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Limburger Magistrat besucht Ausstellung über Flüchtlingscamp Moria im Kalkwerk

Zeugnisse der Not und des Elends
Limburger Magistrat besucht Ausstellung über Flüchtlingscamp Moria im Kalkwerk

Not und Elend in den verschiedenen Flüchtlingslagern bestehen weiter fort, auch wenn die Bilder seltener geworden sind. Das hat viel mit der Konzentration auf die Corona-Pandemie zu tun. Not, Elend, Verzweiflung, kurze Augenblicke des Lachens, des Trostes, all dies hat die Fotografin Alea Horst auf ihren Bildern festgehalten. Mehr noch, sie war in den Lagern als Helferin engagiert. Ihre Bilder sind Bestandteil einer Aktion in Diez unter dem Titel „Die Vergessenen – eine Stadt schaut hin“. Einbezogen in das Projekt ist auch das alte Kalkwerk mit seinen Gebäuden auf Limburger Gemarkung. Dort haben sich Mitglieder des Limburger Magistrats nun Videos, Bilder, Arrangements angesehen.

Der Besuch geht auf eine Anregung von Bürgermeister Dr. Marius Hahn zurück, der sich die Ausstellung und das Projekt schon einmal angeschaut hatte. „Das sind Bilder voller Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit. Es sind Bilder aus Europa, nicht aus einem entlegenen Winkel der Welt“, stimmte Hahn die Besucher auf das ein, was sie anhand von Videos und Bildern zu sehen bekommen. „Wir tun nicht unser Bestes. Das reiche Europa könnte viel mehr tun, um die Not der Flüchtlinge zu lindern und eine angehend humane Versorgung ermöglichen“, verdeutlichte Rebecca Lefèvre, die die Aktion „Die Vergessenen“ mit organisierte.

In der Kalkwerk-Halle befinden sich Schuhe und Kleidungsstücke auf dem Boden, ein Schlauchboot ist dort, Kerzen sind in dem abgedunkelten Raum angezündet, großformatige Fotos aus den Lagern begrenzen den Raum und vorne an der Wand laufen über zwei große Bildschirme Videos ein oder zeigen Fotos das Elend und die Not der Flüchtlinge. Alea Horst hat die Aufnahmen gemacht. Die Fotografin aus Reckenroth (Verbandsgemeinde Aar-Einrich im Rhein-Lahn-Kreis) besucht die Lager jedoch keineswegs nur als Fotografin, sondern auch als Aktivistin, die sich als ehrenamtliche Helferin immer wieder engagiert.

Kein Wunder daher, dass Bürgermeister Hahn die Bilder, Aufnahmen und Schilderungen von Alea Horst als sehr authentisch beschreibt. Bis zum Jahr 2015 war sie „nur“ Fotografin, doch dann kam die sogenannte Flüchtlingskrise, die viele Menschen an die Grenzen Europas förmlich anspülte, Bomben fielen auf die Bevölkerung in Syrien und Alea Horst fragte sich, wie sie sich da einbringen kann. Und dann stellte sie sich als Nothelferin Hilfsorganisationen zur Verfügung.

„Die Zustände in den Flüchtlingslagern haben mich total schockiert. Es gab Tage, da kamen 1000 Menschen an und mussten in Container eingepfercht werden. Da sind auch Kinder erfroren, weil es keinen Platz mehr gab“, erzählt sie. Von einem Ort oder einem in Europa liegenden Camp hatte sie so etwas nicht erwartet. Fünf Jahre später war sie wieder im Camp Moria. „Da waren immer noch die gleichen Zustände. Viel zu viele Menschen auf dem Gelände, katastrophale hygienische Zustände und Väter, die darüber klagen, dass sie ihre Kinder nicht schützen können“, berichtet Alea Horst vor der Halle, in der sich die Ausstellung befindet.

Besonders kritisch bewertet Alea Horst die nach ihrer Einschätzung systematische Verhinderung konkreter Hilfe durch Behörden und staatliche Stellen vor Ort. Für die Menschen im Lager von Lesbos habe sie über Spenden 500 Wärmflaschen besorgt. „Doch ich bin mit diesen Wärmflaschen nicht in das Lager hereingelassen worden“, erzählt sie beim Besuch von Mitgliedern des Limburger Magistrats.

Die Ausstellung im Kalkwerk über das Flüchtlingslager Moria als Teil des Gesamtprojekts „Der Vergessenen – eine Stadt schaut hin“ ist ein gefördertes Projekt der Partnerschaft für Demokratie Limburg, die im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!" durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unterstützt wird. Die Veröffentlichung stellt keine Meinungsäußerung der Fördermittelgeber dar. Für inhaltliche Aussagen tragen die Autorinnen und Autoren die Verantwortung.

Bürgermeister Dr. Hahn verwies bei dem Besuch der Ausstellung nicht nur auf das Erstaufnahmelager, das sich 2015/16 über mehrere Monate in Staffel befand, sondern auch auf die noch neun vorhandenen Gemeinschaftsunterkünfte in der Stadt, in der sich aktuell über 200 Geflüchtete befinden. Und seit 2015 haben in Limburg auch viele Menschen, die ihre Heimat wegen Krieg, Dürre, Zerstörung, Verfolgung und mehr verlassen mussten, eine neue Heimat gefunden.

Das Projekt „Die Vergessenen – eine Stadt schaut hin“ mit den Themenbereichen Kinder in Not, Flucht sowie Pflegen, Leben, Sterben endet am Samstag, 3. Juli, mit einem Abschlussfest, Beginn 17 Uhr, auf dem Diezer Marktplatz. Die Ausstellung im Kalkwerk kann noch bis 11. Juli besucht werden freitags von 17 bis 20 Uhr, samstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr. © Stadt Limburg