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Neue Studie: Steigende Rohstoffnachfrage durch Zukunftstechnologien

Deutsche Industrie sollte Rohstoff-Lieferketten nach Schwachstellen durchleuchten

Die Deutsche Rohstoffagentur (DERA) in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hat heute auf einer gemeinsamen Fachkonferenz mit dem Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) sowie dem Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration (IZM) eine neue Forschungsstudie zum wachsenden Rohstoffbedarf für Zukunftstechnologien vorgestellt.

Die im Auftrag der DERA von den Instituten ISI und IZM erstellte Studie „Rohstoffe für Zukunftstechnologien 2021“ kommt zu dem Ergebnis, dass der Rohstoffbedarf mit Blick auf die Zukunftstechnologien im Jahr 2040 bei insgesamt elf Metallen deutlich über dem
heutigen Produktionsstand liegen könnte. Das betrifft beispielsweise die Nachfrage für Lithium, die aufgrund des wachsenden Bedarfs nach Batterien für die Elektromobilität die heutige Produktion um das 5,9-fache übertreffen könnte. Bei Scandium, das für den Einsatz in der Wasserstofftechnologie benötigt wird, könnte der Bedarf sogar um das 7,9-fache über der aktuellen Produktion liegen. Auch Platin und Ruthenium, wichtig für die Produktion von Festplatten, zählen im Zeitalter der zunehmenden Digitalisierung zu den Metallen, die künftig stärker nachgefragt werden. Hier könnte die zukünftige Nachfrage die derzeitige Produktion um das 4,3- beziehungsweise 19-fache übersteigen. Bei Rohstoffen, die in wenigen Ländern produziert werden und deshalb eine hohe Angebotskonzentration im Markt aufweisen, könnte dies zu neuen Herausforderungen bei der Rohstoffversorgung führen. Hohe Angebotskonzentration haben beispielsweise neben den Platingruppenelementen auch Kobalt, das für Lithium-Ionen-Batterien benötigt wird, und Seltene Erden, die in der Elektromobilität und in Windkraftanlagen eingesetzt werden.

Für die Studie wurden die 33 wichtigsten Zukunftstechnologien untersucht. Kriterien bei der Auswahl der betrachteten Technologien waren der jeweilige Stand der Technik, die Marktreife und das Recyclingpotenzial. Hinterfragt wurde in unterschiedlichen Szenarien, welche Impulse eine künftige industrielle Nutzung von Zukunftstechnologien auf die Rohstoffnachfrage auslöst und auf welche Rohstoffe solche Innovationen besonders angewiesen sind.

„Mit der Energie- und Mobilitätswende wird der Bedarf an Metallen erheblich steigen“, erklärte der Leiter der DERA, Dr. Peter Buchholz bei der Vorstellung der Studie während einer Online-Konferenz in Berlin. „Für die Unternehmen ist daher ein gutes Rohstoffrisikomanagement wichtig. Sie sollten ihre gesamte Lieferkette für potenziell kritische Rohstoffe durchleuchten, Schwachstellen identifizieren und mit den Zulieferern Strategien erarbeiten, wie sie sich vor Ausfällen und starken Preisvolatilitäten schützen können“, betonte Buchholz. Vor allem strategische Partnerschaften mit Lieferanten sollten verstärkt werden. Gerade technologisch getriebene Nachfrageimpulse haben in der Vergangenheit zu starken Preisausschlägen bei mineralischen Rohstoffen geführt. In stark konzentrierten Rohstoffmärkten mit global wenigen Lieferanten können Produktionsausfälle zusätzlich auch schnell zu Lieferausfällen in der verarbeitenden Industrie führen.

Die Forschungsstudie, Bestandteil des DERA-Rohstoffmonitorings, leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Bewertung der zukünftigen Rohstoffnachfrage speziell bei neuen Technologien. Das Wechselspiel zwischen technologischem Wandel und Rohstoffbedarf spielt gerade für die von Rohstoffimporten abhängige deutsche Wirtschaft eine wichtige Rolle. © Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR)