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Rund 2,4 Millionen Euro fürs Abwasser

Regierungspräsident Dr. Ullrich übergibt zwei Förderbescheide an die Abwasserverbände Goldener Grund und Emsbachtal

Gießen. „Wasser ist keine übliche Handelsware, sondern ein Gut, das geschützt, verteidigt und entsprechend behandelt werden muss“, erklärte Dr. Christoph Ullrich. Das Land Hessen fördere darum die Modernisierung und technische Optimierung von Kläranlagen. 2,1 Millionen Euro erhalte der Abwasserverband Goldener Grund für die Kläranlage Brechen/Niederbrechen und weitere 295.000 Euro der Abwasserverband Emsbachtal für die Kläranlage Selters/Niederselters. „Die hessische Landesregierung hat sich darum in ihrem Maßnahmenprogramm für die Jahre 2015 bis 2021 zur Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie auf die Fahnen geschrieben, die Phosphorkonzentration in unseren Gewässern dauerhaft zu senken.“

Im Grundwasser und den Flüssen schafft Phosphor große Probleme. Viele Gewässer sind dadurch regelrecht überdüngt. Entsprechend wichtig sei es, Phosphor zu reduzieren, um die europäische Wasserrahmenrichtlinie umzusetzen, wie Bernd Nebel vom zuständigen Dezernat des Regierungspräsidiums erklärt. „In beiden Zuwendungsbescheiden wird die Ertüchtigung der Kläranlagen zur gezielten Phosphor-Elimination gefördert.“ Beide Kläranlagen leiten ihr Abwasser in den Emsbach ein.

Die Bürgermeisterin der Gemeinde Hünfelden Silvia Scheu-Menzer sagte als Verbandsvorsteherin des Abwasserverbands Goldener Grund: „Die Kläranlage in Niederbrechen wird insgesamt erneuert, erweitert und teilweise saniert. Durch den Bau zweier neuer Nachklärbecken und die Errichtung einer Phosphatfällung werden wir die Phosphat-Einleitung in den Emsbach mehr als halbieren.“ Die Förderung des Landes helfe dabei, den Anforderungen der Wasserrahmenrichtlinie gerecht zu werden. Mit dem Bescheid über 2,1 Millionen Euro wird der bisher höchste Landeszuschuss in Mittelhessen im Rahmen des aktuellen Förderprogramms ausgeschüttet.

Für den Abwasserverband Emsbachtal erklärte der Verbandsvorsteher und Bad Camberger Bürgermeister Jens-Peter Vogel: „Dadurch, dass die Nachklärbecken optimiert sowie die Phosphatfällung errichtet wird, können wir den Überwachungswert abermals senken, weshalb wir ab 2021 alle dann erforderlichen Grenzwerte einhalten werden.“

„Gerade beim Thema Abwasser arbeiten Städte und Gemeinden schon seit Jahrzehnten erfolgreich zusammen“, erläutert RP Ullrich. Diese Vorreiter der interkommunalen Zusammenarbeit seien darum bei all ihren Bemühungen zu unterstützen, die Wasserqualität zu verbessen. „Als Land Hessen fördern wir deshalb nachhaltige Investitionen. Die gemeinsame Abwasserbehandlung verringert die Kosten für die einzelnen Kommunen“, so RP Ullrich abschließend.

Hintergrund:

Die beiden Zuwendungsbescheide dienen dazu, das Maßnahmenprogramm 2015-2021 zur EU-Wasserrahmenrichtlinie umzusetzen. Hauptzweck dieses Finanzierungsprogramms ist die Erreichung bzw. der Erhalt des guten Zustandes der Oberflächengewässer sowie des Grundwassers. Schwerpunkt ist dabei die Reduzierung der Phosphoreinträge in die Gewässer.

Der Abwasserverband Goldener Grund umfasst die Gemeinden Brechen, Hünfelden, Selters mit dem Ortsteil Münster, Villmar mit dem Ortsteil Weyer und Weilmünster mit dem Ortsteil Wolfenhausen. Gemeinsam betreiben sie die 36 Jahre alte Kläranlage in Niederbrechen, welche in ihrer Gesamtheit für etwa 25 Millionen Euro erneuert, erweitert und saniert wird. Dazu wird das bestehende Nachklärbecken durch zwei neue ersetzt sowie eine Phosphatfällung mit neuen Rohrleitungen, Elektro-, Mess-, Steuer- und Regeltechnik errichtet. Von den jetzt 4,7 Millionen Euro förderfähigen Kosten für die Phosphorelimination trägt das Land Hessen rund 45 Prozent, also 2,1 Millionen Euro. Darüber hinaus wird der Verband an der Kläranlage eine neue Behandlungsstufe errichten – eine so genannte Faulung mit Gasverwertung. Durch das gewonnene Faulgas kann mittels eines Blockheizkraftwerks Strom und Wärme gewonnen werden. Damit kann der auf der Kläranlage benötigte Energiebedarf zu 70 Prozent aus regenerativer Energie gedeckt werden.

Die Förderung des Landes Hessen bei der Kläranlage Niederselters beträgt 295.000 Euro. Die Quote liegt somit hier bei 35 Prozent der Gesamtkosten von 843.000 Euro. Dem Abwasserverband Emsbachtal gehören die Städte Bad Camberg und Idstein mit den Stadtteilen Walsdorf und Heftrich sowie der Gemeinden Glashütten mit dem Ortsteil Oberems, Selters mit den Ortsteilen Niederselters, Eisenbach und Haintchen sowie Waldems an. Bereits 1996 erfolgte hier eine gezielte Phosphorelimination. Durch den Bau einer neuen Fällanlage wird diese optimiert.

Gemäß der Förderrichtlinie des Landes Hessen beträgt der Fördersatz in der Regel bis zu 50 Prozent. Die jeweilige Förderquote wird vom Umweltministerium in Abstimmung mit dem Finanzministerium und dem Innenministerium in jedem Einzelfall individuell festgelegt. Dabei spielt vor allem die finanzielle Leistungsfähigkeit des Zuwendungsempfängers sowie dessen Stellung im Finanz- und Lastenausgleich eine Rolle.

© RP Gießen