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Sommer-Reihe: „RP Ullrich empfiehlt Ausflüge für die ganze Familie in Mittelhessen“ –

Eine Schauhöhle mit „Ah!“- und „Oh!“-Effekt
Heute: Das Herbstlabyrinth sowie der Karst- und Höhlenlehrpfad in Breitscheid (Teil 3)

Gießen. Es ist feucht und für einen Sommertag ziemlich kühl, vor allem aber ist es stockdunkel. Die Frage von Höhlenführer Bernd Walzog „Hat jemand Angst im Dunkeln?“ wenige Minuten zuvor zum Tourbeginn an die kleine Gruppe war berechtigt. Dann drückt er einen Knopf auf der Fernbedienung. Bewunderndes „Oh!“ und „Ah!“ gilt dem Naturschauspiel, das schlagartig sichtbar geworden ist. Tropfsteine, 30.000 Jahre alte Bärenknochen und viele Geschichten rund um die Höhlenforschung stehen im Mittelpunkt der dritten Folge zur Sommer-Reihe „RP Ullrich empfiehlt Ausflüge für die ganze Familie in Mittelhessen“. Diesmal geht es runter in die Schauhöhle Herbstlabyrinth Breitscheid sowie auf den Karst- und Höhlenlehrpfad wenige Kilometer nordwestlich von Herborn.

„Auf meinen Fahrten zu Gemeinden oder Firmen überrascht es mich immer wieder, wie viele kleine Attraktionen wir hier in Mittelhessen haben“, berichtet Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich. Das hatte ihn auf die Idee der kleinen Sommer-Reihe gebracht. Ein Geheimtipp ist die Schauhöhle Herbstlabyrinth auf alle Fälle noch, zumindest geografisch. Das Infozentrum im nationalen Geopark Westerwald-Lahn-Taunus braucht keine funparkgroßen PKW-Flächen.

Mehr als 15 Leute können pro Führung nicht die 124 Stufen hinunter – und Führungen gibt es immer nur zur vollen Stunde. Wenige Autos stehen auch an diesem Sonntag auf einem geschotterten Weg parallel zur Straße. Massenandrang ist etwas anderes. Die Idylle kann aber nicht über den Erfolg des Projekts hinwegtäuschen, denn mehr als 100.000 Besucherinnen und Besucher sind seit der Eröffnung im Jahr 2009 bereits in die faszinierende Unterwelt abgetaucht.

Eine Stunde dauert eine Tour durch einen Teil vom „Herbstlabyrinth“. Dieses verfügt über eine gesamte Ganglänge von über 12,6 Kilometern und ist das größte Höhlensystem in Hessen. Von dem ist aber nur ein kleiner Teil für die Öffentlichkeit zugänglich. Die eigentliche Schauhöhle, die sogenannte „Knöpfchenhalle“, ist der größte Einzelraum, der mit einem Fußweg von rund 100 Metern Länge sowie einer aufwendigen LED-Lichttechnik ausgestattet worden ist. Mit rund 20 Prozent Eigenmitteln und Geldern von Land und EU hat die Gemeinde Breitscheid das 600.000 Euro-Projekt finanziert. „Dass hinter einem so unscheinbaren Eingang ein solches Naturschauspiel versteckt ist, hätte ich nicht erwartet“, sagte RP Ullrich bei einem Besuch im Mai. In seiner Freizeit selbst technikbegeistert, war er besonders von der aus mehr als 120 einzelnen Lampen bestehenden Lichttechnik beeindruckt.

Trotz der gewöhnungsbedürftigen Rahmenbedingungen – dauerhaft neun Grad und eine hundertprozentige Luftfeuchte – sind auch die drei Grundschulkinder in der Gruppe mucksmäuschenstill, wenn Bernd Walzog lebhaft von Sinterfahnen, kryogenem Kalzit oder Laacher See Tephra berichtet. Der erfahrene Höhlenführer bringt seiner Besuchergruppe die glitzernde Unterwelt mit leicht verständlichen Vergleichen und Wortwitz sein in 40 Jahren gewonnenes Fachwissen näher. Da werden Formationen schon mal zu Blumenkohl oder auch Lasagne. Trotz der appetitlichen Assoziationen: Das Auge kann sich nicht satt sehen.

Entdeckt worden ist das Höhlensystem im November 1993 durch Mitglieder der Speläologischen Arbeitsgemeinschaft Hessen e.V. – daher auch der Name. Als die Breitscheider Höhlenforscher durch das Loch schauten, das sich jetzt am Boden der Schauhöhle befindet, wussten sie: Wir haben etwas Sensationelles entdeckt. Ein besonderer Höhepunkt der Führung ist der Blick hinauf in die 32 Meter hohe Halle sowie die Gelegenheit, einen über 30.000 Jahre alten Höhlenbärenknochen und einen abgebrochenen Tropfstein anzufassen. Sogar Vertreter der NASA waren schon zu Besuch im Herbstlabyrinth. Warum? Das ist während der Führung zu erfahren. Also: Nichts wie hin. Dafür lohnt sich auch der Aufstieg, der etwas Kondition erfordert.

Vor oder nach dem Besuch im „Herbstlabyrinth“ lohnt sich eine Wanderung über den Karst- und Höhlenlehrpfad durch kühle Schluchtwälder und mit einem herrlichen Blick über ferne Mittelgebirgslandschaften. Hier verschwindet so mancher Bach plötzlich im Untergrund und es öffnen sich Zugänge in geheimnisvolle Höhlenwelten. Die Strecken führen über gut ausgeschilderte Rundwege und zeigen einen Einblick in die Phänomene des Karstes. Viele wissen, was Basalt ist, aber wer kennt den Ausdruck Karst? Und doch bestehen zwölf Prozent der Fläche Deutschlands tatsächlich aus diesen besonderen Geländeformen mit ihren über 10.000 Höhlen.

Neben dem Erdbach verschwinden, je nach Jahreszeit, weitere kleinere Bäche im Untergrund. Dolinen – also Trichter oder Höhlen im Boden – zeigen an, wo das Wasser über Jahrtausende den Kalkstein gelöst und den Zugang in ein weitverzweigtes Höhlensystem geschaffen hat. Quellen geben das verschwundene Wasser wieder frei und Kulthöhlen gaben schon den frühen Menschen Schutz und Raum für Rituale. Der Karst- und Höhlenlehrpfad bietet die Möglichkeit zu kleinen Spaziergängen von etwa einer Stunde Dauer ohne Führung, die aber auf vier Stunden ausgeweitet werden können. Die „Steinkammern“ laden etwa zum selbstständigen Erkunden geheimnisvoller Höhlen ein. Besonders für Kinder ist das ein echtes Erlebnis. Und das urwüchsige Naturschutzgebiet „Gasse Schlucht“ zeigt sich zu jeder Jahreszeit von seiner schönsten Seite. Wer darüber mehr erfahren möchte, bucht per Voranmeldung eine geführte Wanderung ab fünf Personen bei der Tourist-Information (Tel. 02777 9133-21). Eine kleine Runde (3 km, 2 Stunden) kostet fünf Euro, die große Runde (8 km, 4 Stunden) 9 Euro.

Die Schauhöhle Herbstlabyrinth Breitscheid ist samstags, sonntags, während der Frühjahr- bis Herbst-Ferien auch mittwochs, an hessischen Feiertagen sowie für Sonderführungen für Gruppen und Schulklassen zwischen 11 und 18 Uhr geöffnet. Die Führungen finden immer zur vollen Stunde statt. Der Eintritt beträgt für Erwachsene: 9 Euro, Kinder zwischen 4 und 14 Jahren kosten 6 Euro, eine ermäßigte Gruppenkarten kostet 90 Euro (bis 13 Personen).

Es kann wegen hoher Nachfrage immer zu Wartezeiten kommen. Es empfiehlt sich deshalb, vorab Tickets zu erwerben oder reservieren zu lassen online über www.schauhöhle-breitscheid.de oder telefonisch über die Ticket-Hotline (Tel. 0231 917-2290), das Info-Telefon im Rathaus in der Tourist-Info (Tel. 02777 9133-21) sowie über das Höhlentelefon am Wochenende (Tel. 02777 9119389).

Rundherum:

Lohnend ist auch das Töpfermuseum in der Kirchstraße in Breitscheid. Erleben Sie hier die Vielfältigkeit des Materials Ton. Von alten Wasserleitungen über Eierkäsformen bis hin zur modernen Keramik in Raumfahrt und Medizintechnik. Werfen Sie dazu einen Blick in das Reich der Mitte: die tönerne Armee der Stadt Xian.

Ganz in der Nähe ist auch der Tierpark Herborn (5 km), der sich ebenfalls anbietet, in einen Familienausflug mit eingebunden zu werden. www.tierpark-herborn.de. Der Flyer zum Herbstlabyrinth bietet auf www.schauhöhle-breitscheid.de unter „Öffnungszeiten, Preise, Informationen“ noch weitere Ausflugsziele.


Stichwort: „RP Ullrich empfiehlt Ausflüge für die ganze Familie in Mittelhessen“

Urlaub in Mittelhessen? Kein Problem, wenn man weiß wo. Viele Ausflugsziele in unserer Region sind nur wenig bekannt oder in Vergessenheit geraten. Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich gibt in den Sommerferien für jeden der fünf Landkreise im RP-Bezirk einen persönlichen Tipp.

Aussichtspunkte, Höhlen, Wander- oder Radwege und ein Museum laden dazu ein, Mittelhessen mal anders zu genießen. Ob mit der Familie, mit dem Partner, oder mit Freunden: „Unsere Region hat viel zu bieten“, sagt Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich. © RP-Gießen