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Unterschiede im Wahlverhalten nach Alter und Geschlecht

Ergebnisse der repräsentativen Wahlstatistik bei der Landtagswahl 2018 in Hessen (21/2019)
• CDU und SPD verlieren Wählerinnen und Wähler in allen Altersklassen
• GRÜNE bei den 18- bis 24-Jährigen dominierende Partei, bei Frauen besonders beliebt
• AfD spricht Männer stärker an als Frauen, bei 35 bis 59- Jährigen Zuspruch am größten
• FDP bei Jüngeren wieder attraktiv
• DIE LINKE bei 70-Jährigen und Älteren weniger relevant
Bei der Landtagswahl am 28. Oktober 2018 gab es nach den Ergebnissen der repräsentativen Wahlstatistik deutliche Unterschiede im Wahlverhalten von Frauen und Männern sowie von älteren und jüngeren Menschen.

Wie das Hessische Statistische Landesamt meldet, beteiligten sich ältere Menschen deutlich stärker an der Wahl als jüngere. Demnach waren die 60- bis 69-Jährigen (74,7 Prozent) besonders wahlfreudig, während 55,0 Prozent der 21- bis 24- bzw. der 25- bis 29-Jährigen an der Wahl teilnahmen. Die Wahlbeteiligung von Männern war mit 68,6 Prozent etwas höher als von Frauen (66,9 Prozent). Größere Unterschiede gab es innerhalb der Altersgruppen. Am auffälligsten war die Gruppe der 70-Jährigen und Älteren. Hier war die Beteiligung der Männer (74,4 Prozent) deutlich höher als diejenige der Frauen (65,0 Prozent).
Die CDU, die landesweit 27,0 Prozent (minus 11,3 Prozentpunkte gegenüber 2013) erzielte, hatte in allen Altersgruppen Einbußen. Die Stimmenanteile waren bei den Jüngeren am niedrigsten und nahmen mit zunehmendem Alter der Wählerinnen und Wähler zu. Die höchste Resonanz hat die CDU traditionell bei den Älteren. Bei den 70-Jährigen und Älteren hatte sie die niedrigsten Einbußen (minus 8,2 Prozentpunkte) und erzielte mit 43,1 Prozent ihr bestes Ergebnis mit deutlichem Abstand zur SPD (27,0 Prozent). Bei den 18- bis 24-Jährigen verloren die Christdemokraten überdurchschnittlich (minus 12,1 Prozentpunkte) und erzielten mit 16,3 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis bei dieser Landtagswahl.
Für die 18- bis 24-Jährigen waren die GRÜNEN mit einer Quote von 29,0 Prozent die dominierende Partei. Keine andere Partei war in dieser Altersgruppe annähernd so erfolgreich. Auch in der Wählergunst der 25- bis 34- und der 45- bis 59-Jährigen lagen die GRÜNEN jeweils knapp vor der CDU an erster Stelle. Mit Ausnahme der Altersgruppe 70 Jahre und älter (9,9 Prozent) entschied sich mindestens ein Fünftel der jeweiligen Wählerinnen und Wähler für diese Partei. Die GRÜNEN hatten in allen Altersgruppen Stimmenzuwächse (plus 6,0 bis plus 14,3 Prozentpunkte). Den höchsten Anstieg gab es in der jüngsten Altersgruppe sowie bei den 60- bis 69-Jährigen (plus 11,9 Prozentpunkte). Im Landesdurchschnitt stieg der Stimmenanteil der GRÜNEN um 8,7 Prozentpunkte auf 19,8 Prozent.
Die SPD verlor ebenso wie die CDU in allen Altersgruppen Wählerinnen und Wähler und war bei Älteren erfolgreicher als bei Jüngeren. Ihre Verluste waren mit Ausnahme der Altersgruppe 70 und älter (minus 5,6 Prozentpunkte) zweistellig (minus 10,4 bis 14,0 Prozentpunkte). Auch die SPD war bei den 70-Jährigen und Älteren (27,0 Prozent) am erfolgreichsten. Die geringste Zustimmung fanden die Sozialdemokraten bei Männern und Frauen im Alter von 35 bis 44 Jahren (13,8 Prozent). Die größten Verluste hatten sie bei den 45- bis 59- und 18- bis 24-Jährigen. Die SPD erzielte im Gesamtergebnis 19,8 Prozent (minus 10,9 Prozentpunkte).
Die AfD erreichte bei der Landtagswahl 2018 13,1 Prozent der gültigen Stimmen (plus 9,0 Prozentpunkte). Überdurchschnittlich viele Stimmen kamen von Wählerinnen und Wählern zwischen 45 und 59 (15,6 Prozent) bzw. 35 und 44 (15,2 Prozent) Jahren. In diesen beiden Altersgruppen hatte die AfD die größten Stimmenzuwächse (plus 11,4 bzw. plus 10,7 Prozentpunkte). Damit lag die AfD in der Beliebtheit der 35- bis 44-Jährigen noch vor der SPD an dritter Stelle. Am geringsten war die Resonanz bei den 18- bis 24-Jährigen (7,6 Prozent; plus 2,6 Prozentpunkte).
Die FDP wurde vor allem für jüngere Wählerinnen und Wähler wieder attraktiv. Ihr Stimmenanteil stieg bei den 18- bis 24-Jährigen um 7,7 Prozentpunkte auf 12,0 Prozent. In den darauffolgenden höheren Altersgruppen sanken sowohl die Zuwächse als auch die Stimmenanteile kontinuierlich. Bei den 70-Jährigen und Älteren (6,2 Prozent) war der Rückhalt der Partei am geringsten. Im Landesdurchschnitt erhielten die Liberalen 7,5 Prozent (plus 2,5 Prozentpunkte).
Die Partei DIE LINKE kam bei der Landtagswahl 2018 auf 6,3 Prozent (plus 1,1 Prozentpunkte). Sie war ebenfalls bei den Jüngeren etwas erfolgreicher als bei den Älteren. Die Stimmenanteile (7,5 bis zu 6,0 Prozent) lagen jedoch – mit Ausnahme der 70-Jährigen und älter (2,6 Prozent) — relativ dicht beieinander.
Hinsichtlich der Stimmabgabe nach Geschlecht haben Frauen mit 28,2 Prozent häufiger die CDU gewählt als Männer (25,9 Prozent). Deutlicher war der Vorsprung der Wählerinnen bei den GRÜNEN. Bei den Frauen kamen sie auf 23,0 Prozent, bei den Männern auf 18,2 Prozent. Die SPD wurde ebenfalls etwas häufiger von Frauen (20,2 Prozent) als von Männern (18,5 Prozent) gewählt. Im Gegensatz dazu war die AfD eine vorwiegend von Männern gewählte Partei. Ihr Stimmenanteil unter den männlichen Wählern (17,0 Prozent) war fast doppelt so hoch wie unter den Wählerinnen (9,1 Prozent). Für die FDP und DIE LINKE entschieden sich ebenfalls mehr Männer als Frauen. Allerdings betrug der Unterschied nur 1,0 bzw. 1,3 Prozentpunkte.
Der Statistische Bericht "Wahlbeteiligung und Wahlentscheidung bei der Landtagswahl in Hessen am 28. Oktober 2018, Ergebnisse der repräsentativen Wahlstatistik" steht ab sofort auf der Webseite www.statistik.hessen.de zur Verfügung. © Statistisches Landesamt Hessen