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LM: Irene Rörig in den Ruhestand

„Es war mein Traumjob“
Sie hat mehr als 30 Jahre im Kulturamt der Stadt Limburg gearbeitet und es über 20 Jahre geleitet. Nun geht Irene Rörig in den Ruhestand. Ihre Nachfolge übernimmt die 35-Jährige Bonnerin Anna Vössing, die seit Anfang Mai von Irene Rörig eingearbeitet wird.
Fragt man Irene Rörig, was ihr in 30 Jahren Arbeit im städtischen Kulturamt besonders in Erinnerung geblieben ist, antwortet sie zunächst ganz kurz: „Es gab viele tolle Erinnerungen.“ Einen Augenblick später sprudelt es nur so aus ihr heraus und sie beschreibt wie die Rathaushalle mit einem Band aus rotem Teppich ausgelegt wurde, um die Raumkunst von Saeed Foroghi zu zeigen. Sie erzählt von Elvira Bach, die 2016 als einzige Person jemals in den Kunstsammlungen rauchen durfte. Sie erinnert sich auch an Klaus Panzer, der zum Freund geworden ist und ihr sogar beim Streichen einer Wand in ihrer Wohnung geholfen hat. Auch ein trauriges Erlebnis ist Irene Rörig noch gut in Erinnerung: Der Karikaturist Horst Heiziger ist drei Wochen vor der Ausstellungseröffnung gestorben. Die Ausstellung wurde dann dennoch mit sehr viel Feingefühl ausgerichtet.
„Es war mein Traumjob“, sagt Irene Rörig, die eigentlich Kunst und Geschichte auf Lehramt studierte und eine Karriere in der Schule angestrebte. Aufgrund des Einstellungsstopps für Lehrer in den Achtzigerjahren kam sie zur Stadtverwaltung Limburg und inventarisierte als Aushilfsjob zunächst Werke aus der Stiftung Ernst Moritz Engert. Der Scherenschnittkünstler ist derjenige, der den Anstoß für die stadteigenen Kunstsammlungen und auch das Ausstellungshaus gab. Seine Stiftung hinterließ der Stadt einen Teil seines Lebenswerks und knüpfte daran die Bedingung, es auf Dauer der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Irene Rörig ist besonders stolz darauf, Engert noch persönlich kennengelernt zu haben. „Es war mein erstes Jahr bei der Stadt und der Bürgermeister nahm mich mit zu seinem 93. Geburtstag“, sagt Rörig und erinnert sich an den alte Mann mit langem, weißen Bart, der auf Latein rezitierte. „Als er sich aus dem Sessel schälte und mit seinen zwei Metern Gestalt vor mir stand war das schon beeindruckend“, sagt Irene Rörig.
Schnell wurde Irene Rörig der Aufbau der städtischen Kunstsammlungen und Einrichtung des Ausstellungshauses im Historischen Rathaus am Limburger Fischmarkt anvertraut. „Das Forschen, Sammeln und Ordnen machte mir Spaß, aber die Begegnung mit den unterschiedlichen Künstlerinnen und Künstlern waren die Highlights meiner Arbeit“, sagt Irene Rörig. Auch zeitgenössischen Künstlern gab sie Raum in den Kunstsammlungen. Mit der Ausschreibung des Kunstpreises im Jahr 1996 erregten die Limburger Kunstsammlungen dann bundesweit Aufmerksamkeit, nicht nur weil der Preis mit 10.000 DM dotiert war, sondern auch durch den besonderen Charme der Ausstellungsräume, die durch ihre unterschiedlichen Größen und Formen flexibel genutzt werden können. Viele namhaften Künstler hat dies nach Limburg gelockt, darunter Ottmar Alt, Bodo Rott, Gerhard Glück und Michi Schmitt.
Mit der Verleihung des Kunstpreises verband Irene Rörig aber auch weitere Veranstaltungen wie Workshops, Vorträge, Führungen und Mitmachangebote für Schulen. „Damit konnten wir ein neues Publikum gewinnen“, sagt Irene Rörig.
Besonders angezogen wurde das Publikum auch von der neuen Außengestaltung der Kunstsammlungen im Jahr 2017. Damals wurde eine Holzverkleidung vor die Fassade des Ausstellungshauses gebaut, auf der sich bereits ankündigte, was die Besucherinnen und Besucher im Inneren erwartetet. Ein Schriftzug mit dem Titel der Ausstellung und Bilder der Künstler waren dort abgebildet. „Auch viele Einheimische wurden dadurch erstmals auf die Ausstellungen aufmerksam und die Besucherzahlen sind angestiegen“, sagt Irene Rörig. Dauerhaft durchsetzen konnte sich diese Form der Werbung jedoch nicht.
Neben der Kunst widmete sich Irene Rörig auch der Literatur und etablierte den Hans-im-Glück-Preise für Jugendliteratur in Limburg. Der Preis wurde 1977 von dem Schriftsteller Hans-Christian Kirsch zusammen mit seiner Frau Elinor Kirsch gestiftet und zehn Jahre später von der Stadt Limburg übernommen. Gestärkt wurde die Säule Literatur 2003 mit der Einführung des Limburger Lesedoms, bei dem nationale und regionale Autoren aus ihren Werken lesen. Besonders in Erinnerung geblieben ist Irene Rörig der Lesedom mit Autorin Lea Singer alias Eva Gesine Baur. In ihrem Roman „Verdis letzte Versuchung“ ging es um den italienischen Komponisten Verdi und passend dazu engagierte Irene Rörig einen Tenor, der Verdi-Arien sang.
Als Mitveranstalter für den Lesedom konnte Irene Rörig von Beginn an die Dombibliothek gewinnen. Aus der guten Zusammenarbeit entwickelte sich schließlich auch unter Irene Rörigs Einfluss eine Mitträgerschaft der Stadt an der öffentlichen Bibliothek.
Unterstützt wurde Irene Rörigs Projekte im Kulturamt stets von unterschiedlichen Sponsoren. Ein Begleiter der Arbeit ist von Beginn an der Förderkreis Bildende Kunst Limburg, der 1980 als Förderverein für die städtischen Kunstsammlungen gegründet wurde und seitdem jede Ausstellung mitausrichtet. Auch mit dem Kunstverein LahnArtits arbeitete Irene Rörig oft und gerne zusammen. Die Künstlergruppe richtet jedes Jahr ihre Jahresausstellung in den Kunstsammlungen aus und stellt gemeinsam mit dem Kulturamt ein Programm für den Internationalen Museumstag auf die Beine.
Für das kulturelle Lebens Limburgs wünscht sich Irene Rörig auch weiterhin das Engagement von Vereinen und Stadt: „Die unschätzbare Arbeit der Vereine sollte auch in Zukunft eine tragende Säule für das kulturelle Leben Limburgs sein.“ Im Limburger Kulturamt sieht sie darüber hinaus eine gewisse Kontinuität mit dem Ausstellungshaus und der Kulturförderung. Gleichzeitig sei seine Arbeit variabel, mit der Unterstützung von Sponsoren einzelne Angebote und Projekte umzusetzen, beispielsweise der Skulpturenpfad am Lahnufer.
Bürgermeister Dr. Marius Hahn dankt Irene Rörig für ihre langjährige Arbeit und das damit verbundene Engagement: „Irene Rörig hat Limburg kulturell weiterentwickelt, vieles bewegt und Farbtupfer hinterlassen.“ © Stadt Limburg