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Regierungspräsidium Gießen lädt zu zwei Veranstaltungen zum Wasser- und Artenschutz ein

Auf den Spuren von Fischen und Feldhamster · „5. Hessischer Tag der Nachhaltigkeit“

Gießen. „Wir haben hier in Mittelhessen gute ökologische Voraussetzungen“, sagt Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich zum „5. Hessischen Tag der Nachhaltigkeit“. „Dies ist ein Anlass, sich dies immer wieder einmal bewusst zu machen.“ Das Regierungspräsidium richtete gleich zwei Veranstaltungen unter dem diesjährigen Motto „Vielfältig – Hessisch – Nachhaltig: So wollen wir leben“ aus. Zum einen nahmen Interessierte an einem Termin an der Klinkel’schen Mühle am Lahnfenster teil, um sich über den Fischschutz, Fischabstieg und Wasserkraft zu informieren. In Pohlheim auf dem Obersteinberger Hof bot das RP zum anderen an, mehr über die bedrohliche Lage für den Feldhamster zu erfahren.

„Wir haben unsere Wasserkraftanlage modernisiert, um auch den Fischen mehr Schutz zu garantieren und den Abstieg zu ermöglichen“, erklärte Eduard Windmeier. Seine Familie betreibt die Anlage an der Klinkel’schen Mühle seit mehreren Generationen. Herbert Diehl, zuständig bei dem RP Gießen für oberirdische Gewässer und Hochwasserschutz, fügte hinzu, dass „der Einbau von Fischschutz- und Fischabstiegsystemen an Wasserkraftwerken ein wichtiger Teilbeitrag ist, die Wasserrahmenrichtlinie umzusetzen“. Ein wesentlicher Punkt dabei sei, den Fischen die gefahrlose Wanderung zwischen Ober- und Unterwasser an der Wasserkraftanlage vorbei zu ermöglichen.

„Die modernisierte Anlage soll zukünftig über ein Zählsystem verfügen, das die abwärts passierenden Fische erfasst“, berichtete Eduard Windmeier in Anwesenheit von Gerhard Schulze-Velmede, Dezernatsleiter für Naturschutz beim RP Gießen, und Karin Ohm-Winter, Leiterin der RP-Umweltabteilung. Wesentliches Bauteil der Modernisierung ist ein schräg angeströmter Rechen als Fischleitsystem, um das Eindringen von Fischen in die Turbine zu verhindern. Außerdem wird das im Wasser mitgeführte Treibgut mit einem Rechenreiniger über einen Seitenkanal ins Unterwasser des Kraftwerkes abgeleitet. Die Ertüchtigung und Optimierung der bestehenden Wasserkraftanlage der Klinkel´schen Mühle dient nicht nur der effizienten, umweltfreundlichen Stromerzeugung, sondern auch dem Fischschutz und -abstieg. 

In einer großen Scheune ging es trotz beeindruckenden Maschinenparks mit zwei geparkten Mähdreschern, Anhängern und Traktoren um eine Handvoll Leben, das in Deutschland vom Aussterben bedroht ist. Rund 50 Interessierte hatten sich bei der Familie Fay auf dem Obersteinberger Hof zwischen Watzenborn-Steinberg, Leihgestern und Grüningen eingefunden, um sich über den Feldhamster zu informieren. „Für solche Projekte benötigen wir das Engagement von Einzelnen“, sagte der Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich in seiner Begrüßungsrede in Anwesenheit unter anderem von Sonja Heckrodt, Leiterin der RP-Naturschutzabteilung und Dezernatsleiter Jürgen Busse. Damit gemeint sind einerseits Naturschützer, die ehrenamtlich Jahr für Jahr nach dem Bestand der kleinen Nager schauen, die in Mittelhessen – neben einer kleinen Restpopulation bei Limburg – nur noch in Pohlheim und Langgöns zu finden sind. Andererseits bedarf es Landwirte, die auch bereit sind, bei der Bewirtschaftung ihrer Felder auf die gefährdete Art Rücksicht zu nehmen.

Wie der Name sagt, fühlt sich der Feldhamster auf dem Acker am wohlsten. „Damit er entsprechenden Schutz hat, werden mit Landwirten Verträge abgeschlossen, die einen Teil der Ernte stehen lassen“, berichtet Melanie Albert. Für den Verlust des Ertrags werden sie wiederum aus einem Artenschutzprogramm der Agrarförderung (HALM) entschädigt. Melanie Albert engagiert sich nicht nur in der Arbeitsgemeinschaft Feldhamsterschutz. Sie ist auch Leiterin des Projekts „Feldhamsterland“ im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt und klärte mit Schautafeln und zwei ausgestopften Feldhamstern lebendig über die Notlage des Feldhamsters auf, dessen Lebensraum immer enger wird. „Wir haben extra viele verschiedene Fruchtfolgen auf unseren Feldern“, berichtete Landwirt Peter Fay, dessen Sohn Philipp das Feldhamster-Projekt intensiv unterstützt. Im Anschluss an den Vortrag startete eine kleine Wanderung auf eines der Felder: Auf den Spuren des Feldhamsters.  © RP-Gießen