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Zukunftswege eröffnen und begleiten: Berufliche Integration von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit der Diagnose Autismus.

Die richtigen Wege einschlagen, die meine Stärken zur Geltung bringen: Diese Frage stellen sich Jugendliche mit Autismusdiagnose wie jeder andere auch. Wichtig ist für diese Menschen eine gute fachliche Begleitung.

Wie können Menschen mit Autismus ins Berufsleben integriert werden?
Diese Frage bewegt regelmäßig die Kolleginnen und Kollegen des Fachdienstes Autismus der Lebenshilfe Limburg Diez.
TEACCH steht für “Treatment and Education of Autistic and related Communication handicapped Children“: Es geht um Begleitung und Förderung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit der Diagnose Autismus.

Kristina Roßwurm-Höhler, verantwortlich für den Fachdienst Autismus bei der Lebenshilfe Limburg Diez nennt hier zum einen die Aufklärung auf allen Ebenen und eine bestmögliche Förderung und Begleitung von Menschen mit Autismus nach dem TEACCH-Konzept. „Wir sensibilisieren für die Besonderheiten dieser Diagnose, die sich sehr vielseitig äußern können und bilden Netzwerke zur individuellen Unterstützung“, ergänzt Frau Roßwurm-Höhler.

Die Vorbereitung auf die Berufswelt bei jungen Menschen mit Autismus geschieht sehr individuell. Die Förderung hat hierbei die Spezialinteressen (Stärkencheck) der jungen Menschen im Blick. Was ist für mich besonders interessant? Was kann ich besonders gut? Auf diesen Stärkencheck bauen die nächsten Schritte auf: Das Selbstwertgefühl stärken, die Persönlichkeit bilden, Sozialkompetenzen trainieren, auf den komplexen (Arbeits-)Alltag vorbereiten. Dies geschieht nicht zuletzt durch Strukturierung und Visualisierung von Abläufen. Autistischen Jugendlichen werden so notwendige Orientierungshilfen an die Hand gegeben. Die Ergebnisse sind Vorhersehbarkeit, Flexibilität und größtmögliche Selbständigkeit.

Neue Projekte und Netzwerke tragen dazu bei, dass Inklusion gelingen kann – auch und vor allem auf dem ersten Arbeitsmarkt.
Dabei zeigt eine aktuelle Kooperation zwischen dem Integrationsfachdienst Limburg, dem Landeswohlfahrtsverband Hessen und dem Fachdienst Autismus, wie eine Förderung nach TEACCH auch diejenigen unterstützen kann, die bereits im Berufsleben stehen.
Dieser Arbeitgeber schätzt seinen äußerst zuverlässigen und gewissenhaften Mitarbeiter, der durch das Coaching nun auch die sozialen und kommunikativen Aspekte innerhalb einer Firma schneller durschaut und reagieren kann.
Eine mehr als gelungene Form der Inklusion, von der beide Seiten profitieren!

Dennoch wird eines deutlich: Die Bereitschaft, Jugendlichen mit einer Diagnose Autismus eine Möglichkeit für ein Praktikum zu geben oder erwachsenen Autisten mit abgeschlossener Ausbildung einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt zu ermöglichen ist gering.

Der Gewinn durch die Einstellung eines autistischen Mitarbeiters / Praktikanten ist häufig gänzlich unbekannt.
Das hängt in erster Linie mit der immer noch weit verbreiteten Angst vor zusätzlicher Belastung zusammen. Dabei ist der Wunsch der Betroffenen klar: Sie wollen arbeiten und die Gelegenheit haben, ihre Stärken zur Entfaltung zu bringen.

Um die Bereitschaft bei den Entscheidern seitens der Firmen zur Einstellung eines autistischen Mitarbeiters zu fördern ist Aufklärung wichtig.
Es besteht zum Beispiel ein Anspruch auf Lohnkostenzuschuss und weitere Unterstützungsleistungen. Dies ist oft nicht bekannt.

Menschen mit der Diagnose Autismus haben häufig ausgeprägte Spezialinteressen und ganz besondere Fähigkeiten auf speziellen Gebieten.
Diese Begabungen können bei einem richtigen Arbeitsfeld in einer Firma von unschätzbarem Wert sein. Denn der Mitarbeiter lebt für dieses Interesse, weiß oft alles über diesen Arbeitsbereich und schenkt dem Thema seine ganze Aufmerksamkeit.
Arbeitgeber berichten, dass sie selten so zuverlässige Mitarbeiter hatten. Denn die Arbeit im Bereich der eigenen Spezialinteressen ist für diese Menschen meist ein pures Vergnügen.

Der soziale Umgang mit Kollegen stellt häufig die viel größere Hürde dar. Die Unterstützung durch ein Coaching kann hier erfolgen. Am besten schon in jungen Jahren durch das TEACCH-Konzept.

Die Spezialinteressen werden auch in der Vorbereitung auf die Berufswelt im Rahmen der Förderung immer wieder aufgegriffen. Bewerbungstraining, Vorstellungsgespräche (Rollenspiele), Stärkenchecks erfolgen immer in Anlehnung an das, was die Jugendlichen am meisten bewegt.
Diese Basis ist wichtig für das schwierige Erlernen vermeintlich grundlegender Dinge, die für andere selbstverständlich sind. Denn diese müssen mühsam erlernt werden.
Warum ist es zum Beispiel wichtig, bei einem Bewerbungsgespräch dem Gegenüber die Hand zu schütteln und Blickkontakt aufzunehmen? Oder mit einem Kunden einen Smalltalk zu führen? Oder am Geburtstag den Kollegen einen Kuchen mit zu bringen? Alle diese Beispiele zeigen, welche grundlegenden Handlungsstrategien im sozialen Miteinander eingeübt werden müssen.

Letztendlich wünscht sich Nicole Altenhofen aus dem Fachdienst Autismus der Lebenshilfe Limburg Diez, dass sich noch sehr viel mehr Firmen und Betriebe dafür öffnen, einen Mitarbeitenden mit der Diagnose Autismus in ihrem Team aufzunehmen. Sie fördert eine Vielzahl Jugendlicher mit der Diagnose Autismus und ist überzeugt davon, dass diese jungen Heranwachsenden mit ihren besonderen Begabungen und Fähigkeiten eine große Bereicherung für diese Betriebe darstellen können.

Fragen zur beruflichen Integration von Jugendlichen mit der Diagnose Autismus beantwortet gerne
Kristina Roßwurm-Höhler, Fachdienst Autismus bei der Lebenshilfe Limburg Diez
Oraniensteiner Straße 11, 65582 Diez, Tel.: 06432/888099,
k.rosswurm-hoehler(at)lebenshilfe-ldz.de

Generelle Informationen zum Thema Autismus / Welt-Autismus-Tag:

Der internationale Welt-Autismus-Tag findet jährlich am 2. April statt. Er wurde im Jahr 2008 erstmals begangen. Eingeführt wurde er von den Vereinten Nationen. Gemeinsam mit „Autism-Europe“ fordert der Bundesverband „autismus Deutschland“ allgemeine Zugänglichkeit und einen Abbau von Barrieren. Da Autismus eine nicht sichtbare Behinderung ist, ist es wichtig, Betroffene anzuhören und ihre individuellen Erfahrungen mit Barrieren aufzunehmen. © Lebenshilfe Limburg Diez