Springe zum Inhalt

Mutig sein und um die Ecke denken · Arbeitsvermittlerin gibt Tipps für die erfolgreiche Arbeitsuche · Brückenbauen, Netzwerken, Kreativität und Leidenschaft sind Erfolgsfaktoren

Warum manche Arbeitslose trotz gleicher Eignung bei der Stellensuche schneller und erfolgreicher sind, als andere, erläutert Jeanette Karger, Arbeitsvermittlerin der Arbeitsagentur Limburg-Wetzlar im folgenden Interview:

Frau Karger, warum finden manche Arbeitslose schneller Arbeit, als andere?

Karger: Zeit, Datenqualität, Netzwerke und Kreativität sind wesentliche Erfolgskriterien. Außerdem klappt der Wiedereinstieg besser, wenn man weiß, wie Arbeitgeber bei der Bewerbersuche ticken.

Bitte erklären Sie den Faktor Zeit näher.

Karger: Grundsätzlich gilt: Je länger man arbeitslos ist, umso schwieriger gelingt der Einstieg bei einem Arbeitgeber. Deswegen macht es Sinn, nicht mit der Arbeitsuche zu warten, bis man arbeitslos ist, sondern bereits aktiv zu werden, sobald man mit dem Job unzufrieden ist oder von der Kündigung erfährt. Spätestens nach der telefonischen oder persönlichen Arbeitssuchendmeldung, sollte man sich intensive Gedanken über die berufliche Zukunft machen und damit nicht bis zum Erstgespräch beim Vermittler warten.

Was sollte ein Arbeitsloser bis zum ersten Vermittlungsgespräch tun?

Karger: Je mehr und detailliertere Informationen ich bereits vor dem Erstgespräch habe, umso besser kann auch ich mich auf das Gespräch vorbereiten. Bereits bei der Anmeldung werden die Rahmendaten im Bewerberprofil festgehalten. Dieser Datensatz steht dann schon unseren Vermittlern zur Verfügung und wird später in der Jobbörse veröffentlicht, so dass dann auch Arbeitgeber direkt suchen können. Jeder Arbeitslose erhält sofort schreibenden Zugriff auf dieses Profil. Ich kann nur jedem Kunden empfehlen, das Profil sofort aufzurufen und den beruflichen Werdegang sowie die eigenen Kenntnisse ausführlich zu bearbeiten. So können wir schon konkrete Vermittlungsvorschläge machen, bevor das erste Gespräch stattfindet. Wer sich das alleine nicht zutraut, kann das auch ohne Voranmeldung assistiert in unseren Eingangszonen erledigen. Es kommt durchaus vor, dass Arbeitslose durch schnelle und ausführliche Dateneingaben schon vor dem Vermittlungsgespräch Arbeit aufnehmen.

Welche Informationen wünschen Sie sich als Vermittlerin von Ihren Kunden?

Karger: Ich möchte wissen, was mein Gegenüber im Job ausgezeichnet hat, welche Stärken er mitbringt, was er in seiner Freizeit macht, ob er Ehrenämter ausübt und in welchen privaten oder beruflichen Netzwerken er unterwegs ist. Dabei ist es ausdrücklich erwünscht, mal um die Ecke denken, welche Tätigkeiten man sich mit seinen individuellen Fähigkeiten und Vorlieben auch vorstellen kann. Das Modell "einmal Buchhalter, immer Buchhalter" funktioniert heute so nicht mehr.

Das hört sich recht abenteuerlich an .

Karger: . ist es aber nicht, wenn man die Prozesse am Arbeitsmarkt kennt. Nur ein Drittel aller zu besetzenden Stellen werden bei der Arbeitsagentur gemeldet oder im Internet sowie in Zeitungen veröffentlicht. Demgegenüber suchen aber 95 Prozent der Arbeitslosen über diesen konventionellen Ansatz nach offenen Stellen. Die anderen zwei Drittel der vakanten Arbeitsplätze -wir nennen das den verdeckten Arbeitsmarkt- werden betriebsintern, über Mund-zu-Mund-Propaganda durch Empfehlungen sowie über private oder ehrenamtliche Netzwerke besetzt. Bevor ein Arbeitgeber eine Stelle veröffentlicht, hat er sich bereits ausführlich im eigenen Betrieb, Sportverein, Fitness-Center, Lions Club oder in berufsständischen Verbänden umgehört. Leider versuchen nur fünf Prozent der Arbeitsuchenden mit hoher Intensität über diese Wege einen Job zu finden. Arbeitgebern geht es meist nicht vorrangig um formale Qualifikationen und passgenaue Berufsbezeichnungen, als vielmehr um Leidenschaft und Kreativität. Mir fällt da spontan ein Zweiradhändler ein, der als Verkäufer keinen Kaufmann, sondern einen begeisterten Radfahrer eingestellt hat. Der junge Mann liebt das Radfahren, kennt das Metier, kann überzeugend beraten und verkaufen. Wenn man weiß, dass Arbeitgeber einer schriftlichen Bewerbung im Schnitt nur rund dreißig Sekunden widmen, sollte man dringend über Alternativen nachdenken.

... also eingefahrene Wege verlassen und kreativ sein?

Karger: Ja, vor allem achtsam sein und Brücken bauen. Das persönliche Umfeld beobachten, viele Gespräche führen und sich selbst ins Gespräch bringen; offen mit der eigenen Arbeitsuche umgehen. Wenn Freunde und Vereinskollegen wissen, dass man einen neuen Job sucht, sind diese die besten Multiplikatoren und Referenzen. Dabei kommt auch den sozialen Netzwerken eine immer größere Bedeutung zu. Wer kreativ ist, der soll auch mutig sein. Einfach mal als Altenpflegerin das Sommerfest einer Einrichtung besuchen und mit einer Kurzbewerbung in der Hand den Dialog mit der Heimleitung suchen. Selbst wenn dort aktuell kein Personalbedarf besteht, erinnert man sich bei der nächsten Vakanz an die Unterlagen im Schreibtisch und das entspannte Gespräch im Park. Wichtig ist aber auch hier, dass das Auftreten und der Stil zu einem selbst passen.

© Agentur für Arbeit Limburg-Wetzlar