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Regierungspräsident Ullrich dankt und verabschiedet Bundeswehrsoldaten für Unterstützung in Corona-Lage

„Durch ihren Einsatz haben Sie uns in diesem halben Jahr sehr geholfen“

Regierungspräsident Ullrich dankt und verabschiedet Bundeswehrsoldaten für Unterstützung in Corona-Lage – Katastrophenschutz-Medaille in Bronze des Landes Hessen für Oliver Meineke (Lich) und Michael Hain (Eschenburg)

Gießen. „Herr Dr. Ullrich, das Hilfeleistung-Kontingent der Bundeswehr meldet sich aus der Erstaufnahmeeinrichtung Hessen ab.“ Ein halbes Jahr lang haben fast zwei Dutzend Soldaten in Amtshilfe die Erstaufnahmeeinrichtung Hessen im Einsatz gegen eine Ausbreitung von SARS-CoV-2 unterstützt. Mit dem letzten Satz seiner Ansprache beendete Oberst Jürgen Marx als Leiter des Bezirksverbindungskommandos (BVK) Gießen nun diesen Einsatz. Hierzu waren die Soldaten vor dem Transfer- und Logistikzentrum im Standort Gießen an der Rödgener Straße angetreten. Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich nutzte den besonderen Moment, um sich für den Einsatz mit Worten, aber auch kleinen Präsenten, zu bedanken. Begleitet wurde dies von zahlreichen RP-Beschäftigten, die seit Januar teils eng mit den Soldaten zusammenarbeiteten. Als Überraschung gab es noch zwei Ehrungen.

„Durch ihren Einsatz haben Sie uns in diesem halben Jahr sehr geholfen“, betonte der Regierungspräsident in seiner Rede. Die Bundeswehr habe im Rahmen der Amtshilfe erheblich zur Eindämmung der Pandemie innerhalb der Erstaufnahmeeinrichtung beigetragen. „Dafür gebührt jedem Einzelnen mein herzlicher Dank.“ Damit es nicht nur bei einem mündlichen Dank bleibt, erhielt jeder Soldat zwei symbolische Geschenke „als kleine Erinnerung an diese turbulente Zeit“, die RP Ullrich verteilte. Die weißen Päckchen enthielten eine Powerbank, „damit Ihnen die Energie niemals ausgeht“, und eine RP-Tasse. Christoph Ullrich hatte selbst vor zwei Wochen geholfen, Abstriche bei Flüchtlingen vorzunehmen, die verlegt werden sollten. „Von daher weiß ich, wie heiß einem in den blauen Kitteln wird“, berichtet er.

Oberst Jürgen Marx hatte zuvor die sechs Monate dauernde Amtshilfe noch einmal an den Anwesenden vorüberziehen lassen: „Ich erinnere mich noch genau an das erste Telefonat.“ Am zweiten Weihnachtsfeiertag war das. Wenig später begannen Soldaten des Jägerbataillons 1 aus Schwarzenborn sowie aus Cochem ihren ungewohnten Dienst. Aus Kraftfahrern, Sanitätern oder Scharfschützen wurden Logistiker, Dolmetscherverwalter, Antigen- und PCR-Tester oder auch Material- und Essenausgeber: je nachdem, was gerade benötigt wurde. Es gab viel anzupacken in diesem halben Jahr, und die Soldaten packten tatkräftig mit an. Das Personal wechselte regelmäßig. Zu Beginn waren rund 20 Soldaten eingesetzt, zuletzt waren es noch 13.

Ziel war es, eine Ausbreitung von SARS-CoV-2 zu verlangsamen und Krankheitsfälle zu verhindern. Dafür wurden Erkrankte isoliert und Kontaktpersonen nachverfolgt. Es ist ein Kampf gegen einen unsichtbaren Gegner. Der Schulterschluss zwischen Bundeswehr und Verwaltung zahlt sich aus. Während sich in der Hochphase der dritten Welle etwa zehn Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner am Standort in Gießen infizieren, sind es aktuell sechs von 4708 Flüchtlingen.

„Sie haben große Motivation gezeigt und herausragende Leistungen erbracht“, lobte Oberst Marx die Arbeit seiner Kameraden. Davon hatte sich auch Generalmajor Carsten Breuer während eines Dienstaufsichtsbesuchs in der Erstaufnahmeeinrichtung überzeugt. Dabei informierte sich der Kommandeur des Kommandos Territoriale Aufgaben der Bundeswehr in Berlin einerseits über die Arbeit der Soldaten und führte andererseits ein Informationsgespräch mit RP Ullrich sowie Manfred Becker, Leiter der Abteilung „Flüchtlingsangelegenheiten, Erstaufnahmeeinrichtung und Integration“ im RP Gießen.

Koordiniert worden ist die gesamte Unterstützungsleistung der Soldaten durch das Bezirksverbindungskommando Gießen. Die Besonderheit dabei: Sämtliche Soldaten des Verbindungskommandos sind Reservisten der Bundeswehr, die für diesen Einsatz ihre zivilen Arbeitsstellen zeitweise ruhen lassen, um im Kampf gegen Corona zu unterstützen. Kam es einmal zu Missverständnissen durch die unterschiedlichen Stile von Bundeswehr und Verwaltung, „gab es immer ein offenes Ohr“ und „ein gemeinsames Verständnis über den Auftrag“, wie Marx betont. Nicht zuletzt seien die Soldaten stets auch von den Bewohnerinnen und Bewohnern respektiert worden. „Da treffen schon einmal unterschiedliche Stile aufeinander“, ergänzte RP Ullrich in seiner Rede, „aber ich glaube, dass wir das sehr gut hinbekommen haben.“

Neben einem allgemeinen Dank für die geleistete Amtshilfe hatte der Regierungspräsident aber auch noch eine Überraschung für zwei Soldaten. Oliver Meineke aus Lich und Michael Hain aus Eschenburg gehören nicht nur zum BVK Gießen und waren während der Amtshilfe im Einsatz. „Sie engagieren sich beide ehrenamtlich im Katastrophenschutz-Stabes des Regierungspräsidiums und nehmen regelmäßig an den Übungen und Ausbildungsveranstaltungen teil“, sagte RP Ullrich. Dieser zeichnete sie für ihre zehnjährige Tätigkeit mit der Katastrophenschutz-Medaille des Landes Hessen in Bronze aus. „Dieses Engagement ist alles andere als selbstverständlich“, betonte er. Die Medaille ist vor 18 Jahren durch den damaligen Ministerpräsidenten Roland Koch gestiftet worden, um Verdienste um den Katastrophenschutz in Hessen anzuerkennen und zu würdigen.

© RP-Gießen