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Petunien, Orchideen und Co. unter die Lupe genommen

„Zahl des Monats“: Regierungspräsidium Gießen untersucht Stecklinge von Zierpflanzen auf gentechnische Veränderungen – Alle 219 Proben unauffällig

Gießen. Rund vier Jahre ist es her, dass in ganz Europa massenweise Petunien vom Markt genommen wurden. Der Grund: Ihre orangene Farbe war nicht natürlich, sondern ein Produkt der Gentechnik. Und der Import von gentechnisch veränderten Zierpflanzen in die EU war und ist illegal. „Die Funde haben auch das Regierungspräsidium Gießen auf den Plan gerufen. Seitdem nehmen wir als hessische Gentechnikbehörde gemeinsam mit dem beim RP angegliederten Pflanzenschutzdienst Hessen an dessen Grenzkontrollstelle am Frankfurter Flughafen in der Saison zwischen November und März Proben von Zierpflanzen. Die Stecklinge werden dann in unserem Auftrag vom Landeslabor in Kassel auf gentechnische Veränderungen untersucht“, berichtet Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich. In der Saison 2020/21 waren es 219 Proben – unsere „Zahl des Monats“. Das Ergebnis gleich vorweg: Es gab keine Auffälligkeiten.

Als 2017 die orange blühenden Petunien auftauchten, hieß es für das RP erstmal recherchieren. Welche Zierpflanzen gibt es überhaupt, die potenziell gentechnisch verändert sein könnten? Als diese und andere Fragen geklärt waren, entwickelte das Dezernat für Gentechnik gemeinsam mit dem beim RP angegliederten Pflanzenschutzdienst Hessen ein Programm zur Probenahme. Denn das Ziel war klar: Gentechnisch veränderte Zierpflanzen sollten nicht mehr illegal in Verkehr gebracht werden. Festgelegt wurde, dass mehrere Proben von jeder Sorte untersucht werden – und weitere, wenn es Auffälligkeiten gibt. Fest stand auch, dass die Beprobungen dort stattfinden sollen, wo die meisten Pflanzen ankommen. Und in Deutschland ist dies vor allem der Frankfurter Flughafen.

„Bei einigen Zierpflanzen findet die Vermehrung über Stecklinge überwiegend im Ausland statt“, berichtet RP-Mitarbeiterin Anja Fehrenbach vom Dezernat für Gentechnik und Strahlenschutz. „Was im Frühling Saison hat, kommt zwischen November und März in großen Mengen über den Frankfurter Flughafen an.“ Auch diesmal wurde in diesem Zeitraum stichprobenartig ein breites Spektrum von Zierpflanzen untersucht. Es reichte von Pelargonien – besser bekannt als Geranien – und Begonien über Calibrachoa und Chrysanthemen bis hin zu Orchideen und natürlich Petunien. Im Landeslabor wurde die DNA der Pflanzen isoliert und auf typische Veränderungen hin unter die Lupe genommen. Gentechnische Veränderungen wurden dabei nicht festgestellt.

Eine direkte Gefahr sind gentechnisch veränderte Zierpflanzen nicht. Nichtsdestotrotz ist der Import illegal. Denn es gibt in der EU keine Zulassung, wonach diese in Verkehr gebracht werden dürfen. Und daher auch keine umfassende Risikobewertung, ob von diesen Pflanzen nicht doch eine gewisse Gefahr ausgehen könnte – zum Beispiel für die Umwelt. Die einzige Ausnahme gibt es für einige Nelkenarten, die als Schnittblumen eingeführt und verkauft werden dürfen. Dass sie gentechnisch verändert sind, muss dann auch entsprechend gekennzeichnet sein.

Doch was passiert, wenn gentechnisch veränderte Pflanzen gefunden werden? „Dann müssen diese Pflanzen vernichtet beziehungsweise zerstört werden“, stellt die RP-Mitarbeiterin klar. © RP-Gießen