Springe zum Inhalt

Mit dem Pestdoktor durch Limburg

Das Glöckchen kündigt ihn an, dann kommt er schon um die Ecke auf die Plötze. Er ist komplett in schwarz gekleidet mit Abstandsstock, Hut, Umhang, Handschuhen, Schnabelmaske: Der Pestdoktor. Mit seiner Schnabelmaske gilt er als Symbol für die Krankheit Pest, auch schwarzer Tod genannt.
Unter der Maske steckt Winfried Prokasky, der seit 16 Jahren mit Leib und Seele Stadtführer beim Limburger Verschönerungsverein ist. Anlass ist der Premierenlauf der Pestführung durch Limburg. Fast jedes Jahr wird eine neue Themenführung im Programm des Verschönerungsvereins aufgenommen und dieses Mal lässt sich vor allem durch die Corona-Pandemie ein aktueller Bezug finden. Der Startpunkt der anderthalbstündigen Führung liegt an der Plötze und führt am historischen Rathaus, der Statue „Die Tanzenden“ vorbei, über den Domberg und hin zur Stadtkirche. Erarbeitet hat Winfried Prokasky die Führung anhand der Limburger Chronik des Tileman Elhen von Wolfhagen.
„Der Job als Pestdoktor war sehr gefährlich für die eigene Gesundheit. Deswegen ist die Schutzkleidung besonders wichtig gewesen“, beginnt Winfried Prokasky seine Führung. Die Kleidung war komplett geschlossen, die Nähte waren gewachst. In der Maske sollten Melisse, Minze und ein Schwämmchen mit Essig vor einer Ansteckung schützen, sagt Winfried Prokasky. Zusätzlich waren die Augen der Maske mit Glas ausgestattet, da man früher davon ausging, dass auch eine Übertragung der Krankheit durch den „bösen Blick“ erfolgen konnte. Die Krankheit greift Lymphknoten und Lunge an und führte früher in den meisten Fällen zum Tod. Noch heute gibt es die Krankheit in einigen Ländern der Welt.
Grundsätzlich gab es damals drei verschiedene Ansätze, um die Ausbrechung der Pest zu erklären, sagt Winfried Prokasky. Zum einen war der Gedanke verbreitet, dass die Menschen so gesündigt hatten, dass sie die Krankheit eine Strafe Gottes ansahen. In dieser Vorstellung wurden Pestpfeile aus dem Himmel auf die Erde geschickt. Andererseits erklärten die Menschen sich die Verbreitung der Krankheit durch krankheitsauslösende Stoffe in der Luft, die sogenannten Miasmen. Diese sollten unter anderem durch bestimmte Planetenkonstellationen oder Erdbeben freigesetzt werden. Schlussendlich gab es noch die Aussage, wonach die Juden die Brunnen vergiftet haben sollten. Die Gewalt gegen die Juden entbrannte und unzählige Juden wurden 1350 erschlagen und verbrannt.
Während der Führung durch die Altstadt stellt Winfried Prokasky immer wieder den Bezug zur aktuellen Corona-Pandemie her. So sollte schon damals durch den Abstandsstock des Pestdoktors der Sicherheitsabstand eingehalten werden, um eine direkte Ansteckung zu vermeiden. Auch waren Institutionen wie die Kirche geschlossen und es galt eine strenge Ausgangssperre zum Schutz der Bevölkerung. „Es gab zahlreiche Verschwörungstheorien. Die Pest sollte immer jemand anderen zugeschrieben werden. Dies sehen wir jetzt auch am Begriff „Chinavirus“, wie Donald Trump es nennt“, verdeutlicht der Stadtführer.
Winfried Prokasky präsentiert in der Führung auch Zahlen zur Pest. Die erste große Sterbewelle begann im Jahr 1349. Ein Drittel der Bevölkerung Europas, rund 25 Millionen Menschen, verstarb an der Pest. Eine zweite Welle mit zahlreichen Toten folge bereits sieben Jahre später.
Die Sterberate durch die Krankheit lag bei 90 Prozent, innerhalb von wenigen Tagen oder auch nur Stunden trat der Tod ein. „Man kann mittags mit Freunden speisen und abends mit seinen Ahnen am Tisch sitzen“, zitiert hierzu der Stadtführer den italienischen Dichter Boccaccio.
Die erste öffentliche Pestführung findet am Freitag, 25.September statt. Der Treffpunkt ist um 16 Uhr an der Plötze. Die Teilnahme an der Führung kostet acht Euro, für Kinder vier Euro. Eine Anmeldung ist erforderlich bei der Tourist-Info unter der Telefonnummer 06431 6166 oder der E-Mail-Adresse touristinfo@stadt.limburg.de. Dabei müssen Namen und Adresse hinterlegt werden. An der Führung teilnehmen können maximal 15 Personen. Das Tragen einer Maske ist verpflichtend und der Mindestabstand von 1,50 Metern muss eingehalten werden. © Stadt Limburg