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Zum Welt-Autismus-Tag 2021: Einblicke in den Alltag des Fachdienst Autismus der Lebenshilfe Limburg Diez

„Corona hat die Prioritäten in meinem Leben neu aufgestellt!“
Diesen Satz eines 15 Jährigen Autisten während einer Förderung würden sicher viele von uns genauso unterschreiben.
Als die Pandemie und die damit verbundenen Veränderungen im letzten Jahr auf uns einprasselten, wurden auch wir vom Fachdienst Autismus bei der Lebenshilfe Limburg Diez vor besondere Herausforderungen gestellt.
Wir alle erfuhren, dass wiederkehrende Strukturen und Rituale plötzlich wegfielen.
Da aber gerade Menschen mit der Diagnose Autismus dieses verlässliche Fundament benötigen, um sich sicher zu fühlen und sich zu orientieren wurde mit Beginn des Lockdowns schnell klar, dass der Blick sehr sensibel auf jeden einzelnen Klienten gerichtet werden musste.
Diese professionelle Begleitung und Unterstützung von Menschen mit der Diagnose Autismus - wie kann das in Pandemiezeiten funktionieren?
Wie findet Förderung auf Distanz statt, ohne den Bezug zum Klienten zu verlieren?!
Auch für uns im Fachdienst und die Klienten begann eine gemeinsame digitale Wegstrecke.
So gaben Online - Treffen zu festgelegten Zeiten dem Tag Struktur.
Durch gemeinsames Kochen, Backen, sportliche Aktivitäten, Unterstützung bei Schulaufgaben oder einfach „nur“ soziale Interaktion wurden Tage mit positiven gemeinsamen Aktionen gefüllt.

Für die Klienten, die aufgrund ihrer Diagnose nicht im Stande sind, via Medien in den Kontakt zu treten wurden Briefkastenüberraschungen (z.B. Pflanzaktionen, Experimente, Bau- und Bastelanleitungen - zusammen mit nachvollziehbaren Ablaufplänen) an fest vereinbarten Tagen vor die Tür gestellt. Dies geschah immer mit dem Anspruch, ein positives Gefühl in dieser Zeit zu schenken.
Für die Klienten war gerade in dieser Zeit das Erleben, trotz aller Umstände selbst wirksam zu werden enorm wichtig!

„Ich vermisse die vielen sozialen Kontakte, die körperliche Nähe, volle Klassen und Busse überhaupt nicht! Für mich ist die Coronazeit die entspannteste Zeit meines Lebens!“ resümiert eine 17-jährige Autistin.
Autistische Menschen haben entgegen vieler Vorurteile fast immer ein großes Bedürfnis nach sozialen Kontakten.
Allerdings kommen die durch die Pandemie begründeten aktuellen Maßnahmen und Regeln dem Verlangen, wie ein Miteinander gestaltet werden sollte, einigen Klienten sehr entgegen.
Weniger Personen bedeuten weniger Reize. Abstand einhalten bedeutet weniger körperliche Nähe. Das alles sind Umstände, die vielen autistischen Menschen Entlastung verschaffen.
N., 12 Jahre alt, meint zur aktuellen Situation: „Wenn ich einen Zauberstab hätte, würde ich Corona wegzaubern!“
Das ist auf der einen Seite nachvollziehbar und verständlich.
Auf der anderen Seite war und ist Corona auch eine Zeit, die unseren Fachdienst durchaus bereichert hat. Gemeinsam sind wir neue Wege gegangen, die wir so nie für möglich hielten. © Lebenshilfe Limburg Diez e.V.