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Neue Hinweise zur Entstehung des vereisten Kontinents

Antarktis-Expedition

Mit rund 7 Tonnen Probenmaterial im Gepäck sind jetzt Forscherinnen und Forscher einer von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) geleiteten Expedition aus der Antarktis zurückgekehrt.

Von der BGR-Antarktisstation „Gondwana“ aus untersuchte das Expeditionsteam entlang der Gletscher im Victoria-Land – rund 1700 Kilometer vom Südpol entfernt – die nicht vom Eis bedeckten Gesteine mit geologischen und geophysikalischen Methoden. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fanden weitere Puzzleteile zur Entstehungsgeschichte des heutigen Kontinents Antarktika.

Im Rahmen der Forschungsexpedition „GANOVEX XIII“ (13. German Antarctic North Victoria Land Expedition) suchten die Forscherinnen und Forscher nach geologischen Indikatoren, mit denen sich die Entstehung und das Auseinanderbrechen des südlichen Großkontinentes Gondwana zurückverfolgen lassen. Dessen Herzstück war bis vor etwa 180 Millionen Jahre die Antarktis, von der sich nach und nach Afrika, Indien, Australien, Neuseeland und Südamerika lösten. Das führte zur isolierten Position des Kontinents am Südpol. Die direkte Folge dieser Isolation ist die Entwicklung der heutigen Ozeanströmungssysteme, die um die Antarktis zirkulieren und die einen entscheidenden Einfluss auf das globale Klima haben.

Die knapp 14-wöchige Expedition lieferte wichtige Erkenntnisse zur Entstehungsgeschichte des antarktischen Kontinents. BGR-Expeditionsleiter Dr. Andreas Läufer: „Wir kennen bisher relativ gut die Entwicklung der Antarktis während der Bildung Gondwanas vor rund 500 Millionen Jahren, als im Victoria-Land ein Hochgebirge vergleichbar der Struktur der heutigen Anden bestand. Und wir wissen inzwischen noch genauer, wie die Antarktis nach der Loslösung von Australien in den vergangenen 100 Millionen Jahren zum eigenständigen Kontinent wurde. Unsere neuen Daten weisen eindeutig darauf hin, dass die Trennung der beiden Kontinente in mehreren komplexen Phasen erfolgt ist. Die Daten für die dazwischenliegenden 400 Millionen Jahre sind jedoch nach wie vor lückenhaft und bedürfen noch intensiverer Untersuchungen.“

Bei den Arbeiten standen dem Expeditionsteam zwei Helikopter zur Verfügung, mit denen die Forscherinnen und Forscher in das weitläufige Untersuchungsgebiet im Victoria-Land geflogen wurden. Um die komplexen geotektonischen Fragestellungen zu untersuchen, kam ein breites Spektrum geowissenschaftlicher Methoden zum Einsatz. Dazu gehörten insbesondere die Strukturgeologie, Geochronologie, Thermochronologie, Sedimentologie, Petrologie, Paläontologie sowie aerogeophysikalische Messungen.

Bei ihren Forschungsarbeiten untersuchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch die versteinerten Reste vergangener Wälder. „Dies ist ein Indiz dafür, dass die Antarktis vor rund 200 Millionen Jahren nicht der vereiste Kontinent war, wie wir ihn heute kennen“, erklärt Läufer. Durch diese Wälder streiften auch frühe Saurier, wie der erstmalige Fund eines versteinerten Fußabdrucks belegt, den das gleiche Team bereits bei der vorletzten Antarktis-Expedition der BGR gefunden hatte. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse aus dem handgroßen Fund sind jetzt im Fachmagazin „Polar Research“ in dem Beitrag „First evidence of a tetrapod footprint from the Triassic of northern Victoria Land, Antarctica“ veröffentlicht worden. Bei dem gefundenen Exemplar handelt es sich um den Fußabdruck eines Tieres aus der Gruppe der Archosaurier, deren Spuren in Deutschland als Chirotherium bekannt sind.

Das Probenmaterial von der aktuellen Expedition wird den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern weiterführende Erkenntnisse zum Bild der Ur-Antarktis liefern.

Weiterführende Informationen:

BGR-Antarktisforschung: https://www.bgr.bund.de/DE/Themen/Polarforschung/Antarktis/antarktis_node.html

Expedition „GANOVEX XIII“:

https://www.bgr.bund.de/DE/Themen/Polarforschung/Projekte/Antarktis_laufend/ganovex_13.html?nn=1541954

Polar Research: First evidence of a tetrapod footprint from the Triassic of northern Victoria Land, Antarctica: https://doi.org/10.33265/polar.v38.3438

© Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe