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Invasive Pflanzenarten sollen am Kerkerbach eingedämmt werden

„Ausbreitung über das Fließgewässer im besten Fall verhindern“

Regierungspräsidium Gießen startet Maßnahmen: Invasive Pflanzenarten sollen am Kerkerbach in den Gemeinden Beselich und Waldbrunn eingedämmt werden

Gießen/Beselich/Waldbrunn. Passanten werden sie schon aufgefallen sein: Am Kerkerbach in den Gemeinden Beselich und Waldbrunn arbeiten derzeit Menschen in Schutzanzügen am Gewässerrand mit Motorsense und Spaten – manchmal auch nur mit einem Fotoapparat in der Hand. Im Auftrag des Regierungspräsidium Gießen bekämpfen sie mit wissenschaftlicher Begleitung ausgewählte Vorkommen invasiver Pflanzenarten am Kerkerbach und seinen Nebengewässern. Entlang der Perf im Landkreis Marburg-Biedenkopf wird dieses Projekt bereits im vierten Jahr verfolgt.

„Invasive Pflanzenarten stammen aus Hausgärten und wuchern über deren Grenzen hinaus, sie werden gezielt in der freien Landschaft ausgebracht, von Tieren und Fahrzeugreifen verschleppt oder nicht fachgerecht entsorgt“, berichtet Corinna Vahrenkamp von einem drei Naturschutz-Dezernate im RP Gießen. Das Ergebnis ist dasselbe: immer mehr Pflanzenarten siedeln sich außerhalb ihres bisherigen Herkunfts- und Verbreitungsgebietes an.

„Einige davon verdrängen heimische Arten und gefährden damit die biologische Vielfalt.“ Diese gelten dann als invasiv. Manche verursachen hohe wirtschaftliche Schäden, wie der japanische Staudenknöterich, der mit seinem Wurzelwerk unter anderem Brückenbauwerke gefährden kann. Andere sind für die menschliche Gesundheit problematisch, wie die Herkulesstaude. „In Verbindung mit Sonnenlicht verursacht sie bei Berührung gefährliche Verbrennungen.“ Besonders entlang von Fließgewässern können sich einige dieser Arten schnell und über weite Strecken ausbreiten. Auch bei Bau- und Renaturierungsmaßnahmen ist die Gefahr gegeben, Samen oder Wurzelteilen zu verschleppen.

Im Rahmen des LIFE-Projektes wird in einer vergleichenden praktischen Studie untersucht, wie wirksam Bekämpfungsmaßnahmen in den Fließgewässersystemen von Perf und Kerkerbach als wichtige Nebengewässer der Lahn sind. An beiden Zuflüssen wurden im Vorfeld alle vorkommenden invasiven Pflanzenarten innerhalb eines 100 Meter-Streifens links und rechts der Bäche kartiert. Daraufhin erstellte ein Fachbüro jeweils eigene Konzepte zur sinnvollen Herangehensweise bei der Bekämpfung.

Besonders wird dabei auf die Oberläufe der Bäche geachtet oder Vorkommen, die so kleinflächig sind, dass mit relativ geringem Bekämpfungsaufwand eine Ausrottung der Art an diesem Ort erreicht werden kann. „Ziel ist, eine Ausbreitung der ausgewählten Arten über das Fließgewässer im besten Fall zu verhindern.“

Die Ergebnisse des Projektes werden am Ende als Handbuch veröffentlicht, das Entscheidungsträgern und Planern Hilfestellung für den Umgang mit invasiven Arten an Fließgewässern gibt. Parallel wird die Bevölkerung vor Ort informiert – darunter insbesondere Landnutzer, Beschäftige von Kommunen und Baufirmen oder auch Naturschützer –, um für die Thematik zu sensibilisieren. „Zum Erhalt der biologischen Vielfalt können alle beitragen“, sagt Corinna Vahrenkamp.  © RP-Gießen