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Volkstrauertag, ein Tag der Mahnung

„Licht – Leben – Liebe“ unter diesen Sehnsuchtsworten zeichnete der Lazarettarzt Kurt Reuber kurz vor Weihnachten 1942 im Kessel von Stalingrad seine Madonna mit dem Jesuskind. Im Angesicht des Todes und unermesslichen Leids spendete diese Zeichnung für einige Stunden Trost und Hoffnung.

Aus Anlass des Volkstrauertags erinnerte der emeritierte Weihbischof Gerhard Pieschl am Sonntag, 17. November, im Rahmen der zentralen Gedenkfeier am Ehrenmal auf dem Limburger Hauptfriedhof an das, was die Toten des Krieges von den Lebenden erwarten: Eintreten für den Frieden. Eine Darstellung der Stalingrad-Madonna befindet sich auch ganz in der Nähe des Limburger Doms, wo eine Stele an die Schlacht erinnert. Aufgestellt wurde sie dort, da die ehemaligen Stalingrad-Kämpfer ihr Bundestreffen in Limburg abhielten und in diesem Zusammenhang auch immer an der Veranstaltung am Ehrenmal teilnahmen. Dort bleiben die Stühle, die für die ehemaligen Stalingrad-Kämpfer vorgesehen sind, inzwischen leer.
Auch der Sprecher der Kameradschaft, Dr. Gerhard Luther, war am Volkstrauertag nicht in Limburg. Bürgermeister Dr. Marius Hahn verlas für ihn ein Grußwort, das die Zielsetzung der Kameradschaft hervorhob: Frieden, Frieden. Hahn selbst, der unter den Gästen Landrat Michael Köberle, Ortsvorsteherin Sigrid Wolf und Oberstleutnant d.R. Jörg Fried als Vertreter des Kreisverbindungskommandos begrüßte, mahnte, niemals damit aufzuhören, sich die Sinnlosigkeit von Krieg und Gewalt bewusst zu machen. „Krieg ist nicht Geschichte, Krieg ist auch im 21. Jahrhundert immer noch Realität“, machte er am Volkstrauertag als einem Tag der Mahnung deutlich.
80 Jahre nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs und des Überfalls auf Polen am 1. September 1939 durch die deutsche Wehrmacht erinnerte Hahn an den Kniefall Willy Brandt am 7. Dezember 1970 am Ehrenmal für die Toten des Warschauer Ghettos. Eine Geste, die in Deutschland keineswegs unumstritten war, international jedoch als Bitte um Vergebung verstanden wurde und sich zum Symbol einer neuen Ostpolitik entwickelte. „Erst nach den demokratischen Umbrüchen in Polen und dem Ende der Teilung Deutschlands und Europas konnte auch die politische Versöhnung, basierend auf dem deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrag von 1970, wirklich gelingen“, verdeutlichte Hahn.
In der durch den Gesangverein „Eintracht“ Limburg musikalisch gestalteten Gedenkveranstaltung mahnten die Marienschülerinnen Selina Schaub und Meltem Köksal in vorgetragenen Gedichten davor, den Frieden nicht den Alten zu überlassen. Der Friede beginne immer ganz nah, also in der täglichen Auseinandersetzung und Begegnung mit anderen. Oberstleutnant a. d. Michael Knaack als Vertreter der Reservistenkameradschaft sprach vor der Kranzniederlegung, die Johannes Kramer von der Kreismusikschule auf der Trompete begleitete, das Totengedenken an alle Opfer von Krieg, Vertreibung und Gewaltherrschaft. © Stadt Limburg