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Römer 2-4-6 in Limburg: Ein Haus für das Fachwerk

Das Haus Römer 2-4-6 aus dem Jahr 1289 gilt als ältester freistehender Fachwerkbau Deutschlands. Die Vergangenheit macht das Gebäude zu einem Denkmal von nationaler Bedeutung. Seine Zukunft soll dazu dienen, den Fachwerkbau in Limburg in einer Ausstellung zu präsentieren.

Das Zentrum für Deutsche Chormusik hat das historische Gebäude verlassen, über viele Jahre diente es dazu, Literatur zur Chormusik zu sammeln. Doch die Last des Papiers nahm überhand, zudem bindet Papier die in der Luft enthaltene Feuchtigkeit, was für einen Fachwerkbau nicht gut ist. Seitdem das Zentrum für Deutsche Chormusik den Römer 2-4-6 verlassen hat, haben sich die Bemühungen um eine Umnutzung intensiviert. Der Magistrat hat nun die Grobkonzeption zu einem Ausstellungshaus zum Fachwerkbau in Limburg zur Kenntnis genommen und gleichzeitig beschlossen, für eine genauere Planung 25.000 Euro in den kommenden Haushalt einzustellen.

Die vorgelegte Konzeption ist vom Freien Institut für Bauforschung und Dokumentation in Marburg (IBD) erarbeitet worden, das seit vielen Jahren die Arbeiten an den Fachwerkhäusern der Limburger Altstadt begleitet, aber auch Bodenuntersuchungen vornimmt und die Baugeschichte des Limburger Schlosses erforscht. Eine Art museales Angebot zum Thema Fachwerk fehlt nach Einschätzung des IBD in einer der attraktivsten Fachwerkstätten Deutschlands. Für dieses Angebot bietet sich der Römer 2-4-6 geradezu an und sei zugleich selbst das wichtigste Exponat der Ausstellung.

Für den 1. Stadtrat Michael Stanke wird das Haus mit seiner Ausstellung eine wichtige Anlaufstation für die Stadtführungen sein, denn an keiner anderen Stelle gibt es dann gebündelt so viele Informationen zum Thema Fachwerk. Bürgermeister Dr. Marius Hahn hat die Hoffnung, dass es nach der langen Phase der Fremdnutzung nun gelingt, das Denkmal von nationaler Bedeutung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen und gleichzeitig über die Besonderheit der Fachwerkstadt Limburg zu informieren.

Nach Einschätzung des IBD ist das in Limburg vorzufindende Fachwerk in einem Umfang erforscht, wie in kaum einer anderen Stadt. Durch diese intensive Forschungsarbeit sei auch bekannt, dass Limburg neben Esslingen am Neckar die Stadt mit den meisten Fachwerkbauten des 13. Jahrhunderts ist. Dieses Alleinstellungsmerkmal sei bisher zu wenig gewürdigt und wahrgenommen worden.

Vorgesehen ist im Römer 2-4-6 eine Ausstellung, die sich verschiedener Medien bedient und die zunächst einmal im Rahmen von Stadtführungen besichtigt werden soll. Als Ausstellungsräume stehen der Keller, das Dach sowie drei Ebenen zur Verfügung, die von unterschiedlichen Gruppen zeitgleich besucht werden können.

Der Keller stellt nach Einschätzung des IBD bereits durch seine Raumwirkung ein Monument für sich dar, das durch eine entsprechende Beleuchtung noch gesteigert werden könne. Im Keller befinden sich Hinweise auf eine frühere Zweigeschossigkeit, es gibt den angedeuteten Mikwenschacht (eine Mikwe ist ein jüdisches Tauchbad zur rituellen Reinigung) mit dem abdeckenden Schöpfstein, das Kloakengewölbe mit Fallschacht und weitere Besonderheiten. All dies gelte es zu erläutern, ohne die Raumwirkung zu beeinträchtigen. Zudem könnten kleine Modelle von Mikwe und Fallschacht dies ergänzen und es zudem noch eine Erläuterung zum Limburger Kellerkataster geben.

Im Erdgeschoss ist in der Halle eine allgemeine Einführung zum Gebäude vorgesehen, wobei ein Großbildschirm die Ausführungen der Stadtführer ergänzen soll; es ist auch ein Einführungsfilm möglich. In den weiteren Erdgeschossräumen soll dann über das Haus und seine Entwicklung im Mittelalter und in der Neuzeit informiert werden, zudem ist ein Raum den Küchen gewidmet, die die wichtigsten Funktionsräume waren.

Das erste Obergeschoss soll sich thematisch dem Fachwerkbau in Limburg widmen, wobei zeitlich in drei Epochen unterschieden wird, in das 13. Jahrhundert, das 14. und 15. Jahrhundert und in die Neuzeit. Dabei soll mit Tafeln und Modellen gearbeitet werden. Im zweiten Obergeschoss ist nach der vorgelegten Konzeption vorgesehen, das Limburger Fachwerk im Vergleich mit anderen Regionen zu betrachten. Das soll in Wechselausstellungen geschehen, die sich zum Beispiel dem spätmittelalterlichen Fachwerkbau in Franken widmen oder dem frühneuzeitlichen Fachwerkbau in Süddeutschland und vieles mehr. Dabei könne auf eine Vielzahl bereits existierender Modelle zurückgegriffen werden.

Im Dachgeschoss, das von Gruppen bis maximal zehn Personen gleichzeitig besucht werden kann, kann der Darstellung von Limburger Dachkonstruktionen dienen. Dabei biete sich der langestreckte Raum des Dachgeschosses ganz besonders an, der selbst eine sichtbarer mittelalterliche Dachkonstruktion aufweist.

Die Herstellung einer Barrierefreiheit ist vom IBD geprüft worden. Grundsätzlich ist Barrierefreiheit nur mit Aufzügen möglich. Zwei Standorte sind dabei untersucht worden, wobei ein Aufzug an der Nordseite aufgrund von Eingriffen in die Bausubstanz ausscheidet und auch der Keller nicht zu erschließen ist. Auf der Südseite ist zwar ein Aufzug technisch möglich und würde auch alle Ebenen des Hauses einbeziehen, doch aus Sicht der Denkmalpflege wird davon abgeraten. Die zum Platz der Mikwe zugewandten Fassade des ältesten Fachwerkgebäudes von Limburg würde erheblich beeinträchtigt und der Anbau eines Aufzugs würde die bauliche Darstellung der Mikwe negativ beeinflussen. Was als möglich eingeschätzt wird, ist ein behindertengerechter Zugang zur Halle im Erdgeschoss. Dies lasse sich gegebenenfalls durch einen Lifter an der Eingangstreppe und einer kleinen Rampe über die Eingangsschwelle erreichen.

Abweichend von der Vorstellung des IBD, in dem Ausstellungshaus sehr stark auf Modelle zu setzen, empfiehlt die Fachabteilung der Stadtverwaltung, es in der Ausstellung lediglich bei dem Modell des Hauses Römer 2-4-6 zu belassen und in allen anderen Fällen auf moderne Medien und digitale Darstellungsformen zu setzen. © Stadt Limburg