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Im Landkreis gibt es 85 Selbsthilfegruppen/Kontaktstelle berät Gruppen sowie Interessentinnen und Interessenten

Der Landkreis Limburg-Weilburg betreibt schon seit 1987 im Gesundheitsamt eine eigene Selbsthilfekontaktstelle. Seit 2018 wird sie von der 40-jährigen Michelle Bautz geleitet, die eine pädagogische Ausbildung hat und Erziehungswissenschaftlerin ist. Ihre Einstellung war eine Aufwertung der Kontaktstelle, weil sich seitdem erstmalig eine Kraft der Kreisverwaltung ausschließlich um diese kümmert.

Michelle Bautz hilft auf Wunsch bei der Gründung von Gruppen, bei konzeptionellen, organisatorischen und rechtlichen Fragen sowie bei der Öffentlichkeitsarbeit. Wie Bautz berichtet, fördert die Kontaktstelle auch die Kontakte der Selbsthilfegruppen untereinander. Wenn jemand eine Selbsthilfegruppe für sich sucht, kann er sich auch während der üblichen Bürozeiten an die Selbsthilfekontaktstelle wenden. Prinzipiell kann jeder eine Selbsthilfegruppe im Gesundheitsbereich ins Leben rufen. Wenn diese aber offiziell anerkannt und gefördert werden soll, muss sich an gewisse Kriterien gehalten werden. So müssen die Mitglieder einer Gruppe auch wirklich Betroffene oder deren Angehörige sein. Es geht also nicht, dass sich beispielsweise ein Arzt oder ein kommerzieller Anbieter, der beruflich von der Arbeit mit Betroffenen profitiert, eine Selbsthilfegruppe leitet und mit seinen Ratschlägen über diese Geld verdient. Ebenfalls muss die Gruppe prinzipiell für jeden offen, die Teilnahme für jeden kostenfrei sein. Zudem muss alles vertraulich bleiben, was Betroffene im Rahmen der Treffen über sich preisgeben. Was Bautz auch wichtig ist, ist die Unabhängigkeit der Arbeit einer Gruppe. Somit wäre es problematisch, wenn diese sich von einem Arzneimittelhersteller sponsern lassen würde und dies Einfluss auf die Objektivität einer Beratung hätte. Ebenfalls kann eine Gruppe nur offiziell anerkannt und öffentlich gefördert werden, wenn sie mit der Selbsthilfekontaktstelle kooperiert.

Selbsthilfe bedeutet, dass Menschen, die selbst betroffen sind, ihre Erfahrungen an andere Betroffene weitergeben bzw. sich untereinander austauschen. Bautz berichtet, dass es in den Gruppen inhaltlich überwiegend um das Thema gehen solle, für das die Selbsthilfegruppe steht. Was nicht ausschließt, dass bei den Gruppentreffen auch andere Themen angesprochen werden oder auch mal mit der Gruppe reine Freizeitaktivitäten zur Stärkung des Gemeinschaftsgefühls unternommen werden können. Teilweise gibt es für ein Thema auch mehrere Selbsthilfegruppen. „Manchmal setzen Gruppen unterschiedliche Schwerpunkte“, sagt Michelle Bautz. Manchmal sei auch die räumliche Distanz zu einer anderen Gruppe der Grund, eine zweite zu gründen. Oder die Gruppe sei, so Bautz, zu groß geworden, dass es lohne, eine weitere ins Leben zu rufen. „Um vernünftig arbeiten zu können, macht es ja Sinn, die Gruppen bei Treffen nicht zu groß werden zu lassen“, erklärt die Leiterin der Selbsthilfekontaktstelle. Natürlich schaut sie auch darauf, um was es thematisch in den Selbsthilfegruppen gehen soll. Gewünscht ist es nicht, wenn unter dem Deckmantel einer Selbsthilfegruppe beispielsweise von Impfgegnern Politik gemacht werden soll. Manchmal hat Michelle Bautz bei Anrufen auch den Eindruck, dass die betreffende Person eine eigene Erfahrung erst einmal verarbeiten müsste und dafür professionelle Hilfe bräuchte, bevor sie direkt eine Selbsthilfegruppe gründet.

Die engagierte Arbeit der Kontaktstellenleiterin hat schon die ersten Früchte getragen. Mit 62 Selbsthilfegruppen im Kreis hat sie ihre Tätigkeit begonnen. „Im Schnitt kommen zehn neue Gruppen im Jahr dazu“, berichtet die Leiterin. Mittlerweile existieren im Landkreis 85 Selbsthilfegruppen. Wenn jemand mit einer Erkrankung oder Behinderung kommt, für die es noch keine eigene Gruppe gibt, ermutige ich die Person zur Gründung einer Gruppe“, erzählt Bautz. Natürlich gibt sie dieser Person dann auch die erforderliche Hilfestellung. Mit der Qualität der Arbeit der Selbsthilfegruppen ist Michelle Bautz sehr zufrieden. Viele Leiter von Gruppen seien hervorragend über ihr Thema informiert, würden sich regelmäßig fortbilden und könnten anderen Betroffenen hervorragende Unterstützung bei ihren offenen Fragen bieten. Wie die Leiterin der Kontaktstelle verrät, hat die Zeit der Corona-Pandemie der Vielfalt an Selbsthilfegruppen im Kreis nicht geschadet. Nur zwei Gruppen haben sich in dieser Zeit aufgelöst. Trotzdem war es für die Betroffenen natürlich nicht schön, sich phasenweise nicht mehr persönlich treffen zu können. Viele Verantwortliche haben dann nach Lösungen gesucht, die Arbeit der Gruppen unter geänderten Rahmenbedingungen fortführen zu können. Manche haben sich im Sommer in Gärten von Mitgliedern getroffen, manche sind zu Online-Formaten übergegangen. Andere haben telefoniert oder sich Briefe geschrieben. “Prinzipiell ist es aber besser, wenn Treffen von Selbsthilfegruppen nicht bei einem Teilnehmer oder Gruppenleiter daheim stattfinden, sondern an einem für alle neutralen Ort“, so Michelle Bautz. Darum hat der Landkreis auch einen Raum in Limburg als Gruppenraum angemietet, den die Gruppen für ihre Treffen kostenfrei nutzen können.

Michelle Bautz ist froh, die Stelle in der Kreisverwaltung zu haben und dort nur für einen Landkreis zuständig zu sein. So kann sie nahe an den Selbsthilfegruppen dran sein. Mittlerweile hat sich der Stellenwert von Selbsthilfegruppen deutlich erhöht, so dass fast alle hessischen Landkreise zwischenzeitlich eigene Selbsthilfekontaktstellen besitzen. Dass eine Person für einen Kreis zuständig ist wie im Kreis Limburg-Weilburg, hält Bautz für das beste Modell, weil man so die Übersicht behält und nahe an allen Gruppen dran sein kann. So weiß die 40-jährige, dass durch die Corona-Zeit die Themen Psyche und Sucht stärker in den Vordergrund gerückt sind. Süchte seien in den Zeiten, in denen Menschen vermehrt daheim gewesen seien, auch eher aufgefallen. Neue Themen sind durch die Pandemie ebenfalls aufgetaucht, wie Gruppen, die sich mit der Thematik Long Covid befassen. Neuen Gruppen kann Michelle Bautz dann mit ihrer Erfahrungen und ihren Kontakten helfen, neue Mitglieder zu gewinnen bzw. und mehr Öffentlichkeit zu bekommen. Die über eine Pressemitteilung gefundenen neuen Interessenten für eine Gruppe können dann Erwartungen an die Gruppe formulieren. Wenn es gewünscht ist, kann Bautz bei der Konzepterstellung helfen oder bei Konflikten innerhalb der Gruppe als Mediator tätig werden. Die Selbsthilfekontaktstelle gibt eine Broschüre sowie regelmäßig Infobriefe mit Infos zu allen Selbsthilfegruppen heraus, veranstaltet einmal jährlich einen Selbsthilfetag und bietet den Gruppenleitern Fortbildungen und Treffen zum Erfahrungsaustausch an.
Die Selbsthilfestelle der Kreisverwaltung ist dienstags, mittwochs und donnerstags jeweils von 8 bis 14 Uhr unter Telefon 06431 296-635 oder 0160 90714155
oder per E-Mail unter selbsthilfe@limburg-weilburg.de erreichbar. © Landkreis Limburg-Weilburg