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„Kein noch so gutes Schulbuch ersetzt die bewegenden Schilderungen eines Zeitzeugen“

Kultusstaatssekretär Lösel eröffnet Ausstellung über den Holocaust-Überlebenden Leon Weintraub

„Irgendwann einmal wird es keine Zeitzeugen mehr geben, die über die Schrecken der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft berichten können“, erklärte Kultusstaatssekretär Dr. Manuel Lösel gestern anlässlich der Ausstellungseröffnung über den Holocaust-Überlebenden Leon Weintraub im Haus der Weiterbildung der Diözese Fulda.
„Umso wichtiger ist es, die Erfahrungen von Menschen wie Leon Weintraub für die Nachwelt aufzubewahren und jungen Menschen zugänglich zu machen. Denn nichts wiegt schwerer als das Vergessen des Unrechts, das Deutschland den Völkern Europas während des Zweiten Weltkriegs angetan hat.“
„Leon Weintraub – Zeitzeuge gegen das Vergessen“
Der Mediziner Dr. Leon Weintraub wurde 1926 in Lodz als jüngstes Kind einer polnisch-jüdischen Familie geboren. Nach dem Einfall der Wehrmacht in Polen wurde die Familie in das Ghetto Litzmannstadt gebracht und im August 1944 nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Weintraub gelang die Flucht, indem er sich unbemerkt einem Gefangenentransport ins Konzentrationslager Groß-Rosen anschließen konnte. Nach weiteren Stationen in Konzentrationslagern gelangte er kurz vor Kriegsende ins französisch besetzte Donaueschingen. Zum 72. Jahrestag der Befreiung kehrte er nach Auschwitz zurück. Weintraub ist verheiratet und lebt in Schweden.
Stationen im Leben des ehemaligen KZ-Häftlings
Unter dem Motto „Leon Weintraub – Zeitzeuge gegen das Vergessen“ beleuchtet die Ausstellung wichtige Stationen im Leben des ehemaligen KZ-Häftlings, der Zeit seines Lebens immer wieder Schulen besuchte und über sein Schicksal berichtete. Der Direktor des Hauses der Weiterbildung, Gunter Geiger, dankte Weintraub dafür, dass er zur Ausstellungseröffnung eigens aus Schweden angereist war, und ging näher auf die Ausstellung und das unter der Regie der Filmemacherin Sonja Toepfer entstandene Filmprojekt über Weintraub ein: „In den 16 Jahren als Direktor der Katholischen Akademie ist dieses Projekt über die Persönlichkeit und das Leben Leon Weintraubs das spannendste, was ich bisher begleiten durfte. Wir sind sehr dankbar dafür, dass wir Frau Toepfer für die Umsetzung des Films und die Realisierung der Ausstellung gewinnen konnten. So können wir die Erfahrungen Weintraubs auch für künftige Generationen erfahrbar machen.“ Das Land fördert die Ausstellung mit insgesamt 2.000 Euro.
Schicksale zugänglich machen
„Es gibt für Schülerinnen und Schüler kein noch so gutes Schulbuch, das derart im Gedächtnis bleibt wie die Schilderungen von Menschen, die die Gräuel der NS-Zeit am eigenen Leib erfahren mussten“, so Lösel. „Auch wenn die Verbrechen millionenfach begangen wurden, so ist doch jedes Schicksal einmalig. Deshalb ist es so wichtig, diese Schicksale auch nach dem Tod der letzten Zeitzeugen digital und in Ausstellungen zugänglich zu machen. Ich danke Ihnen, lieber Herr Dr. Weintraub, im Namen der gesamten Landesregierung von Herzen dafür, dass Sie junge Menschen an Ihren Erfahrungen teilhaben lassen und dadurch dazu beitragen, dass sich die Verbrechen der Vergangenheit nie mehr wiederholen“, hielt der Staatssekretär abschließend fest. © Hessisches Kultusministerium