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Jörg Sauer macht auf Kontrollen der braunen Tonnen aufmerksam

Limburg-Weilburg. Ob auf Feldern, in Flüssen oder in den Meeren – Plastikabfälle sind nicht nur unschön anzusehen, sondern stellen eine massive Gefahr für unsere Ökosysteme und damit unsere Nahrung dar. Seit 1993 werden die im Landkreis Limburg-Weilburg anfallenden Bio- und Grünabfälle aus den braunen Tonnen in den Kompostierungsanlagen Weinbach-Gräveneck und Beselich-Obertiefenbach (seit 1997) kompostiert. Die Getrenntsammlung von Bioabfällen ist seit 2015 in ganz Deutschland Pflicht. Die Behauptung „Das schmeißen die sowieso alles auf den gleichen Haufen“ ist schlichtweg falsch.
Jede und jeder Einzelne mag vielleicht nur hier und da mal nicht kompostierbare Dinge in die braune Tonne werfen, insgesamt werden diese „Kleinigkeiten“ jedoch zu einem großen Problem. Mittlerweile müssen mehr als 12.000 Tonnen Bioabfall über geeignete Verwertungsanlagen teuer nachbehandelt werden, 1.400 Tonnen sind nicht mehr zu retten und kommen in die Müllverbrennung. Das verursacht erhebliche Logistik- und Entsorgungskosten, die gegebenenfalls höhere Abfallgebühren verursachen, es ist schlecht für das Klima und der wertvolle Rohstoff Kompost wird zerstört.
Dabei wäre es so einfach: „Mit der richtigen Befüllung der Biotonnen kann jeder einen großen Beitrag zur Schließung eines wichtigen Stoffkreislaufs beitragen“, sagt Bernd Caliari, Betriebsleiter des Abfallwirtschaftsbetriebes Limburg-Weilburg. Bioabfälle müssen so beschaffen sein, dass sie von Kleinstlebewesen, Bakterien und anderen Mikroorganismen in kürzester Zeit in Kompost umgewandelt werden können und weder die technischen Behandlungsschritte stören noch bei der Güteüberwach¬ung des hergestellten Komposts zu Beanstandungen führen. Ob etwas in die Biotonne darf oder nicht, kann man grundsätzlich an dem Merkmal „Natürlichkeit“ festmachen. Ist etwas in der Natur gewachsen, darf es in die braune Biotonne, wie zum Beispiel:
- Grün- und Gartenabfälle
- alle verrottbaren Küchenabfälle
- verdorbene Joghurts (ohne Becher)
- abgenagte Knochen, Saucenreste etc.
Idealerweise wickelt man Gemüse- und Obstreste, Kaffeefilter und Teebeutel in verrottbares Zeitungs- oder Küchenpapier ein. Das Papier kann überschüssige Feuchtigkeit aufnehmen, was sich gut auf den Kompostierungsprozess auswirkt, und es hat den Vorteil, dass sich unangenehme Gerüche aus der Biotonne deutlich verringern. Wenn die Biotonne darüber hinaus im Sommer an einem schattigen oder kühlen Ort steht und der Deckel stets verschlossen ist, bleiben Maden und Fliegen fern. Dass Plastiktüten und -netze, Bauschutt, Glas, Hygieneartikel und Kunststoffver¬packungen nicht in die braune Tonne gehören, ist offensichtlich, aber auch die von der Werbeindustrie angepriesenen kompostierbaren Bioabfallbeutel verrotten viel zu langsam und gehören deshalb nicht in die braune Tonne. Aus der Praxis berichtet Michael Schneider, Betriebsleiter der Kompostierungsanlage Beselich: „Auch Bioabfallbeutel, die als für die Biotonne geeignet gelten, beeinträchtigen die gute Qualität des erzeugten Komposts sehr, da sie sich nicht in der sehr kurzen Rottezeit im Kompostwerk in gute Komposterde umwandeln lassen. Darüber hinaus stören sie den gesamten Prozess¬ablauf an sehr vielen Stellen, wo maschinell sortiert werden muss.“
Aus all diesen Gründen startet der Landkreis Limburg-Weilburg ab dem 10. Mai mit der Kontrolle Bioabfallsammelgefäße (braune Tonne). „Der Landkreis Limburg-Weilburg hat sich für diese Aktion entschieden, da alle vorangegangenen Maßnahmen im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit keine messbare Auswirkung auf eine Verbesserung der Qualität des Bioabfalls hatten“, erklärt der Erste Kreisbei¬geordnete Jörg Sauer. Biokompost wird auch auf landwirtschaftlichen Nutzflächen ausgebracht, auf denen regionale Produkte für den regionalen Markt wachsen. Ein hoher Anteil von Plastik im Kompost erschwert die Ernte, ist gesundheitsschädlich und führt auch hier wieder zu steigenden Preisen. „Jede und jeder Einzelne ist bei der Vermeidung von Plastikmüll gefragt“, so der Appell von Jörg Sauer. „Nur gemeinsam können wir etwas bewegen. Deshalb wollen wir mit dieser Aktion zusammen mit der Unterstützung unserer Bürgerinnen und Bürger daran arbeiten, unsere Umwelt zu schonen und die Kosten für die Müllentsorgung als auch für unsere regionalen Lebensmittel nicht unnötig zu verteuern“ betont Jörg Sauer.
Bei der Kontrollaktion werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Abfallwirtschaftsbetriebs Limburg-Weilburg (AWB) den Inhalt der bereitgestellten Biotonnen unmittelbar vor dem Eintreffen des Sammelfahrzeugs in Augenschein nehmen. Die Gefäße werden in Stichproben und nach dem Zufallsprinzip ausgewählt. Ist der Inhalt einwandfrei und nicht zu beanstanden, wird das Gefäß mit einem grünen Anhänger versehen. Gefäße mit verunreinigtem Bioabfall werden durch einen roten Anhänger, der mittels Plombe am Gefäß befestigt wird, gekennzeich¬net. Die roten Anhänger sind mit einer Telefonnummer versehen, unter der die Bürgerinnen und Bürger Informationen zum Grund der Beanstandung erhalten. Das nachfolgende Sammelfahrzeug wird rot gekennzeichnete Gefäße nicht entleeren. Die Kennzeichnungen werden nach erfolgter Nachsortierung oder einer allerdings kostenpflichtigen Sonderleerung durch die Bürgerinnen und Bürger sowie einer erneuten Kontrolle durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des AWB vom Gefäß abgenommen. „Der erste Probelauf an einigen Orten im Landkreis wurde von den dort wohnenden Menschen mit großer Mehrheit positiv aufgenommen und unterstützt“, so Sauer. Und so sollte es nach Meinung des zuständigen Dezernenten auch sein: Gemeinsam Gutes tun – „Für unsere Umwelt, unsere Nahrungsmittel und für die Gemeinschaft.“ © Landkreis Limburg-Weilburg