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Welttag gegen Misshandlung älterer Menschen: Schamgrenzen überwinden, Hilfe suchen

Gewalt gegen ältere Menschen ist ein Tabu, über das selten gesprochen wird. Dabei kann Gewalt sowohl im häuslichen Bereich als auch bei ambulanter und stationärer Pflege auftreten. Die Tathandlungen reichen von emotionaler Vernachlässigung über finanzielles Ausbeuten bis hin zu schweren körperlichen und psychischen Übergriffen – und eine Vielzahl der Fälle wird erst gar nicht bekannt. Doch niemand sollte Vernachlässigung, Misshandlung, Beschimpfung oder körperlichen Einschränkungen wie Fixierungen oder Schlägen ausgesetzt sein – daran gemahnt die Opferhilfeorganisation WEISSER RING zum Welttag gegen Diskriminierung und Misshandlung älterer Menschen am 15. Juni. Ins Leben gerufen wurde der Welttag 2011 von den Vereinten Nationen.
Untersuchungen zufolge geben etwa fünf Prozent der älteren Personen über 60 Jahre an, bereits Opfer von Diskriminierung und Gewalteinwirkung geworden zu sein. Die Dunkelziffer dürfte dabei noch um einiges höher liegen. Die Betroffenen sind zum Teil körperlich schwach oder krank und beispielsweise auf die Hilfe ihrer Familienmitglieder angewiesen. Die Auslöser für Überreaktionen und Gewaltanwendungen sind oftmals in der Überforderung der pflegenden Verwandten zu finden. Doch Misshandlungen oder Vernachlässigungen in der häuslichen Pflege bleiben meist unsichtbar. Gewalt gegen ältere Menschen in Pflegeheimen etwa ist einer der wenigen Tatbestände, die in die Öffentlichkeit gelangen.
Wer im Alter Gewalt erfährt, ist in vielen Fällen nicht in der Lage, sich Hilfe zu suchen. Darüber hinaus verspüren viele Senioren Scham, überhaupt über ihr Leiden zu sprechen - dabei gibt es deutschlandweit ein Netz an Unterstützungseinrichtungen gerade bei häuslicher Gewalt. Auch der WEISSE RING hält eine Reihe von Beratungs- und Hilfsangeboten für gewaltbetroffene ältere Menschen vor. So können sich Senioren oder deren Angehörige – auch anonym – unter der Telefonnummer 116 006 an das Opfer-Telefon des WEISSEN RINGS wenden. Das Angebot ist bundesweit verfügbar, kostenfrei und täglich von 7 bis 22 Uhr zu erreichen. Darüber hinaus bieten die ehrenamtlichen Mitarbeiter des WEISSEN RINGS in einem persönlichen Gespräch in einer der bundesweit 400 Außenstellen Rat und Tat sowie menschlichen Beistand an.

Der WEISSE RING wurde 1976 in Mainz gegründet als „Gemeinnütziger Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern und zur Verhütung von Straftaten e. V.“. Er ist Deutschlands größte Hilfsorganisation für Opfer von Kriminalität. Der Verein unterhält ein Netz von 3.000 ehrenamtlichen, professionell ausgebildeten Opferhelfern in bundesweit 400 Außenstellen, beim Opfer-Telefon und in der Onlineberatung. Der WEISSE RING hat mehr als 100.000 Förderer und ist in 18 Landesverbände gegliedert. Er ist ein sachkundiger und anerkannter Ansprechpartner für Politik, Justiz, Verwaltung, Wissenschaft und Medien in allen Fragen der Opferhilfe. Der Verein finanziert seine Tätigkeit ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und testamentarischen Zuwendungen sowie von Gerichten und Staatsanwaltschaften verhängten Geldbußen. Der WEISSE RING erhält keinerlei staatliche Mittel. © WEISSER RING e.V.