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Wasser und Klimawandel – mitten in Hessen, mitten in der Welt

RP Gießen erinnert zum internationalen Tag des Wassers an die klimatischen Veränderungen in der Region Mittelhessen

Gießen. "95 Prozent des Trinkwassers in Hessen stammen aus dem Grundwasser", betont Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich anlässlich des internationalen Tags des Wassers am Sonntag, 22. März. "In Mittelhessen ist es seit Monaten nass, richtig nass." Das sei mehr als erfreulich für das Grundwasser. "Wasser zu schützen, gehört zu den vielen Arbeitsbereichen des Regierungspräsidiums." Diese Aufgaben stellt das Regierungspräsidium darum zum Tag des Wassers vor.

"Die vergangenen zwei ausgesprochen trockenen Sommer und das ebenso niederschlagsarme Winterhalbjahr 2018/2019 haben erheblich an unseren Grundwasserreserven gezehrt", erklärt die zuständige Abteilungsleiterin Karin Ohm-Winter. Diese sind in Mittelhessen jedoch Grundvoraussetzung für die Sicherstellung der öffentlichen Trinkwasserversorgung. Aber laut Ohm-Winter gibt es einen Lichtblick: "Die ergiebigen Niederschläge der vergangenen Monate haben das Grundwasser wieder steigen lassen."

 

Das alleine ist aber noch keine Garantie dafür, dass sich der gescholtene Grundwasserkörper in ausreichendem Maße erholt. Denn in Bezug auf die Neubildung von Grundwasser werde ein Jahr in den hydrologischen Sommer (Mai bis Oktober) und den hydrologischen Winter (November bis April) unterteilt. "Der Niederschlag des Sommers wird vornehmlich von den Pflanzen aufgenommen und verdunstet, sodass nur ein sehr geringer Anteil im Grundwasser ankommt", weiß Ohm-Winter. Im hydrologischen Winter hingegen fehle die Wasseraufnahme durch Pflanzen und auch die Verdunstung sei eher gering. "Darum ist gerade das Winterhalbjahr von besonderer Bedeutung für die Erholung der Grundwasserstände."

 

Alleine vier der zehn Dezernate innerhalb der Umweltverwaltung der mittelhessischen Mittelbehörde beschäftigen sich mit Wasser. "Wasser ist ja auch die wertvollste Ressource auf unserem Planeten - im Großen wie im Kleinen: Egal, ob als Hauptbestandteil des menschlichen Körpers, als Hauptanteil der Erdoberfläche oder als Grundnahrungsmittel", sagt RP Ullrich. Das Aufgabenspektrum im RP Gießen reicht dabei vom Grundwasserschutz und der Kontrolle der Wasserversorgung über den Hochwasserschutz und die Überprüfung der Gewässergüte bis hin zu kommunalem und industriellem Abwasser.

 

Umso wichtiger ist es, auch in Bezug auf den "Weltwassertag", auf die Herausforderungen hinzuweisen, die insbesondere auch auf die heimische Wasserwirtschaft zukommen werden. Denn das vermeintlich wasserreiche Deutschland muss sich frühzeitig mit den möglichen klimatischen Veränderungen auseinandersetzen. Der derzeit gewohnte und als selbstverständlich angesehene Wasserverbrauch wird daher überall verstärkt hinterfragt und optimiert werden müssen.

 

Die ersten Schritte hierfür seien bereits erfolgt, sagt Abteilungsleiterin Ohm-Winter: "Beispiele hierfür sind die intensive Regenwassernutzung im privaten Haushalt oder zur Gartenbewässerung, geänderte Bewirtschaftungsmethoden in der Landwirtschaft oder die wachsende Bereitschaft zur Kreislaufnutzung von Produktionswasser in der Industrie." Überall, wo man durch die Verwaltung Einfluss auf eine geänderte Wassernutzung habe, stünden die Themen Ressourceneffizienz und Schutz des Wassers an oberster Stelle. "Dennoch sind weitere Anstrengungen für einen effizienteren Umgang mit der Ressource Grundwasser unverzichtbar", berichtet Ohm-Winter.

 

"Mittelhessen liegt mitten in unserem schönen Hessenland, mitten in Deutschland und mitten in Europa. Wir müssen uns weltweiten Herausforderungen stellen und uns um die Zukunft einer sicheren Wasserversorgung kümmern", appelliert RP Ullrich. "Der Tag des Wassers ist ein guter Anlass, auf diese wichtige Aufgabe hinzuweisen und die Menschen dafür zu sensibilisieren."

 

Hintergrund

 

Infolge der lang anhaltenden Trockenheit der letzten beiden Jahre waren die Grundwasserstände in Hessen auf ein tiefes Niveau gesunken. Umso erfreulicher ist es, dass bereits Ende September ergiebige Niederschläge einsetzten und der überdurchschnittlich nasse Oktober dann endgültig eine Trendwende einleitete.

Mit dem statistisch gesehenen drittnassesten Februar seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Hessen fiel somit der Winter, genauer die Monate Dezember bis Februar insgesamt deutlich niederschlagsreicher als der langjährige Durchschnitt aus.

 

Mitte März haben wir inzwischen gut wassergesättigte Böden und können landesweit deutliche Anstiege in den Grundwasserpegeln verzeichnen, sodass sich nun die Grundwassersituation im Vergleich zum Oktober 2019 deutlich entspannter darstellt. Wegen der ungleichen Niederschlagsverteilung und der unterschiedlichen Gebietseigenschaften sind jedoch noch regionale Differenzen zu beachten: Mancherorts bedarf es tatsächlich noch weiterer Niederschläge, um die Grundwasserstände wieder auf ein für diese Jahreszeit durchschnittliches Niveau ansteigen zu lassen.

 

Wenn sich die derzeitige niederschlagsreiche Witterung fortsetzt, kann die mittelhessische Wasserwirtschaft auf eine günstige Ausgangssituation zum Start in den Sommer 2020 hoffen. Die reichen Niederschläge der letzten Tage haben sogar zu Überschwemmungen in einigen Gemeinden Mittelhessens geführt. Dies allerdings ist der negative Aspekt der aus Sicht des Grundwassers so dringend benötigten Niederschläge.

 

Für Hessen werden aufgrund des Klimawandels zukünftig überwiegend trockene Sommer und feuchte Winter erwartet. Wie sich dies jedoch auf die Neubildungsraten unseres Grundwassers auswirken wird, lässt sich nicht verlässlich vorhersagen.

 

Der internationale Tag des Wassers entstand 1992 auf der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung "Agenda 21." Auf der Grundlage des dort beschlossenen Leitpapiers für nachhaltige Entwicklungsmaßnahmen wurde mit einer UNO-Resolution der 22. März als Datum für den Weltwassertag festgelegt. © RP-Gießen