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Limburger Hans-im-Glück-Preis für Sprache, die in Bann zieht

Sarah Jäger ist die Trägerin des Limburger Hans-im-Glück-Preises für Jugendliteratur des Jahres 2022. In den Kunstsammlungen der Stadt überreichte Bürgermeister Dr. Marius Hahn den Preis begleitet von drei Besonderheiten.

Zum ersten Mal in der Geschichte des Preises hat die Jury gleich zwei Werke einer Autorin ausgelobt, zum anderen ist zum ersten Mal die bisher mit der Preisverleihung versehene goldene Kugel durch ein Werk der Glasfachschule in Hadamar (Schreibfeder und Tintenfass aus Glas) ersetzt worden und schließlich wurde auch noch die Auszeichnung von Lisa Krusche „nachgeholt“, die vor zwei Jahren den Preis gewann und aufgrund der Corona-Pandemie auf eine feierliche Verleihung verzichten musste.

„Die Preisträgerin Sarah Jäger hat viel Zeit und Kraft für ihre Werke eingesetzt, das ist mit jedem Satz zu lesen“, würdigte Bürgermeister Dr. Marius Hahn die beiden von der Jury ausgezeichneten Bücher, wobei der Hans-im-Glück-Preis für das Buch „Nach vorn, nach Süden“ verliehen wurde. „Die Sprache von Sarah Jäger ist es, die uns in Bann gezogen hat“, lobten denn auch Dr. Stefan Hauck und Ralf Schweikart die Werke im Namen der Jury.

Doch nicht nur in ihren Werken nimmt sich Sarah Jäger viel Zeit und investiert Kraft, das ist selbst bei ihren Widmungen in den Büchern so, hat Hahn beobachtet, der der Preisträgerin die herzlichen Glückwünsche der städtischen Gremien überbrachte. Während der Preisverleihung waren diese durch Stadtverordnetenvorsteher Stefan Muth vertreten. Dank sagte der Bürgermeister auch Christine Steen vom Rowohlt-Verlag, der das preisgekrönte Werk inzwischen als Buch veröffentlicht hat.

Und nicht zuletzt galt der Dank des Limburger Bürgermeisters auch der fünfköpfigen Jury, die in den zurückliegenden Jahren mit ihren Entscheidungen und der Auswahl aus den eingereichten Werken erreicht habe, dem Hans-im-Glück-Preis eine unverwechselbare Gestalt in der deutschsprachigen Literaturszene zu geben.

Seit 45 Jahren werde der Preis, der auf den Autor Hans-Christian Kirsch und seine Frau zurückgeht, bereits verliehen und habe in all den Jahren so manche Wandlung mitgemacht. Doch die Ausrichtung und der ursprüngliche Geist, unbekannte Autorinnen und Autoren zu unterstützen und eine Literatur für junge Menschen zu fördern, sei dabei immer bewahrt worden.

Dr. Stefan Hauck und Ralf Schweikart blieb es vorbehalten, die Entscheidung der Jury zu begründen. Nicht nur die Sprache von Sarah Jäger ist es dabei, die besonders gelobt wurde, sondern auch die erkennbare und lesbare Lebenserfahrung der Autorin, die in Call-Centern gearbeitet habe, als Buchhändlerin Erfahrung sammelte und als ausgebildete Theaterpädagogin viele Berührungspunkte mit Jugendlichen habe. „Die Figuren von Sarah Jäger tasten sich vorsichtig ab und ihre komplexen Beziehungen werden dabei langsam sichtbar. Dabei überrascht und berührt die Sprache immer wieder“, machten die Juroren deutlich.

Außergewöhnlich ist dabei auch, wo die Preisträgerin ihre Geschichten verortet, im prekären Umfeld. Ihre jugendlichen Figuren müssen jobben, um sich eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. „Sarah Jäger findet und erfindet passende Worte. Auch wenn es von ihr benutzte Begriffe so gar nicht gibt, klingen sie doch authentisch, sind glaubwürdig“, so die Vertreter der Jury, der neben Hauck und Schweikart noch Jutta Bummel, Gabriele Fachinger und Jutta Golz angehören.

Der Hans-im-Glück-Preis ist mit 3500 Euro dotiert und wird alle zwei Jahre im Wechsel mit dem Limburger Kunstpreis verliehen. Vor zwei Jahren war Lisa Krusche Trägerin des Preises, allerdings war eine feierliche Preisvergabe aufgrund der Corona-Pandemie nicht möglich. Lisa Krusche ist aktuell zu Gast beim Limburger Lesedom und liest in zwei Limburger Schulen. In den Kunstsammlungen holte die Jury die Preisverleihung quasi nach. Nach Einschätzung der Jury ist die Preisträgerin des Hans-im-Glück-Preises des Jahres 2020 inzwischen eine ernst zu nehmende Stimme in der deutschsprachigen Literaturszene geworden.

Nach Angaben von Dr. Anna Vössing, Leiterin des Limburger Kulturamts, hatten für den Hans-im-Glück-Preis 2022 fast 100 Autorinnen und Autoren Bücher und Manuskripte eingereicht. Nach ihrer Einschätzung ist das ein deutlicher Hinweis für das Interesse an dem Preis.

Die aktuelle Preisträgerin Sarah Jäger stellte in der WERKStadt Lounge im Rahmen des Limburger Lesedoms ihr preisgekröntes Buch „Nach vorn, nach Süden“ vor. Rund 60 Schülerinnen und Schüler der 9. und 10. Klasse der Goethe-Schule und der Fürst-Johann-Ludwig-Schule nahm die Autorin dabei mit bei ihrem Roadmovie, in dem eine Clique von Jugendlichen aufbricht, um einen Freund zu suchen, der sich vor einem halben Jahr verabschiedet hat und nur ab und an von unterwegs eine Karte schickt. © Stadt Limburg