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Holocaust-Gedenktag in Limburg: Ohne Erinnerung keine Zukunft

Der 27. Januar ist internationaler Holocaust-Gedenktag. Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee das Konzentrationslager Ausschwitz-Birkenau. Zum 60. Jahrestag der Befreiung wurde der Tag im Jahr 2005 von den Vereinten Nationen als Internationaler Holocaust Gedenktag eingeführt.
Aus Anlass des Gedenktages finden sich jedes Jahr Vertreterinnen und Vertreter der jüdischen Gemeinde, der Politik und gesellschaftlicher Gruppierungen sowie der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit auf dem jüdischen Friedhof in Limburg ein. Dort erinnert eine Säule mit zahlreichen Namen an die jüdischen Bürgerinnen und Bürger, die dem Holocaust zum Opfer gefallen sind. Auch das Erinnern hat sich in diesem Jahr der Corona-Pandemie gebeugt, vergessen worden ist es jedoch nicht.
„Es ist wichtig, das Erinnern immer wieder wach zu rufen“, verdeutlichte Elena Kopirovskaja als Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, die sich über den gesamten Landkreis verteilt. Zusammen mit Rabbiner Shimon Großberg und dem Limburger Bürgermeister Dr. Marius Hahn hatte sie sich am vergangenen Sonntag (24. Januar) der Aufgabe gestellt, aus Anlass des Gedenktags an die 195 Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern. „Ohne Erinnerung an die Vergangenheit gibt es keine Zukunft“, mahnte die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde vor den Gästen, dem Limburger Stadtarchivar Dr. Christoph Waldecker und Dr. Manfred Diefenbach, dem katholischen Vorsitzenden der Gesellschaft für christlich-jüdischen Zusammenarbeit.
Die Aufgabe der Erinnerung sei zugleich auch stets Mahnung, unterstrich Bürgermeister Dr. Marius Hahn. Mahnung daran, dass sich schreckliche Ereignisse nicht wiederholen dürfen. „Doch das vergangene Jahr hat deutlich gezeigt, dass das kein Automatismus ist, dass wir alle gefordert sind“, sagte Hahn und wies auf die Erstürmung der Reichstagstreppe in Berlin Ende August 2020 durch Rechtsextremisten und Verschwörungstheoretiker hin. Auch wenn aufgrund der Corona-Pandemie eine Gedenkveranstaltung in gewohnter Weise auf dem jüdischen Friedhof nicht möglich sei, dürfe die Erinnerung nicht aussetzen. Die Aufarbeitung der Unterdrückung und des Mordens in der NS-Zeit führe zum Entdecken immer neuer Opfer.
Dr. Christoph Waldecker, der als Limburger Stadtarchivar nach den Opfern forscht und ihr Biografien erarbeitet, hat in den vergangenen Monaten an die bestehende Opferliste weitere acht Frauen und Männer hinzugefügt. Darunter befinden sich vier jüdische Bürgerinnen und Bürger, die teilweise in Limburg geboren wurden und/oder für lange Zeit in der Stadt lebten; weitere vier nicht-jüdische Opfer wurden Opfer der NS-Euthanasie und in Idstein, Hadamar oder Haina ermordet.
Eingebettet in von Rabbiner Shimon Großberg vorgetragene Gebete verlasen Elena Kopirovskaja und der Bürgermeister die Namen der Opfer, Elena Kopirovskaja die Namen der jüdischen Opfer, Marius Hahn die übrigen Opfer. Am kommenden Sabbat werden die Namen der jüdischen Opfer auch beim Gottesdienst im jüdischen Gemeindezentrum verlesen. © Stadt Limburg