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„Unsere heimische Landwirtschaft versorgt mit hochwertigen, regionalen und daher auch klimafreundlichen Lebensmitteln“ – CDU im Gespräch mit dem Kreislandwirt über die heimische Landwirtschaft

Hirschhausen. Bei einem Besuch der CDU-Kreistagsfraktion spricht Jürgen Engel, Eigentümer und Betriebsleiter sowie zugleich Kreislandwirt, auf dem Lindenhof in Weilburg-Hirschhausen Klartext zur aktuellen Situation der Landwirtschaft im Kreis Limburg-Weilburg. „Wir spüren, dass der Klimawandel auch bei uns seine Spuren hinterlässt“, eröffnet Jürgen Engel. Der Sprecher des Arbeitskreises für Landwirtschaft, Tobias Grän ergänzt: „Die Auswirkungen des Krieges gegen die Ukraine verschärfen die Situation auf den Lebensmittelmärkten zusätzlich.“
Auf dem Lindenhof, betreibt die Familie Engel seit den 50er-Jahren Landwirtschaft, auf aktuell rund 150 Hektar bewirtschafteter Fläche an zwei Standorten. Nach der Milchkrise 2014, wurde die Milchviehhaltung eingestellt und der Betrieb erfolgreich umgestellt. „Die Struktur der landwirtschaftlichen Betriebe ändert sich erkennbar“, so Engel. „Die Zahl der Betriebe nimmt ab. Die verbleibenden Betriebe aber, müssen sich vergrößern, breiter aufstellen, ständig neu anpassen, damit sich Landwirtschaft noch lohnt und man eine Familie aus den Erlösen ernähren kann“, bringt es Engel auf den Punkt und spielt dabei darauf an, dass der fortgesetzte Krieg in Europa, die aktuell anhaltende Dürreperiode und nicht zuletzt die Corona-Krise zu drastischen Auswirkungen geführt haben: „Erlöse und Erträge, sind unsicher, die Märkte volatil und die Preise für Betriebs- und Futtermittel, Dünger- und Pflanzenschutzmittel steigen stetig, so Engel. So liegt beispielsweise aktuell der Preis für 100 Kg Stickstoff-Dünger bei rund 75 €.
Ein drastisches Problem sieht der Kreislandwirt in diesem Zusammenhang in der Umsetzung der Vorgaben aus der Bundes- und EU-Landwirtschaftspolitik. Weniger Tiere sollen gehalten werden, es soll weniger Dünger ausgebracht und kaum mehr mit Pflanzenschutz Unkraut bekämpft werden dürfen. Gleichzeitig sollen 4% der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche stillgelegt werden. Eine Forderung, die Engel Kopfzerbrechen bereitet: „Durch den Ukraine-Krieg, mangelt es weltweit an Getreide, aber, sollte ich von meinem Betrieb 4 % der Fläche brachliegen lassen, würde dies bei 4 Hektar bedeuten, dass Weizen für ca. 9.000 Brote nicht mehr angebaut werden könne“, konkretisiert Engel das Beispiel der Rechnung. „Abgesehen davon, können wir unter den gegenwärtigen Wetter- und Klimabedingungen, nicht die Qualität des Weizens erzielen, die es braucht, um in der Nahrungsmittelerzeugung Verwendung zu finden“. Um diese Qualität in den Weizen zu bekommen, so Engel, müsse drei Mal im Jahr gedüngt werden. Viele Betriebe könnten es sich schlichtweg nicht mehr leisten, die Preise bei Saatgut, Dünger und Produktionsmitteln aufzubringen, bei einem qualitativ nicht abschätzbaren Ergebnis und Ertrag.
Die damit einhergehende Verschärfung beim Einsatz der Pflanzenschutzmittel, mit einer Zielvorgabe diesen, um rund 25% zu senken, kann Engel nicht nachvollziehen: „Wir Landwirte sind gut geschult und ausgebildet. Wir setzen die 900 zugelassenen Pflanzenschutzmittel umsichtig und mit Bedacht ein!“ Auf die Frage des Landtagsabgeordneten Andreas Hofmeister hin, wie er als Kreislandwirt die Stimmung in der Bevölkerung gegenüber der Landwirtschaft einschätze, entgegnet Engel, dass er zwar eine Tendenz hin zur Öko-Landwirtschaft erkenne, aber gerade im Landkreis keine Verteufelung der konventionell betriebenen Nutzung wahrnehme. „Das kommt allein über die Medien, die von den Menschen bestimmt werden, die in fernen Städten leben und unser Leben auf dem Land weder kennen noch verstehen wollen!“ Konflikte würden von außen reingebracht, schlussfolgert Engel. „Wir arbeiten gut zusammen, wir verspüren keine Konkurrenz, sondern helfen uns gegenseitig in diesen schwierigen Zeiten“ und spielt damit auf den Dialog zwischen beiden Nutzungsformen der Landwirtschaft an, der im Kreis Limburg-Weilburg gut funktioniere. Andreas Hofmeister betont, worauf es ankommt, um die Bedeutung der Landwirtschaft den Bürgerinnen und Bürgern des Landkreises noch bewusster zu machen: "Unsere Landwirte und Direktvermarkter für landwirtschaftliche Produkte, erzeugen hier vor Ort, in unserer Region, saisonal gute Produkte und bieten sie in Hofläden oder an Marktständen zum Verkauf an. Das bedeutet für uns: Aus der Region, für die Region, sorgt für kurze Wege und ist somit auch unter dem Nachhaltigkeitsgesichtspunkt von immenser Bedeutung!"
Ein großes Problemfeld im Landkreis spricht der Weinbacher Kreistagsabgeordnete und Landwirt Burkhard Hölz an, indem er auf die Tierhaltung eingeht, die im Kreisgebiet kaum mehr existent sei: „Viehhaltung lohnt sich kaum mehr. Aber der Vorwurf, die existierenden Betriebe betreiben Massentierhaltung und verstoßen gegen das Tierwohl, sind nicht haltbar“, so Hölz und nennt das Problem: „Haltungsgrößen haben damit nichts zu tun, die Haltungsart vielmehr ist entscheidend und dabei stimmt es, denn die Stallungen bei den wenigen noch aktiven Viehbetrieben seien auf dem neuesten Stand und entsprächen allen gesetzlichen Vorgaben!“ Nur den Bürger, so Hölz, erreiche diese Botschaft nicht.
Die CDU-Kreistagsabgeordneten folgten aufmerksam den sehr faktenbasierten Ausführungen von Engel. Besonders sein Plädoyer für eine auch in Zukunft attraktive, lohnende Landwirtschaft und die Stärkung des Interesses der Junglandwirte sowie deren Aus- und Weiterbildung fand große Zustimmung.
Christian Wendel, Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion, bedankte sich abschließend für den tiefen Einblick in die Lage der heimischen Landwirtschaft: „Es ist unsere Aufgabe als CDU-Kreistagsfraktion immer wieder den Dialog mit unseren Landwirten zu suchen. Unsere heimische Landwirtschaft versorgt uns nicht nur mit hochwertigen, regionalen und daher auch klimafreundlichen Lebensmitteln, sie pflegt auch unsere Kulturlandwirtschaft. Wir werden im Rahmen unserer Möglichkeiten im Landkreis unsere Landwirte bei diesen Aufgaben unterstützen!“
© Tarik Cinar