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IHK: Corona-Blitzumfrage · Wirtschaft breit und lang anhaltend getroffen

Die Corona-Krise hat nachhaltig große Auswirkungen auf die Wirtschaft in der Region Limburg-Weilburg. Die Aussichten der Unternehmen haben sich gegenüber den Vormonaten zwar insgesamt etwas verbessert, der Weg aus dem Konjunkturtief wird aber langwierig sein. Zu diesem Ergebnis kommt die vierte Corona-Blitzumfrage der IHK Limburg.

Die Auswirkungen der Corona-Krise haben sich tief in die deutsche Wirtschaft gegraben. Die Betriebe kämpfen in der Breite mit den Folgen des Lockdowns und geringer Nachfrage – national wie international. Für viele Unternehmen geht es um die Existenz. Laut Umfrage rechnen etwa zwei Drittel der heimischen Betriebe für das Gesamtjahr 2020 mit einem Rückgang ihrer Umsätze. Auf Bundesebene ist der Anteil noch größer. Von Insolvenz bedroht ist in Deutschland infolge der Krise mehr als jedes zehnte Unternehmen und im IHK-Bezirk Limburg ca. jedes fünfzehnte.

„Die meisten Unternehmen haben aktuell weniger Kunden und Aufträge, die Lage der Wirtschaft bleibt somit kritisch“, fasst Monika Sommer, Hauptgeschäftsführerin der IHK Limburg, die Ergebnisse der Umfrage zusammen. „Im Vergleich zu den Vorumfragen sind es jedoch weniger Betriebe, die für dieses Jahr einen Umsatzrückgang erwarten. Damit zeichnet sich gegenüber April und Mai ein leichter Aufwärtstrend ab. Allerdings ist trotz der Lockerung von Corona-Beschränkungen etwa im Einzelhandel und der Unterstützungsmaßnahmen der Politik keine schnelle Erholung in Sicht“, so Sommer.

So rechnet unter den heimischen Betrieben vor allem das Gastgewerbe mit Umsatzrückgängen gegenüber 2019 (minus 47 Prozent) und aufgrund der Reisebeschränkungen noch stärker die Reisewirtschaft (minus 75 Prozent). Es bleibt abzuwarten, inwieweit die Öffnungsschritte hier für mehr Frequenz, Nachfrage und Umsatz sorgen werden und wie stark die Kosten für Hygienemaßnahmen die Betriebe belasten.

Auch nachgelagerte Branchen wie Verkehr und Lagerei sind stark von Umsatzrückgängen (minus 40 Prozent) betroffen. Finden Produktion und Verkauf von Waren nur noch eingeschränkt statt, ist auch ihr Geschäft beeinträchtigt.

Auswirkungen der Corona-Krise

Die Corona-Krise hat große Auswirkungen auf die heimische Wirtschaft. So haben rund 50 Prozent der Betriebe mit einer geringeren Nachfrage zu kämpfen. Die negativen Auswirkungen ziehen sich dabei quer durch die Branchen. Insbesondere in der Industrie kommt dabei noch die internationale Perspektive hinzu. Unternehmer und Beschäftigte können nicht reisen, um ihre internationalen Kunden zu betreuen oder neue Kunden zu gewinnen. Von einem Einbruch bei der Nachfrage ist man aber auch in Verkehrs- und Lagerwirtschaft, Gastgewerbe, Reisewirtschaft sowie Groß- und Einzelhandel getroffen. Mitunter stornieren Kunden ganze Aufträge, wovon jedes dritte der heimischen Unternehmen berichtet.

Weniger Investitionen

Mehr als ein Drittel der heimischen Unternehmen streicht laut Umfrage seine Investitionspläne in diesem Jahr zusammen. Ursachen sind unter anderem fehlende Nachfrage, schwierige Finanzierungsbedingungen und Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung der Krise. Das könnte in der Folge Herstellern von Investitionsgütern oder auch im Baugewerbe zusätzliche Probleme bereiten – und so die Krise verstärken und verlängern.

Personalabbau

Eine Folge des Umsatzrückgangs sind Anpassungen im Personalbedarf der Unternehmen. Bundesweit wollen 25 Prozent der Unternehmen Personal reduzieren, regional sind es 16 Prozent. Bezeichnend ist, dass nur 8 Prozent der Betriebe planen, zusätzliches Personal einzustellen, regional sind es 9 Prozent. Dass es insgesamt eher zu einem Personalabbau kommt, zieht sich bundesweit durch alle Sektoren der Wirtschaft, ausgenommen sind das Baugewerbe und die Gesundheitswirtschaft.

Normalisierung wird dauern

Nur gut 20 Prozent der heimischen Betriebe arbeiten weiterhin bzw. wieder mit einer Auslastung wie vor der Krise. Das Baugewerbe liegt deutlich über dem Durchschnitt der Gesamtwirtschaft, hier arbeiten 40 Prozent „im Normalbetrieb“. Besonders betroffen sind hingegen das Gastgewerbe und die Reisewirtschaft. Hier erwarten über 70 Prozent der Betriebe erst im Verlauf des Jahres 2021 eine Normalisierung. Jedes zehnte Unternehmen bundesweit glaubt sogar, das Vorkrisenniveau seiner Geschäftstätigkeit gar nicht mehr erreichen zu können. In der Gesamtwirtschaft rechnet etwa die Hälfte der Unternehmen mit einer Rückkehr zur Normalität erst in 2021 oder später.

Hilfen benötigt und genutzt

Die Ergebnisse der Umfrage verdeutlichen, dass staatliche Unterstützungsleistungen dringend benötigt werden. Die Hilfsmaßnahmen zur Beschäftigungs- und Liquiditätssicherung haben aus Sicht der Unternehmen hohe Relevanz. So haben 33 Prozent der befragten Unternehmen aus der Region Limburg-Weilburg angegeben, das Kurzarbeitergeld zu nutzen, etwas mehr haben auch Soforthilfe beantragt. Jedes vierte Unternehmen hat Steuerstundung beantragt, jedes achte Unternehmen Kredite einer Förderbank. Ein Verlustantrag aus 2020 ins Steuerjahr 2019 wurde von etwa jedem zwölften Unternehmen beantragt. Angesichts der Breite und Tiefe der Krise werden die Maßnahmen auch mittelfristig nicht an Bedeutung verlieren. Wichtig ist, dass die Hilfen unbürokratisch und schnell bei den Unternehmen ankommen.


* Um die Voraussetzungen für ein gelungenes Wiederanfahren der deutschen Wirtschaft und die Herausforderungen sowie weitere Bedarfe der Unternehmen plastisch darzustellen, hat die IHK-Organisation Ende Juni die 4. bundesweite Unternehmensbefragung durchgeführt. Die Ergebnisse fließen unmittelbar in die Beratung der Bundesregierung ein. Aus dem Bezirk der IHK Limburg haben sich über 280 Unternehmen aller Branchen an der Umfrage beteiligt. © IHK-Limburg