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Rassismus im Alltag – Literatur im Gespräch

Der Literaturgesprächskreis trifft sich am Donnerstag, den 25. November ab 20.00 Uhr in den Räumen der Bücherei Niederbrechen zum Austausch über Harper Lees mehr als 50 Jahre verschollenen, in den 50-ger Jahren vom Verlag abgelehnten Erstlingsroman „Gehe hin, stelle einen Wächter.“

Wir begegnen den bekannten Protagonisten aus ihrem Welterfolg “Wer die Nachtigall stört“. Jean Louise „Scout“ Finch, mittlerweile 26 Jahre alt und Jurastudentin, kommt aus New York City zu Besuch in ihr Heimatstädtchen Maycomb in Alabama. Ihr älterer Bruder Jeremy „Jem“ Finch ist vor einigen Jahren an einer genetisch bedingten Herzerkrankung gestorben, die auch den frühen Tod ihrer Mutter verursachte. Ihre schwarze Haushälterin Calpurnia, für Jean Louise eine Art Mutterfigur, ist mittlerweile in den Ruhestand getreten. Seitdem führt ihre Tante Alexandra, zu der Jean Louise ein distanziertes Verhältnis hat, den Haushalt. Sehr gut versteht sie sich dagegen mit ihrem Onkel Jack, einem pensionierten Arzt.
In Maycomb trifft sie zunächst ihre Jugendliebe, den Rechtsanwalt Henry „Hank“ Clinton, der in der Kanzlei ihres Vaters Atticus arbeitet. Henry schlägt ihr vor, zurück nach Maycomb zu ziehen und ihn zu heiraten. Sie stellt sich das Leben als Hanks Frau mehrmals vor und verfällt auch in Erinnerungen an ihre Kindheitstage mit ihrem Bruder und den beiden gemeinsamen Kindheitsfreunden „Dill“ Harris und Hank.
Aber Jean Louise bemerkt schnell, dass sich einige Dinge in ihrer Heimatstadt grundlegend verändert haben. Das Ende der Rassentrennung und das Aufstreben der schwarzen Bevölkerung wird von den weißen Bewohnern Maycombs, oft Nachfahren ehemaliger Sklavenbesitzer, kritisch gesehen. Durch ihr enges Verhältnis zu Calpurnia und das Engagement ihres Vater Atticus für häufig unschuldige Schwarze hat sie kein Verständnis für rassistische Gedankengut.
Doch kurz darauf findet sie eine rassistische Zeitschrift mit dem Titel „Die schwarze Plage“ bei ihrem Vaters und beobachtet ihn und Henry heimlich bei einem Treffen eines White Citizens Council, wo Atticus einen rassistischen Redner empfängt. Entsetzt muss sie feststellen, dass ihre beiden engsten Vertrauten die in den Südstaaten vorherrschende rassistische Gesinnung teilen.Sie stürmt hinaus und bricht zusammen.
Am nächsten Morgen erfährt Jean Louise, dass Calpurnias Enkelsohn einen weißen Fußgänger angefahren und tödlich verletzt hat. Sie besucht Calpurnia, wird aber gefühlskalt behandelt, was sie noch weiter verletzt. Atticus übernimmt die Verteidigung.
Hierauf trifft Jean Louise sich mit Henry. In einem lautstarken Streit auf offener Straße wirft sie ihm die Teilnahme am White Citizens Council vor. Henry erklärt, er wäre hauptsächlich aus opportunistischen Gründen Mitglied im Council. Er glaube, Menschen müssten manchmal Dinge tun, die sie nicht tun möchten, um ein Ziel zu erreichen. Daraufhin bezeichnet Jean Louise ihn als Heuchler und sagt ihm, dass sie ihn niemals heiraten werde.
Plötzlich erscheint Atticus und bittet Jean Louise in ihr Büro. Er erklärt ihr, dass er Mitglied im White Citizens Council sei, weil er glaube, die Schwarzen in den Südstaaten dürften noch nicht vollständig gleichberechtigt sein, da sie nicht in der Lage wären, die dafür benötigte Verantwortung zu übernehmen. Jean Louise erwidert, nach der jahrelangen Diskriminierung erachte sie die schwarze Bevölkerung für sehr verantwortungsvoll und ist angewidert von den Positionen ihres Vaters, weil sie ihren Vater eigentlich als sehr toleranten und gerechten Menschen kennt.
Gerade als sie wütend abreisen möchte, schlägt sie ihr Onkel Jack nieder, um ihre Aufmerksamkeit zu erlangen. Er erklärt ihr, sie wäre nun eine Erwachsene, weil sie sich endlich von Vater gelöst habe und ihn nun nicht mehr als unfehlbaren „Gott“, sondern als fehlbaren Menschen sieht. Nach kurzer Überlegung stimmt sie Onkel Jacks Gedankengang zu. Sie verabredet sich mit Henry zum Abendessen, glaubt aber, dass sie ihn niemals heiraten könne, weil Henry in Maycomb einen Lebensstil erlernt hat, der ihr fremd ist. Als sie Atticus trifft, ist dieser sehr stolz auf sie, weil sie sogar ihm gegenüber ihren eigenen Werten treu geblieben ist und diese verteidigt hat. Jean Louise sagt Atticus, dass sie ihn sehr liebt und sieht ihren Vater zum ersten Mal nicht mehr als ihr Idol, sondern als menschliches Wesen.

Die Teilnehmer des Literaturgesprächskreises treffen sich ca. alle sechs bis sieben Wochen, um sich über das gelesene Werk auszutauschen, die Vorschläge stammen aus dem Kreis der Teilnehmer. Jeder, der für Literatur aufgeschlossen ist, ist als Bereicherung stets willkommen. Allen Interessierten steht die Bücherei Niederbrechen am Sonntag von 9.30 bis 12.00 Uhr, am Mittwoch von 18.30 bis 21.00 Uhr und am Donnerstag von 15.30 bis 16.30 Uhr offen.

Von Jürgen Schühler