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Rund 40.000 Begleitscheine geführt und geprüft

RP-Serie „Zahl des Monats“: Regierungspräsidium Gießen überwacht
die Entsorgung gefährlicher Abfälle – vor allem von Gewerbe und Industrieabfällen

Gießen. Die wenigsten würden wahrscheinlich davon ausgehen, dass die Abfall- und Entsorgungswirtschaft zu den Vorreitern der Digitalisierung gehören. „Als Regierungspräsidium überwachen wir die Abfallentsorgung. Unser besonderes Augenmerk gilt dabei den gefährlichen Stoffen, die vornehmlich in Industrie und Gewerbe anfallen“, erklärt Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich. „Das genutzte Abfallüberwachungssystem ASYS arbeitet vollständig digitalisiert und ermöglicht so auch eine effiziente Prüfung durch die Profis in unserem Haus.“

Gefährlich sind solche Abfälle, die vor allem im gewerblichen und industriellen Prozess anfallen und die Gesundheit oder Umwelt schädigen können. Werden diese zum Entsorger transportiert, gehört zu jeder Fuhre ein Begleitschein. Mit dem ASYS existiert dieser nur noch elektronisch. „Selbst die Unterschriften werden digital mithilfe einer Signaturkarte geleistet, die man sich wie eine EC-Karte vorstellen muss“, lobt Abteilungsleiterin Karin Ohm-Winter das System. „Auf diesem Weg bestätigt der Erzeuger zuerst, dass er die Abfälle an den Beförderer übergeben hat und dieser wiederum, dass er sie übernommen hat. Schließlich erklärt der Entsorger mit seiner Signatur, dass er die Abfälle angenommen hat.“

Von den rund 40.000 im Jahr 2019 eingegangenen Begleitscheinen im Datenverarbeitungssystem waren nur ca. 1.800 fehlerhaft. „Mit einer Quote von 4,5 Prozent sind wir hier in Mittelhessen gut aufgestellt“, wie Michaela Bender vom zuständigen Dezernat erklärt. Die Fehlerquote hat sich somit seit der Einführung des digitalen Nachweisverfahrens mehr als halbiert. Nach Ansicht der Expertin liegt das an den Möglichkeiten für die Erzeuger, Beförderer und Entsorger. „Felder in den elektronischen Vordrucken können vorbelegt und so ‚Zahlendreher‘ beim Ausfüllen vermieden werden.
Auch kann eine digitale Vorprüfung der Angaben schon vor dem Absenden an unser Haus erfolgen, so dass notwendige Änderungen direkt vorgenommen werden können.“

Haben Erzeuger oder Entsorger ihren Sitz in Mittelhessen, werden die Begleitscheine nach Abschluss des Transports an das RP übersandt und dort geprüft. Auch die Prüfung geschieht vollständig digital im bundesweit eingesetzten System. „Hier wurden über 200 Prüfregeln hinterlegt. Es wird beispielsweise kontrolliert, ob der Beförderer die notwendige Erlaubnis hat oder ob der Entsorger über die für den Abfallstoff zugelassene Anlage verfügt“, erläutert Bender. Aber auch organisatorische Mängel, wie eine unzulässige Zwischenlagerung, fallen im System auf. „Wir können so sicherstellen, dass die Abfälle ordnungsgemäß entsorgt und der Weg des Abfalls eindeutig nachvollzogen werden kann.“

Auch RP Ullrich ist zufrieden mit dem digitalen Verwaltungsvorgang: „Alles in allem war das eine zukunftsweisende Umstellung für das Begleitscheinverfahren. Wir arbeiten weiter an praxisnahen Lösungen, um die Verwaltung zu digitalisieren.“

Weiteres zur Überwachung von Abfallströmen gibt es auch unter www.rp-giessen.de in der Rubrik „Umwelt & Natur“ über „Abfall“ weiter zu „Entsorgungswege“.


Stichwort: Zahl des Monats

Eine Zahl besteht aus einer Ziffer oder mehreren, und sie sagt erst einmal nichts aus. Dahinter verstecken sich aber oft spannende Themen mit einem „Ach, das wusste ich noch gar nicht“-Effekt. In der Reihe „Zahl des Monats“ stellt das Regierungspräsidium Gießen interessante Zahlen aus dem Verwaltungsalltag vor und beleuchtet dabei Wissenswertes. Bürgerinnen und Bürger erhalten dadurch einen noch tieferen Einblick in die Aufgaben einer Mittelbehörde, die viel spannender ist, als vielleicht gedacht. © RP-Gießen