Springe zum Inhalt

Magnetangeln kann lebensgefährlich sein– Erlaubnis notwendig

Gefahr durch Munition oder Blindgänger nicht zu unterschätzen – Immer ein Eingriff in die Natur – Erlaubnis notwendig

Gießen. Rostige Fahrräder, Blechdosen, alte Radios oder sogar Einkaufswagen: In Hessens Flüssen und Bächen schlummert gar manches, was dort nicht hineingehört. Magnetangeln erfreut sich daher zunehmender Beliebtheit, nicht nur aus Naturschutzgründen. Zahlreiche Anfragen bei Landkreisen und Kommunen in den vergangenen Wochen, die schließlich bei der Oberen Wasserbehörde beim Regierungspräsidium Gießen (RP) landeten, bestätigen das. „Bei dieser Art von Hobby ist allerdings Vorsicht geboten und einiges zu beachten“, sagt der Gießener Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich. Zum einen kann es lebensgefährlich sein. Denn in den Gewässern können sich Waffen, Munition oder gar scharfe Granaten aus dem Zweiten Weltkrieg befinden, die bislang nicht sicher geborgen wurden. Zum anderen – und das ist oftmals nicht bekannt – bedarf das Magnetangeln einer Erlaubnis durch die Obere Wasserbehörde.

„Wer gerne mithilfe starker Magnete alte Räder, Schätze gleich welcher Art, Elektroschrott oder auch mal ein reingefallenes Handy aus Lahn, Dill oder Ohm holen will, muss zunächst bei der Oberen Wasserbehörde grünes Licht einholen. Nur, wenn Zeit und Ort, Art und Weise sowie Dauer in Ordnung und geklärt sind, kann es losgehen“, betont Dezernatsleiter Dirk Wamser. Ziel der Prüfung durch das RP ist es vor allem, Gefahren sowohl für die Anglerinnen und Angler als auch für Tiere und Pflanzen auszuschließen.

Bevor es eine Erlaubnis seitens der Behörde gibt, muss zum Beispiel anhand von Karten des Kampfmittelräumdienstes geprüft werden, ob in dem betroffenen Bereich mit Gefahren durch Munition oder Blindgänger zu rechnen ist. Berücksichtigt werden muss außerdem, dass bei Fundsachen nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch oberhalb der Bagatellgrenze von zehn Euro Anzeige-, Verwahrungs- und Ablieferungspflichten bestehen. Darüber hinaus müssen unter Umständen Funde gemäß des Hessischen Denkmalschutzgesetzes angezeigt werden. Denn: Bei Gegenständen, die dem „Schatzregal“ nach Paragraf 25 dieses Gesetzes unterliegen, erwirbt das Land Hessen mit dem Auffinden Eigentum daran. Grundsätzlich festzuhalten ist daher: Gefundene Gegenstände fallen nicht automatisch ins Eigentum des Magnetanglers.

Wichtig zu wissen ist auch, dass das Magnetangeln ein Eingriff in die Natur und das biologische Gleichgewicht im Gewässer ist. „Wer mit Magneten durch das Unterholz oder die Uferzonen zieht und dabei Vögel bei der Brut oder Fische beim Laichen stört, hat leicht – auch ohne es zu wollen – einen erheblichen Schaden in der Natur angerichtet“, betont Dezernatsleiter Wamser.

Eine Erlaubnis zum Magnetangeln gilt in der Regel für einen befristeten Zeitraum und nicht nur einmalig – es sei denn, es wird so beantragt. Die Kosten richten sich nach dem Zeitaufwand für die Prüfung. Weitere Informationen gibt es bei der Oberen Wasserbehörde beim RP Gießen. Ansprechpartnerin Martina Wiegand ist zu erreichen unter 0641 303-4161 oder per E-Mail an martina.wiegand@rpgi.hessen.de. © RP-Gießen