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„Noch besser für die Lärmbekämpfung gerüstet“

Regierungspräsidium Gießen erweitert seine Messtechnik und stellt neuen Lärmmessanhänger zum ausgefallenen "Tag gegen Lärm" vor

Gießen. Lärm ist Bestandteil des Lebens, aber nur in akzeptablem Maß. Das Regierungspräsidium Gießen hat seine Möglichkeiten erweitert akustische Belastungen zu messen. Heute wäre eigentlich der "Tag gegen Lärm", der wegen der Corona-Pandemie jedoch ausfällt. Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich nutzte den Gedenktag, um sich bei den von RP-Fachleuten über den in Eigenregie neu gebauten RP-Lärmmessanhänger zu informieren. Eingehende Beschwerden der Bürgerinnen und Bürger können nun noch gezielter nachverfolgt werden. "Der Anhänger kann mit seiner modernen Technik die Beschwerden objektivieren", sagt RP Ullrich.

Egal ob im freien Feld oder an einer großen Industrieanlage: die Überwachung ist nun 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche möglich. "Ich freue mich sehr, dass es gelungen ist, den Anhänger so zu optimieren, dass wir eine ganz neue Dimension der Überwachung anbieten können und nun technisch noch besser zur Lärmbekämpfung gerüstet sind", sagt der Regierungspräsident.

"Oftmals gaben die Bürgerinnen und Bürger zu bedenken, dass der Lärmpegel während unserer Messung nicht den tatsächlich sonst vorhandenen akustischen Belastungen entspricht", berichtet Abteilungsleiterin der Abteilung Umwelt Karin Ohm-Winter. Deshalb haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom zuständigen Dezernat für Immissionsschutz in eigener Regie die bereits vorhandene Messstation für die Anwendung in einem Messanhänger optimiert. Die Umbauten wurden dabei von den Sachbearbeitern des Lärm-Teams der Immissionsschutzdezernate vorgenommen.

Kompakt und bis ins Detail durchdacht bis hin zur Diebstahlsperre ist der Anhänger. Dieser ermöglicht nun eine Langzeitüberprüfung von Lärmbelastungen und höchste Flexibilität am Einsatzort. Eine Photovoltaikanlage versorgt die Messgeräte mit Strom. Um die Daten "just in time" auswerten zu können, wurde ein Modem installiert. Die Internetverbindung bietet zugleich eine gezieltere Analyse der akustischen Überwachung. "Die Digitalisierung ermöglicht es uns, in aktuelle laufende Messungen reinzuhören und sofort bei Bedarf zu reagieren. Dies bietet uns eine viel effizientere Lärmbekämpfung als zuvor", erläutert Dirk Meuser, Teamleiter im zuständigen RP-Dezernat.

Zeitgleich zur Messung des Lärms erfolgt eine Analyse der Wetterdaten, wie z. B. des Umgebungsdrucks, der Windgeschwindigkeit und -richtung sowie der Luftfeuchtigkeit und -temperatur. "Auch das Wetter hat einen enormen Einfluss auf die Lärmbelastung. Je nach Richtung des Windes kann diese sich verändern", sagt Dirk Meuser. Die Einsatzorte für den Lärmmessanhänger sind sehr verschieden: vom Industriegebiet bis zu Windkraftanlagen - die Digitalisierung und Technik lässt das RP nun ganz Ohr für alle möglichen akustischen Belastungen sein.

Nähere Informationen zum Lärmmessanhänger sind über das Dezernat 43.2 für Immissionsschutz zu erhalten. Ansprechpartner ist RP-Mitarbeiter Dirk Meuser (Tel. 0641 303-4421).

Infokasten:

Grundsätzlich gilt: Lärm soweit als möglich zu reduzieren. Deshalb wird jährlich am letzten Mittwoch im April der "Tag gegen Lärm" veranstaltet. Dieses Jahr steht er unter dem Motto: "Ich bin ganz Ohr". Das RP Gießen ist nicht nur in Sachen Lärmbelastungen im Immissionsschutz aktiv. Ein weiterer Schwerpunkt in der Mittelbehörde ist im Dezernat "Arbeitsschutz" angesiedelt. Dort wird ein Fokus auf die Lärmbelastung am Arbeitsplatz gelegt.

Ab einem Tages-Lärmexpositionspegel von 80 Dezibel muss etwa für die Beschäftigten ein geeigneter Gehörschutz als persönliche Schutzausrüstung zur Verfügung gestellt werden. Das RP Gießen rät dazu, bei der Auswahl auf eine ausreichende Dämpfung als auch entsprechende Trageeigenschaften zu achten. Zudem können lärmreduzierte Arbeitsmittel wie Maschinen und Anlagen, Lärmdämmende Schallschutzmaßnahmen (Schallschutzhauben, räumliche Abtrennung) und raumakustische Maßnahmen (Schallschutzdecke) dazu beitragen, Lärmbelastung zu verringern. © RP-Gießen