaturen betrieben wird, was ungünstig ist. Und zuletzt, und das ist ein ganz großer Vorteil: Wir haben durch eine vollständigere und sauberere Verbrennung eine viel bessere Luftqualität, weil weniger Feinstaubpartikel oben an der Schornsteinmündung entweichen.

Kann man da wirklich so viel falsch machen?

Ja, kann man. Ein Klassiker ist: Ich packe immer einfach acht Scheite Holz rein, unabhängig davon, wie groß die Brennkammer ist oder wie das Holz beschaffen ist. Wichtig ist aber: jede Anlage hat einen genauen Brennstoffbedarf, sowohl beim Anzünden als auch beim Nachlegen, und davon sollte man nicht abweichen. Wenn Sie jetzt eineinhalb Stunden nicht nachlegen möchten, können Sie auch nicht doppelt so viel Holz einlegen. Das hat nämlich zur Folge, dass man nicht in der Nennwärmeleistung – also zum Beispiel sechs Kilowatt – fährt, sondern auf 16 und dann geht viel zu viel Energie den Schornstein hoch, Dichtungen gehen kaputt...

Zum Thema Anzünden: Ich lege einen Anzünder in den Ofen, darauf ein bis zwei Scheite Holz und dann brennt das irgendwann.

Dann schätze ich, dass Sie dadurch drei bis sechs Mal mehr Emissionen erzeugen, als das Gerät eigentlich emittiert. Die Forschungs- und Erkenntnisslage ist mittlerweile sehr weit fortgeschritten: Wir können die Emissionen um mehr als die Hälfte senken, allein durch die richtige Bedienung des Ofens.

Und wie zünde ich den Ofen richtig an?

Man legt die richtige Menge an Brennholz in die Brennkammer, so dass zu allen Seiten schön Luft ist. Darauf kommt kleineres Anzündholz und oben in die Mitte des Anzündstapels kommt der Anzünder und dann öffnet man die Luftzufuhr. Dabei ist gar nicht so wichtig, dass sofort das kleinere Holz entflammt wird, sondern es geht darum, dass die kalte Luft im Schornstein durch die warme Luft nach oben rausgedrückt wird. So entsteht ein Luftzug, durch den auch mehr Sauerstoff in den Ofen gelangt. Dies ist ein Grund, warum „Von-oben-Anzünden“ so wichtig ist.

Und das lernt man, wenn man einen Ofenführerschein macht?

Ja, unser Kurs dauert ca. 90 bis 120 Minuten mit Prüfung – je nachdem, wie lange der einzelne Teilnehmer eben braucht. Durch verschiedene Videos und Übungsmodule erschließt sich nicht nur der Kontext viel mehr, sondern man kann die Videos auch immer wieder pausieren und selbst am eigenen Ofen zu Hause testen. Unser Ziel ist, das höchstmögliche Qualifizierungsniveau beim Betreiber zu erreichen und das schaffen wir durch die Grundlagen des richtigen Steuerns, des richtigen Brennstoffs und weiteren Tipps und Tricks – das ist der Ofenführerschein.

Tipps und Tricks – ein guter Hinweis. Haben Sie einen Tipp, wie man es schafft, dass die Ofenscheibe länger sauber bleibt?

Erstmal kurz zur Ursache des Problems: Die Scheibe ist der kälteste Ort in der Brennkammer. Und feuchte Luft geht immer dorthin, wo es kalt ist. Wenn dann in der Luft viele nicht verbrannte Partikel, sprich Ruß oder Feinstoffe, sind, dann setzt sich der Feinstaub an der Scheibe ab. Wenn ich aber ein Feuer habe, das in einem super Temperaturbereich liegt, verbrennt ein Großteil der Partikel bereits in der Brennkammer und geht weder groß an die Scheibe noch in den Schornstein. Die Ursache kann auch sein, dass ich nicht heiß genug feuere, dann setzen sich unverbrannte feste Stoffe ebenfalls ab. Auch kann es sein, dass das Holz zu feucht ist. Man muss seinen Ofen mit Demut bedienen, auf Knien – und immer mal wieder gucken und aktiv steuern. Dies ist leider alternativlos.

Was gibt es denn beim Holz zu beachten? Und welchen Anzünder nehme ich am besten?

Ich bin ein Fan von wachsgetränkter Holzwolle zum Anzünden. Sie entzündet sich schnell, brennt aber sehr langsam. Und ich halte nichts von in Paraffin getränkten Produkten. Nachhaltige Produkte sind da einfach immer die erste Wahl. Selbes gilt beim Thema Brennholz. Das beste Brennholz ist das, das aus der Nähe kommt und nachhaltig aufgeforstet wird.

Kostenlose Kurszugänge

Ofen schüren - aber richtig. Wer noch nicht weiß, wie's geht, kann beim Kurs für den Ofenführerschein in kurzer Zeit alles Wichtige lernen. Wer den Ofenführerschein kostenlos absolvieren will, kann sich hier für den Kurs registrieren: https://www.ofenakademie.de/landkreis-limburg-weilburg/. Doch schnell sein lohnt sich, die Plätze sind limitiert. Wer eigenverantwortlich etwas für den Klimaschutz tun will, kann den Ofenführerschein auch direkt auf www.ofenakademie.de erwerben. © Landkreis Limburg-Weilburg