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Immer mehr Imker in Hessen 

Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich informiert sich bei Bienenexperten in Kirchhain

Gießen. Sie ist eine echte Sympathieträgerin, sei es als Maja in der Zeichentrickserie oder ganz real als fleißige Honig-Lieferantin. Nach schweren Zeiten der Bedrohung durch Parasiten wie die Varraomilbe und einem immer kleiner werdenden Lebensraum hat die Gesellschaft nun ihre Liebe für die Biene entdeckt: Immer mehr Menschen werden Imker. Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich informierte sich in Kirchhain bei den Fachleuten schlechthin über den aktuellen Stand. Denn dort hat nicht nur das Bieneninstitut Kirchhain seinen Sitz, sondern direkt nebenan auch der Landesverband Hessischer Imker.

„Wir haben hier in Mittelhessen unheimlich viel Fachwissen, wir reden nur nicht genügend darüber“, sagt Regierungspräsident Ullrich. Anlass seines Besuchs sind unter anderem die seit Jahren kursierenden Berichte über Bienensterben und für die Landes-Kampagne „Bienenfreundliches Hessen“ zu werben. „Pflanzenschutz ist ein Thema, auch der Klimawandel“, berichtet Institutsleiter Dr. Ralph Büchler über die Einflüsse, die der Biene zu schaffen machen.

Zugleich verweist er auf ihre große Bedeutung. „Die Biene ist die Voraussetzung für blühende Landschaften und intakte Nahrungsketten.“ Ein Drittel aller Nahrungspflanzen ist auf Bestäubung angewiesen. Das betrifft fast zehn Prozent aller landwirtschaftlichen Produktion. Der Bestäubungswert liegt weltweit bei umgerechnet 153 Milliarden Euro. „Daneben ist sie aber auch für die Versorgungssicherheit und die Biodiversität, also die biologische Vielfalt, enorm wichtig“, erklärt der Institutsleiter weiter. 

Diese große Bedeutung spiegelt sich auch in den Aufgaben des Bieneninstituts wider. „Wir erstellen Fachinformationen für Imker, Landwirte, Beratung, Bildung, Politik, Verbraucher und andere Zielgruppen“, erklärt Anna Mawick, Abteilungsleiterin für Fachinformation im Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen, einer nachgelagerten Behörde des Hessischen Umweltministeriums, zu dem das Institut gehört. Das heißt konkret: „Hier werden Datenreihen, Kennzahlen, Versuchsergebnisse, Analysen, wissenschaftliche Erkenntnisse ausgewertet und aufbereitet.“ Da das Institut selbst 300 Bienenvölker hält, kann hier sogar der Beruf des Tierwirts Fachrichtung Bienenhaltung erlernt werden. „Wir haben aktuell vier junge Menschen hier in der Ausbildung“, erläutert Ralph Büchler.

Der Besuch beinhaltet nicht nur die Vorstellung eines aktiven Bienenstocks auf dem Institutshof, sondern auch einen Einblick in die Labore, in denen etwa an der Varroamilbe, einem der ärgsten Feinde der Biene, geforscht wird. Auch das Thema Pflanzenschutzmittel beschäftigt die Mitarbeiter sehr. Die Qualität der Wirkstoffe habe sich stark verändert, ist eine wesentliche, gewonnene Erkenntnis. „Die Hälfte aller 500 Bienenarten hier in Hessen gilt als stark gefährdet“, berichtet Ralph Büchler. „Wirken sich die vom Land Hessen geförderten Blühstreifen etwas?“, will RP Ullrich wissen. Ja, lautet die Antwort. Für die Honigbiene sei es eine spürbare Verbesserung. „Wenn ich unseren Bienenbestand durchgehe, sehe ich genau, wo ein gut gemischtes Blühangebot herrscht.“

„Auch wenn wir vor großen Herausforderungen stehen, sehe ich die Zukunft der Imkerei aber durchaus positiv“, fasst Institutsleiter Büchler zusammen. Stichwort: Imker-Boom. Immer mehr Menschen widmen sich dem kleinen Insekt. „Wir haben mittlerweile mehr Imker als Milchviehhalter in Hessen.“ Jedes Jahr beginnen 800 bis 900 Menschen. Was er sehr begrüßt, nicht nur wegen der biologischen Vielfalt und der Bestäubungsleistung. „Bienenhaltung ist auch eine gute ökologische Schule.“

Eine Schule, die letztlich aber auch Fachwissen erfordert. Das ist der Grund, weshalb das Bieneninstitut intensiv ausbildet und berät – von Grundkenntnissen bis zu aktuellen Entwicklungen. Ziel ist es, die Zahl der im Lauf des Winters sterbenden rund 15 Prozent aller Bienenvölker immer weiter zu verringern. Mitarbeiter Christian Dreher mit seiner Bienen-Beratung sowie Lehrgänge bieten die Möglichkeit, die Kenntnisse in den Bereichen Krankheiten, Zucht und Versorgung zu vertiefen.

„Wir erleben einen Aufschwung“, berichtet Manfred Ritz, Vorsitzender beim Landesverband Hessischer Imker e.V., der nur wenige Meter weiter seinen Sitz hat.

„Das reicht von jungen Frauen mit drei kleinen Kindern bis zum junggebliebenen Pensionär.“ Gemeinsam mit dem 2. Vorsitzenden Ralph Bonkowski stellt das Spitzen-Duo des Verbandes seine Arbeit vor. „Innerhalb der vergangenen acht Jahre hat sich unsere Mitgliederzahl von 6400 auf 11.000 Mitglieder fast verdoppelt“, sagt der Vorsitzende. Aktuell hat jedes Mitglied im Schnitt fast sechs Völker. Der Honigertrag nimmt deutschlandweit mit 37 Kilogramm pro Volk den Spitzenplatz ein.

Auch hier nimmt das Thema Fortbildung einen zentralen Platz ein. „Wir haben viele ehrenamtliche Obleute“, berichtet der Vorsitzende. Rund 30 Lehrbeauftragte sind für den Landesverband aktiv. „Alleine in diesem Jahr hatten wir bislang über 1000 Anmeldungen zu unseren Seminaren.“ Den Großteil seiner Mittel – 80 Prozent – gibt der Verband für Schulungen aus. „Wir schulen breit und versuchen dabei, die Nachhaltigkeit langsam und kontinuierlich reinzubringen“, sagt Ralph Bonkowski. Dazu gehört zum Beispiel, keine Medikamente zu verwenden, sondern organische Säuren. „Dann imkere ich mit der Natur.“

Regierungspräsident Christoph Ullrich lobt das große persönliche Engagement, das Imker nicht nur in ihre Völker investieren, sondern auch in die stetige Auffrischung des eigenen Wissens: „Es ist wichtig, den Menschen danke zu sagen, die sich hier ehrenamtlich engagieren.“ Dieses habe eine hohe Reichweite: „Wenn die Bienen von den Imkern nicht gepflegt und bearbeitet würden, hätten die Bienen ein Problem und damit letztlich auch wir alle.“ © RP-Gießen