Springe zum Inhalt

Tobias Eckert (SPD): „Ich halte die geplante Schließung der hessischen Impfzentren zum 30. September für einen Fehler“

LIMBURG-WEILBURG. „Die schwarzgrüne Landesregierung betreibt offensichtlich Corona-Politik nach Kassenlage.“ So kritisiert der heimische SPD Landtagsabgeordnete Tobias Eckert den Plan, die hessischen Impfzentren zum 30. September zu schließen. Die Impfzentren, wie das vom Kreis Limburg-Weilburg betriebene auf der Dietkirchener Höhe in Limburg, leisteten in der Pandemie eine gute und wichtige Arbeit. Mit der voreiligen Entscheidung zur Schließung sende die Landesregierung ein fatales Signal an tausende Menschen, die sich impfen lassen wollen, aber bisher noch keinen Termin erhalten hätten.

„Schwarzgrün glaubt offensichtlich den weiteren Verlauf der Impfkampagne zuverlässig vorhersagen zu können. Dabei haben alle im Laufe der Corona-Pandemie erkennen müssen, wie viele Unwägbarkeiten es auf dem Weg zu einem umfassenden Impfschutz der Bevölkerung gibt“, so Eckert. Als bislang einziges Bundesland wolle Hessen diesen falschen Weg einschlagen. Es entstehe der Eindruck, es gehe in erster Linie um das Einsparen von Betriebskosten. „Seit Ende der Priorisierung haben sich in Hessen 144.000 Personen in einem Impfzentrum angemeldet. Gleichzeitig gibt es noch rund 433.000 Personen, die den bisherigen Priorisierungsgruppen angehören, auf der Warteliste stehen und bislang nicht geimpft sind [Stand 11.06.2021]. Dabei hatte die Landesregierung versprochen, dass Anfang Juni die ersten beiden Prioritätengruppen durchgeimpft seien.“ Die hessischen Impfzentren hätten also noch reichlich zu tun. Auch sei denkbar, dass zum Ende des Jahres Auffrischungsimpfungen notwendig werden.

Bis jetzt gebe es keinen offiziellen Plan des Landes, wie gegebenenfalls erforderliche weitere Impfungen nach Abklingen der Immunisierung sichergestellt werden sollen, denn die Wirkung bei den Geimpften lässt mit der Zeit nach. Diese Impfrunde müsste dann eigentlich im Herbst starten. Dazu brauche es Möglichkeiten mindestens in der Form reduzierter Impfzentren. „Zudem kann niemand sicher sagen, dass die Hausärztinnen und Hausärzte ab Oktober keine Entlastung durch die Zentren mehr brauchen“, bekräftigte Eckert.

Wenn die Landesregierung tatsächlich jedem im Zentrum Erstgeimpften dort auch die Zweitimpfung ermöglichen wolle, müssten die Zentren schon sechs Wochen vor der Schließung, also bereits im August, die Erstimpfungen einstellen. „Mir stellt sich die Frage, ob die hessischen Hausärzte mitten in den Sommerferien das komplette Impfprogramm übernehmen können. Ich halte den Beschluss der schwarzgrünen Landesregierung für voreilig und unterstütze einen Initiativantrag zum Erhalt der Impfzentren, über den am kommenden Samstag beim Landesparteitag der Hessen-SPD im Offenbacher Stadion abgestimmt werden wird. Niedrigschwellige Angebote müssen erhalten bleiben und auch die Menschen mit schlechter hausärztlicher Versorgung dürfen nicht aus dem Blick geraten“, erklärte Eckert.

Abschließend machte der Landtagsabgeordnete darauf aufmerksam, dass die bayerische Landesregierung für den Erhalt der Impfzentren als langfristige Rückfalloption für Auffrischungen und Neu-Impfungen eintritt. „Hessen will da offenbar einen anderen Weg gehen – möglicherweise zu Lasten der Bürgerinnen und Bürger.“ © Swen Bastian